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Arbeitsbericht 2010




Jahresabschlußbericht des
Nehemia-Freundeskreis e.V. für das Jahr 2010



Liebe Freunde!

Herzlich bedanke ich mich für jede Unterstützung unserer Vereinsarbeit und gebe Ihnen heute mit großer Freude und Dankbarkeit unseren Arbeitsbericht für das Jahr 2010.

Die alle 3 Jahre stattfindende Überprüfung unseres Vereines durch das Finanzamt ergab keinerlei Beanstandungen, so dass wir im November 2010 für weitere 3 Jahre die Gemeinnützigkeit zuerkannt bekommen haben.

Am 28.02.2010 trafen sich 13 Mitglieder und 20 Vereinsfreunde des NFK e.V. in Elsterberg zur Jahreshauptversammlung 2010.

Unsere Aufgabe in Deutschland bestand im Wesentlichen aus Werbung und Informationsgesprächen. Dies schuf die materielle Grundlage und die geistliche Basis für unseren Dienst in der Ukraine.

Die Vereinsarbeit in der Ukraine wurde von den politischen Veränderungen im Land geprägt. Die örtlichen Behörden unterstützen uns, aber die gesamtpolitische Lage wendet sich gegen Hilfe aus dem Ausland und gegen Ausländer. Das sehen wir an den Verschärfungen der Einfuhrgesetze für humanitäres Hilfsgut, aber auch bei der Beantragung der nötigen Aufenthaltsgenehmigungen. So stehen wir unter einem gewissen Druck. Auf der einen Seite die Bitten der örtlichen Behörden, privater Personen, Krankenhäuser und Kindereinrichtungen - auf der anderen Seite steht der staatlich angeordnete Gegendruck. Dennoch können wir sagen, dass wir in unserem Regierungsbezirk ein hohes Ansehen und große Akzeptanz genießen.

Die ständig wachsende Inflation erschwert außerdem unsere Arbeit. Der offizielle Inflationswert wird mit 9,4% angegeben. Tatsächlich muss aber mit 20 - 25 % gerechnet werden. Vor allem Energie, Gas, Kraftstoff und Minerale (Dünger) haben teilweise 50 % zugelegt. Die Regierung hat in der letzten Zeit den Mindestlohn verdreifacht und liegt jetzt bei etwa 1000 Griwni und entspricht so etwa 100 Euro.

Das bringt uns doppelt in Bedrängnis, bei fast stabilen Brotpreisen und fallenden Preisen für Schweinefleisch müssen wir erheblich mehr Finanzausgleich leisten, der ohne Hilfe aus der Heimat nicht möglich wäre.

Und trotzdem konnten durch Spenden aus Deutschland, aus der vereinseigenen Bäckerei und der Landwirtschaft folgendes unseren Freunden zur Verfügung gestellt werden:

Rehabilitationszentrum Alexandria: 2t Kartoffeln, 6720 Brote
Krankenhaus Alexandria: 5766 Brote
Kinderheim neues Leben: 2,5t Kartoffeln, 4770 Brote, 390 Liter Milch, 45 kg Quark
Suppenküche Chalachow: 590 Brote
Kindergarten Protopopowka: 600 Brote zum Herstellungspreis

Zweckgebundene Spenden an Privatpersonen:
Übernahme der Kosten für Medikamente und Krankenhausaufenthalt
Lebensmittelspenden an private Haushalte und die Bibelschule Krementschuk

Im Projekt Hilfe zur Selbsthilfe arbeiten zurzeit 18 Personen. Wir freuen uns, dass hier Beständigkeit und etwas mehr Verständnis eingezogen sind: Es wächst das Bewusstsein für Arbeit, Arbeitsplatz und Lohn.

Unser derzeitiges Personal: 3 Personen in der Bäckerei, 3 im Verkauf, 3 im Stall, 2 in Küche und Bäckervorbereitung, 1 an der Nudelmaschine, 1 in der Werkstatt, 1 in der Mühle, 1 Traktorist, 1 Fahrer (Brotauto) und 1 + 1 Buchhaltung. Unsere Buchhalterin geht im März in den Mutterschutz, dafür arbeiten wir eine neue Kraft ein.

Die staatlich geforderten Gehälter konnten nur mit deutscher Hilfe pünktlich ausgezahlt werden. Die Bäckerei produziert etwa 500 Brote und 500 süße und herzhafte Brötchen pro Schicht. Der Gewinn für ein Brot liegt durch Preisbindung etwa bei einem Cent. Wir versuchen das bei der Brötchenkalkulation zu kompensieren.

Nach wie vor ist das Projekt Hilfe zur Selbsthilfe auch unser größtes Missionsfeld. Denn nirgendwo werden die Menschen so offenbar wie im Arbeitsprozess.

Der Verein bewirtschaftet 110 ha Ackerboden, hält etwa 150 Schweine und 24 Kühe (davon z. Zt. 10 Milchkühe).

Unsere materiell - technische Basis konnte weiter ausgebaut werden. Besonders durch die Anschaffung der Kartoffellege- und Erntetechnik sind wir sehr entlastet worden. Ebenfalls konnte ein Schneepflug angeschafft werden. Da dieser vor dem Traktor angebaut wird, ermöglicht er uns die Straße auf einer Breite von 4m zu räumen (Arbeitsbreite 2,2m).

Im Juni haben wir mit dem Projekt der Lagerhalle hinter der Bäckerei begonnen. Der Rohbau ist so weit abgeschlossen. Dort sollen dann Lagermöglichkeiten für Futter, Getreide, Technik und Stroh entstehen.

Im Verlauf des Jahres haben wir auch wieder im medizinischen und sozialen Bereich umfangreiche Hilfe geleistet. Dies geschah durch Übernahme der Kosten von Medikamenten und Krankenhausaufenthalten, vielen Verbandswechseln und zahlreichen Beratungs- und Aufklärungsgesprächen.

Ab Mitte April bis Mitte August waren fast ohne Unterbrechung unsere Gästezimmer belegt. Wir hatten verschiedene Gäste:
Personen, die einfach einmal kamen, um die Arbeit hier kennen zulernen oder auch nur zur Erholung, sowie eine Gruppe zum Hilfseinsatz. Wir freuen uns immer Gemeinschaft zu erleben und zu erfahren. Wir wissen, wir stehen hier nicht allein und verlassen da.

Ein herber Rückschlag stellte die Serie der verendenden Kühe im Frühjahr dar. In kurzer Folge starben uns 5 Kühe. Neben dem hohen wirtschaftlichen Schaden hatten wir noch mehr an den seelischen Lasten zu tragen.

Im Herbst begannen wir die Wasserversorgung in der Schule zu installieren. 6 WCs wurden angeschlossen und drei Waschräume stehen jetzt bereit. Neben Druckerhöhungsanlage, Pumpen, Wasserleitungen und Elektrik wurden auch Fliesen gelegt und moderne Spülkästen montiert.

Für uns ist es eine der größten Herausforderungen, die Menschen zu lehren, dass weder nachhaltiges geistliches Wachstum, wie auch der materielle Fortschritt nicht von alleine kommen. Wir werden immer wieder gefordert, früh aufzustehen und fleißig und treu zu sein. Wenn wir das - ob im Geistlichen oder Praktischen - nicht lernen anzuwenden, treten wir nur auf der Stelle. Ohne eigenen Einsatz gibt es kein nachhaltiges positives Ergebnis.

Hier stören die falschen Vorstellungen der Menschen hierzulande. Viele denken, in Westeuropa ist man selbstverständlich reich, und alles ist viel leichter und den Ärmeren steht die Hilfe in Gestalt von Geschenken zu, ohne die Bereitschaft zu haben, die eigene Situation selbst verändern zu wollen.

Wir legen besonderen Wert darauf, dass Menschen selber aktiv werden. Dabei ist es uns wichtig, dass alle Personen einen legalen und ehrlichen Weg gehen, denn nur so kann Gott seinen Segen und seine Bestätigung dazu geben.

Insgesamt können wir sagen, dass Dank der Unterstützung aus Deutschland, das Werk auf einem guten Weg ist. Hilfe durch Selbsthilfe, humanitäre Hilfe und missionarischer Dienst in einem Wirkungsbereich verbindet sich sinnvoll und damit geben wir den Menschen eine echte Unterstützung und eine gute Perspektive.

Mit freundlichen Grüßen,
Achim Döbrich