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Arbeitsbericht 2001:





Arbeitsbericht des Nehemia-Freundeskreis e.V.
für das Jahr 2001



Ellefeld, den 19.06.01

Liebe Vereinsfreunde!

Der zweite Hilfsgüterkonvoi war gut angekommen.
Der Montag begann nach Morgenandacht, Frühstück und Russischstunde mit dem Abladen. Diesmal ereilte uns das gleiche Schicksal, dass normalerweise die Hilfsorganisationen in der Ukraine in ihrer Arbeit ereilt: die Hilfsgüter wurden abgeladen und im Lager verplombt! Erst muss eine Kommision kommen, alles prüfen und dann kann verteilt werden. Aber diese Kommision kommt nicht gerade dann, wenn wir es gerne hätten, sondern sie kommt dann, wenn es ihnen passt.


Wir beim LKW ausladen

Umso dankbarer sind wir, dass vor Ort unsere Bäckerei gut läuft (unsere 4 ukrainischen Bäcker arbeiten sehr emsig und verantwortungsbewusst) und schwarze Zahlen schreibt. Der Roggen steht ganz prächtig und als das Ergebnis des Tages galt die Einweihung des Traktors: ein nagelneuer Belarus.

unser neuer Traktor

Tracktor

Und nicht nur das, auch an diesem Tag wurde von unserem Bäcker die Nudelmaschiene ausprobiert. Der erste Versuch gelang so gut, dass genug für eine zünftige Nudelsuppe mit selbstproduzierten Nudeln abfiel.

Christine ist es ein besonderes Anliegen, mit Kindern und Erwachsenen einen ehrlichen und lebendigen Kontakt herzustellen. So war zum Beispiel ein Lampionumzug ein echter Höhepunkt, der nur mit einem Einladungszettel an unserem Zaun ca. 80 Kinder mit und ohne Mutti anlockte. Jedes Kind bekam einen Amerikaner aus der eigenen Backstube und einen Lampion oder Luftbalon geschenkt. Als musikalische Umrahmung führte eine junge Frau mit dem Akkordeon den Zug an.

Von den Besuchern im Dorf gibt es immer Bewegendes zu berichten: Zum Beispiel konnte Christine eine junge Frau trösten, die am Tag des Besuches aus ihrem gemieteten Haus ausziehen musste, da es der Besitzer verkauft. Ein Haus würde etwa 1000 DM kosten, das ist eine Summe, die kaum jemand aufbringen kann. Eine andere Familie war dankbar für die Fotos von einem Soldatenfriedhof in Deutschland. Die Frau wollte gerne wenigstens das Grab ihres Vaters sehen, eine Reise dorthin ist jedoch kaum möglich.

Wir lernten eine andere christliche Gemeinde kennen, die vor ca. 3 Jahren aus einer größeren Gemeinde ausgegründet wurde. Es waren schätzungsweise 200 Leute im Gottesdienst, der von einer ganz großen Freude geprägt war, obwohl sonst soviel Bedrückung über der Ukraine liegt. Die Gemeindemitglieder treffen sich jeden Tag früh 6 Uhr zum Gebet für die Stadt und die Gemeinde. Es gibt desweiteren ein Zentrum, wo man sich um Drogen- und Alkoholabhängigen Jugendliche kümmert.

Beim Besuch des Kinderheimes in Nova Praga war die Enttäuschung auf beiden Seiten groß. Der Grund: weder die 100 Brote für die Kinder durften entladen noch die Kinderstunde gehalten werden. Eine Kontrollmission aus Kirowograd war gerade anwesend und das Personal sichtlich verängstigt. Für das Brot würden wir ein Zertifikat von der Hygieneinspektion benötigen, um es dem Kinderheim spenden zu können. Aber wir hatten einige Kartons Textilien und als Sensation für die Kinder ein Tisch-Fußballspiel dabei, das ein Kinderfreund gespendet hatte. Unter Aufsicht des Sportlehrers und eifriger Mithilfe der Kinder wurde es von uns in der Turnhalle aufgebaut und mit einem Danklied übergeben. So hatten die Kinder doch noch eine Freude und unser Besuch einen Sinn.

ukrainisches Kinderheim

Kinder vom Kinderheim beim Geschenke auspacken

Am Donnerstagabend waren wir bei dem Verein der deutschstämmigen Ukrainer "Wiedergeburt" eingeladen. Wir erzählten ihnen etwas über die christliche Bedeutung von Himmelfahrt und auch wie heute in Deutschland dieser Tag auf unterschiedliche Art begangen wird. Der Abend verging mit viel Fröhlichkeit, Essen und Musik.

Der Bau des Mitarbeiterhauses geht voran. Die untere Etage ist im Rohbau fertig und es konnten bereits die ersten Elektrokabel verlegt werden. DIe Baustelle ist für die Dorfjugend eine Attraktion, so dass wir sämtliche Öffnungen zunageln mussten. Dieses Mitarbeiterhaus entsteht im Hinblick darauf, dass eine oder mehrere Familien für einen längeren Zeitraum als Mitarbeiter in Protopopovka leben können. Dafür ist das derzeitige Missionshaus nicht geeignet. Es soll auch Raum geben für eine eventuelle Gemeindearbeit.

Das Notstromaggregat für die Bäckerei und die Mühle hat nun auch seinen neuen Herrn gefunden. Jetzt sind wir gerüstet für einen in der Ukraine nicht seltenen Netzausfall. Ebenso wurden die Leitungen für unseren Ersatzölbrenner des Backofens verlegt und der Öltank angeschlossen.

Durch den recht strapaziösen Einsatz der Fahrzeuge fallen besonders im Hinblick auf die überalteten LKW immer wieder Reparaturen an. Es wird bald die Zeit kommen, da sich Reparaturen nicht mehr lohnen und wir über neue Lösungen nachdenken müssen. Bitte betet mit uns um klare Wegweisung und um ausreichende Mittel.

Durch die emsige Arbeit in den verschiedenen Sammelstellen haben wir derzeit genügend Hilfsgüter. Mitunter muss sogar etwas stehen bleiben. Vielen Dank allen Helfern!
Was nun eher fehlt, sind die Gelder, diese Dinge zu transportieren. Wir sind dankbar für jede Spende, die wir jetzt besonders benötigen.

Wir sind auch dankbar für jede Fahrt mit vielen guten Begegnungen, obwohl nicht alles wie erhofft verläuft. Das Wissen, dass diese Arbeit Gottes Auftrag ist, hilft immer wieder, dass wir uns nicht von den bürokratischen Hürden und unterschiedlichen Mentalitäten ermutigen lassen. Gott zeigt einen Weg, wo es scheinbar keinen gibt .
Dank sei allen, die bisher treu diese Arbeit mit Gebet und Spenden unterstützen!

Viele Grüße von den Mitarbeitern des Nehemia-Freundeskreises



Vorstand des NFK e.V.
Achim Döbrich, Stefan Renger, Uwe Schubert