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Arbeitsbericht 2002:





Arbeitsbericht des Nehemia-Freundeskreis e.V. für das Jahr 2002


Liebe Vereinsmitglieder und liebe Vereinsfreunde!

Im vergangenen Jahr hat die Vereinsarbeit wesentliche Veränderungen erfahren. Die Ziele unserer Arbeit haben sich jedoch nicht geändert. Wir haben als Vereinsvorstand hohe Verantwortung gegenüber den Spendern, hier in Deutschland, aber auch für die Empfänger in der Ukraine. Diese endet nicht mit der Übergabe der Hilfsgüter an Bedürftige. Wer dass so sieht, betrachtet die Vereinsarbeit nur einseitig. Ein wesentlicher Punkt unserer Verantwortung ist: "Was bewirkt unsere Hilfe in den Menschen und wozu motiviert unsere Arbeit die Empfänger?"

Eine weitere wesentliche Verantwortung gilt der Wirtschaftlichkeit unserer Arbeit bei der Verwendung von Spendengeldern.

Deshalb hat der Vereinsvorstand beschlossen, den Zeichen der Zeit gerecht zu werden und die Vereinsarbeit umzustellen. Das heißt konkret, dass der Verein die regelmäßigen Hilfsgütertransporte mit dem Jahresende 2002 eingestellt hat und nun nur noch vereinzelt und gezielt Hilfsgütertransporte in größerem Maßstab durchführt.

Auf Einladung der Internationalen Stiftung "Gemeinde ohne Mauern" konnte Iwan Garapko mit seiner Familie ab 25.02.02 für 4 Monate nach Deutschland kommen, um sich hier auf die Arbeit in der UA vorzubereiten. Für die Familie war es eine wertvolle Zeit, sie hatten viele Erkenntnisse und Aha - Erlebnisse, die für ihr weiteres Leben eine Schlüsselstellung einnehmen. Es war ein Versuch, Menschen auf den Dienst in der UA vorzubereiten, in dem man sie aus ihrer alten Situation und den alten Lebensumständen heraus holt.
Diese Methode ist sicher nicht das Rezept und kann nur in einzelnen Fällen in Betracht gezogen werden.

Am 2. März fand unsere Hauptversammlung in Elsterberg statt. Es hatten sich 14 Vereinsmitglieder und 33 Vereinsfreunde versammelt.

Am 28.03.02 startete der erste HGT im Berichtsjahr. Wieder gingen unsere beiden treuen LKW mit zwei Kleinbussen auf die Reise. Neben vielen Tonnen verschiedener Hilfsgüter waren auch wieder viele Personen dabei, die kräftig mit anpackten um alle anstehenden Aufgaben zu erledigen. Dank professioneller Fachkräfte (Maurer, Zimmermann, Dachdecker) konnte nun endlich die volle Mauerhöhe am Mitarbeiterhaus erreicht und schließlich der Dachstuhl gerichtet werden.
Am Abend des 04.04.02 begingen wir mit Richtspruch und Gebet ein schlichtes Richtfest.

Die Zeit drängte, und so wurden schon "vor dem Wecken" und sogar abends bei Scheinwerferlicht die Dachschalung angebracht sowie weitere Maurerarbeiten durchgeführt.
Am 06.04.02 überraschte uns ein Wettersturz mit heftigen Wind und starken Schneefall, so dass die Arbeiten aus Sicherheitsgründen eingestellt werden mussten. Die Reisegruppe trat unter schwierigen Wetterbedingungen und Straßenverhältnissen die Heimreise an.

Einen großen Schmerz für unseren Verein verursachte die Tatsache, dass unsere Bäckerei seit März 2002 geschlossen werden musste. Grund für die Schließung waren fehlende Genehmigungen, die das ukrainische Gesetz verlangt, und eine sehr schlechte Vorarbeit bei dem Genehmigungs- und Registraturverfahren durch unsere ukrainischen Freunde.

Im April konnte der Verein einen Kleinbus erwerben.
Mit diesem Bus fuhren dann am 17.04.02 Rolf Schumann und Achim Döbrich in die UA, um dort für längere Zeit zu bleiben. Sie hatten den Auftrag die Felder in Ordnung zu bringen, am neuen Mitarbeiterhaus weiter zu bauen, wie auch alle nötigen Vorbereitungen für den vollzeitlichen Dienst von Achim und Gabriele Döbrich zu treffen.

Zusätzlich kam noch, die Wiederinbetriebnahme der Bäckerei voranzutreiben.

So freuten sich die beiden am 20.05.02 den zweiten HGT in Protopopovka begrüßen zu können. Wieder kamen unsere beiden LKW und drei Kleintransporter zum Einsatz.

Unsere Fahrzeuge

Schwerpunkt dieser Reise war neben den üblichen Vereinsaufgaben das Eindecken unseres neuen Vereinshauses. Dazu war ein Dachdecker mitgekommen, der die Arbeiten gemeinsam mit vielen fleißigen Helfern durchführte. Leider fehlte am Ende der Woche etwas Material und so konnte das Dach erst im Juli fertig gedeckt werden.

Ende Juni beendeten wir auch die Arbeitsverträge mit den beiden Ehepaaren aus Svetlovodsk. Wir trennten uns mit beiderseitigem Einverständnis.

Der dritte Hilfsgütertransport erreichte Protopopovka am 14.07.02. Wir hatten in diesem Jahr bewusst eine Reise in den Sommer verlegt, um auch Schülern oder Studenten die Teilnahme an einem Transport zu ermöglichen.

Auch in dieser Zeit wurde viel am Haus gebaut und auch alle andere Vereinsarbeit vorangetrieben. Neu war diesmal die Organisation und Durchführung eines Kinderfestes im christlichen Kinderheim Alexandria. Neben vielen Spielen und einer kleinen Autotour mit den Vereinsbussen, gab es auch reichlich Eis, Brot, Gemüse, Obst, Getränke und Gegrilltes.
Wir erlebten, wie viel Freude eine Flasche Limo und eine Tube Ketchup auslösen können.

Der vierte Transport kam Mitte August. Dieses Mal unsere beiden LKW ohne
PKW - Begleitung. Sie brachten das restliche Baumaterial und wieder viele Hilfsgüter. Schwerpunkt der Transporte in diesem Jahr waren Krankenhausbetten. Der Verein hat 300 Krankenhausbetten von einem Krankenhaus in Leipzig erhalten.
Eine Firma in Klingenthal hat uns in großzügiger Weise ausreichend Lagerraum zur Verfügung gestellt, wo wir unsere Hilfsgüter zwischenlagern konnten.

Seit 10.08.02 ist auch unser Bäcker vor Ort. Er wartet mit Ungeduld auf die Eröffnung der Bäckerei. Aber er hat keine Langeweile, da es im Garten und beim Bau genügend Arbeit gibt.

Im August stellten sich auch die ersten Ergebnisse des Gartenbaus und der Feldbestellung ein.
Im Garten ernteten wir viel Paprika, Tomaten, Weiss- und Rotkohl, Zwiebeln, Gartenkräuter, Bohnen und Erbsen. Nur die Kartoffelernte war nicht gut. Eine Unmenge an Kartoffelkäfern, die gegen jedes Gift immun waren, und die lange Trockenheit haben den Pflanzen sehr zugesetzt. Dafür ernteten wir reichlich Futterrüben.

Auf unserem Gerstefeld konnten wir 1,9 Tonnen je Hektar ernten und das sind 500 kg mehr pro Hektar als in den ukrainischen Kolchosen.
Die Gerste wurde gegen Roggen getauscht und so haben wir für dieses Jahr genügend Roggen auf Lager liegen.
Nach kurzer Aufdüngung wurden die Felder mit Roggen und Weizen bestellt. In diesem Jahr konnten alle Arbeiten zeitgerecht durchgeführt werden.

Im Herbst nahmen wir auch einen Mann mit seinem 5-jährigen Sohn auf. Als Obdachloser zog er durch die Gegend und hat sich hier und da sein Brot verdient. Nach einen längeren Prozess der Eingewöhnung konnten wir dann die ersten Fortschritte sehen. Vor allem bei dem Kind waren schnell positive Veränderungen da. Nach einigen Wochen erlebten wir einige Rückschläge in der Entwicklung und mussten uns dann in der Konsequenz dessen, im Januar dieses Jahres von dem Mann trennen. Für den Jungen, wie auch für zahlreiche andere Menschen unseres Dorfes, übernahm der Verein die anfallenden Krankenhauskosten.

In den Sommermonaten waren wir fast täglich damit beschäftigt, die fehlenden Dokumente für die Fabrik zu besorgen. Dabei erlebten wir ganze Herden von Amtsschimmel und wir tauchten ganz tief in den Wirrwarr der ukrainischen Gesetze. Wir konnten bald feststellen, dass die Ukraine alles nur Mögliche unternimmt, jedes Geschäft zu verhindern. In dieser Zeit sah ich viele entmutigte Geschäftsleute, die von ihrem eigenem Staat total fertig gemacht wurden. Es ist kein Wunder, dass in der Ukraine so viel neben den Büchern und Gesetzen läuft, betrogen und geschachert wird. Wer korrekt arbeitet muss Pleite gehen.

So gesehen erhält der Alkoholismus in der Ukraine ein ganz neues Bild. Die intelligenten Menschen werden von Staatsseiten zum Alkoholismus getrieben, die anderen trinken weil sie es nicht anders sehen uns es seit vielen Jahren so Sitte ist.

Der letzte Transport fand vom 27.09. bis 07.10. statt. Wieder waren viele Krankenhausbetten und Textilien auf die LKW geladen worden. Dieses Mal war es neu für die ankommende Gruppe, dass bereits Ukrainer mit im Haus lebten und auch ihre festen Aufgabengebiete hatten.

Die meisten der anfallenden Arbeiten konnten abgeschlossen werden. Vor allem die zentrale Grube für Fäkalien. Dazu mussten 180 Meter Rohr verlegt werden und etliche Kontrollschächte gemauert werden. Dies war eine der wenig sinnvollen Forderungen für die Inbetriebnahme der Bäckerei. Die Anlage liegt jetzt so, dass kein Brunnen verseucht werden kann. Im Frühling muss nun noch eine sinnvolle Versickerungsanlage geschaffen werden.

Achim und Gabriele Döbrich verließen Protopopowka für einen Urlaub mit ihrer Familie. Gabriele wollte auch ihr Kind gerne in Deutschland zur Welt bringen. So wurde die letzte Gruppe von unserem Bäcker Christian Wittig geleitet und betreut. Die Transportleitung hatte erstmalig Uwe Schubert. Egbert Fleischer musste auf Grund einer Umschulung bei der Vereinsarbeit kürzer treten und konnte deswegen keine Transportleitung mehr übernehmen. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Egbert für allen Einsatz. So schön die Arbeit auch ist, sie ist undankbar, kräftezehrend und erfordert viel Geschick und Gnade Gottes.

An dieser Stelle allen ein großes Dankeschön, die sich eingesetzt haben, im Geben, Beten, durch praktische Hilfe und durch die Teilnahme an den Transporten.

Nach diesem Transport nahmen wir ein wenig traurig Abschied von unseren LKW. Sie haben uns treu gedient. Für lange Zeit und viele Kilometer waren sie uns treue Diener. Nun aber kam für uns die Zeit des Abschiedes. Für einen relativ geringen Preis wurden die LKW verkauft. Der Nutzwert ist jedoch erheblich größer als der Zeitwert eines alten LKW.

LKW MAN

Achim Döbrich kehrte alleine aus Deutschland zurück, um nun endlich die letzten Schritte zur Eröffnung der Bäckerei zu gehen. Am 16.12. war es endlich so weit! Wir erhielten eine vorläufige Produktionsgenehmigung. So wurde am 16.12 die Bäckerei und das Geschäft am Haus eröffnet. Wir erlebten eine turbulente Woche der Vorbereitung und auch die erste Produktionswoche hatte es in sich. Viele Dinge mussten noch aufeinander abgestimmt werden und sich richtig einlaufen. In den ersten Tagen konnten die Umsatzzahlen fast täglich verdoppelt werden. Die Schule und der Kindergarten im Dorf erhalten das Brot zum Herstellungspreis, ebenfalls das Rehabilitationszentrum und das Kinderheim in Alexandria. Wir konnten alle alten Verpflichtungen wieder aufnehmen.

Im Dezember machten strenge Kahlfröste den Feldern schwer zu schaffen. Bei Dauerfrost über 9 Wochen bis zu -30 Grad, nahmen viele Pflanzen großen Schaden.

Abschließend möchte ich mich im Namen aller ganz herzlich bei allen Sammelstellen bedanken, die so treu diese Feinarbeit geleistet haben. Unser Dank gilt auch den Firmen, die uns durch ihre Unterstützung weiter geholfen haben, diesen so wichtigen Dienst zu tun.

Dank unserem himmlischen Vater, der uns in vielen gefährlichen Situationen bewahrt, geleitet und geführt hat. Dank den Betern und Spendern. Wir sind immer wieder tief bewegt, wie Gott uns durch Spenderhand versorgt.

Vorstand des NFK e.V.
Achim Döbrich, Stefan Renger, Uwe Schubert