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Arbeitsbericht 2003:
Jahresabschlußbericht des NFK e.V.
für das Jahr 2003
Liebe Vereinsmitglieder und Vereinsfreunde!
Wieder liegt ein Jahr Vereinsarbeit hinter uns. Wir sind dankbar für die gute Entwicklung der Vereinsarbeit im vorigen Jahr.
Die Ziele unserer Arbeit haben sich nicht geändert, aber wir mussten die Vorgehensweise umstellen, da sich die Situation in der Ukraine doch massiv verändert hat.
Auch durch die Erkenntnisse, die wir durch unsere ständige, personelle Vereinsvertretung in der Ukraine erlangt haben, zwingen den Verein, in Deutschland wie in der Ukraine seine Arbeit umzustellen.
Dabei soll Folgendes erreicht werden:
- Hilfe für Menschen in Not, Übernahme von Arzt - und Krankenhauskosten, Betreuung von sozialen Einrichtungen, Lieferungen von Eierteig - und Backwaren zu Sonderpreisen.
- Unterstützung von sozialen Einrichtungen in der direkten Umgebung unseres Dorfes: Schule, Kindergarten, Rehabilitationszentrum.
- Unterstützung von verschiedenen Gemeinden, dazu gehören christliche und jüdische Vereinigungen.
- Schaffung von Arbeitsplätzen und Entwicklung eines Anreizes zur allgemeinen Arbeitseinstellung.
- Aufbau einer christlichen Glaubensgemeinschaft.
- Demonstration der Einheit von christlichem Glauben und Leben.
Da all diese Dinge durch weitere große Hilfsgütertransporte nicht erreichbar sind, haben wir im Verlauf des Berichtszeitraums die groß angelegten HGT eingestellt.
Am 01.03.03 fand unsere Hauptversammlung 2003 in Elsterberg statt. Es trafen sich 17 Vereinsmitglieder und 45 Vereinsfreunde. Im Verlauf unseres Treffens wurde ein neuer Vorstand gewählt und der Vereinssitz nach Ellefeld verlegt.
Gabriele Döbrich war aus der Ukraine gekommen, um einen aktuellen Situationsbericht geben zu können.
Am 28.04. startete der erste HGT in die UA. Der LKW wurde von der FA Schimpf gemietet und Uwe Schubert hat neben dem Fahrer den Transport begleitet. Es waren Krankenhausbetten, eine Schusterwerkstatt und auch noch Textilien geladen.
Die erste Gruppenreise 2004 erfolgte vom 17.04. bis 28.04. nach Protopopowka.
Es kam eine spezielle Handwerkergruppe, deren Ziel der Ausbau der oberen Etage im neuen Mitarbeiterhaus war. So wurde neben der elektrischen Installation ein großer Teil der Trockenbauarbeiten und der Fußböden fertig gestellt.
Ab 12.05. bis 16.05. beherbergten wir eine Gruppe amerikanischer und ukrainischer Missionare, die in Alexandria zu einer Konferenz zusammen kamen und eine Evangelisationswoche abhielten.
Auch die zweite Gruppe hatte sich viel vorgenommen. Die Heizungsbauer reisten am 25.05. in Protopopowka an. Neben der anliegenden Vereinsarbeit sollte die Heizung fertig gestellt werden, was leider aus Mangel an Baumaterial nicht gelang. So blieb auch hier Zeit, sich in der UA umzusehen, das Land mit allen seinen Widersprüchen zu betrachten.
Es ist immer wieder sehr eindrucksvoll, Armut und Reichtum so eng beieinander zu sehen.
Vom 02.07. bis 10.07. reiste eine Gruppe von "Kirche Unterwegs" aus Jocketa an. Es war das erste Mal, dass ein neues Hilfskonzept ausprobiert wurde. Ohne großen LKW oder vielen Paketen erreichten sie problemlos ihr Ziel. In den Tagen der Begegnung gab es Diavorträge, Bratwürste und Steaks und natürlich das beste Brot der Stadt.
Die Gruppe besuchte auch verschiedene Kinderheime, Kindergärten und das Rehabilitationszentrum. Überall konnte aus mitgebrachten Spenden der Ev. Kirchgemeinde Jocketa geholfen werden. Das geschah zielgerichtet, konkret und effektiv. Keine fremde Institution, sei es Zoll, Hygiene oder andere konnten Vorschriften oder Bestimmungen in den Weg stellen. War Brot nötig, wurde Brot gekauft, mussten es Vitamine sein, dann eben Obst, oder es fehlte Waschpulver, Socken oder Stifte.
Wir nutzten die Gelegenheit, um über Ereignisse der vergangenen Arbeit zu reden und erlebten da Gottes wunderbare Heilung!
Seit einigen Wochen stand in Deutschland schon ein Feuerlöschwagen W50 zur Überführung in die Ukraine bereit.
Eine kleine Gruppe brachte am 15.08. den Wagen, der nach späterer Vervollständigung und Einweisung der neuen Mannschaft an unser Dorf übergeben wurde. Damit wir das KFZ ordnungsgemäß übergeben konnten, wurde von einem Vereinsfreund in Deutschland bei einer Feuerwehr ein Kurzlehrgang besucht.
Hier erlebten wir im Nachhinein den Kompetenzstreit der hiesigen Feuerwehren. Die Stadt wollte die Maschine unbedingt für sich haben, das Dorf hatte echt zu kämpfen den Löschwagen behalten zu können. Die Ukraine selbst "dankte" mit erheblichen Einfuhr - und Zollgebühren!
Vom 23.08. bis 02.09. war wieder eine kleine Besuchergruppe in Protopopowka. Es stand noch eine kleine Menge von Hilfsgütern zum Verteilen zur Verfügung. Auf dem Bau und im Garten gab es auch noch Arbeit. Es blieb aber auch viel Zeit für Gemeinschaft, auf Gottes Wort zu hören und für Austausch unserer Erfahrungen im Leben mit Jesus. Als Hauseltern ist es uns ein Anliegen, die neue Arbeitsweise des Vereins zu vermitteln. So manchem kam die stressfreie Zeit ganz ungewohnt vor. Bei unserem Abschlussgespräch konnten wir feststellen, dass von fast allen die neue Arbeitsweise ganz positiv aufgenommen wurde.
Vom 27.09 bis 06.10. kam die letzte geplante Gruppe zu uns. Auch hier war es wieder eine ganz neue Gemeinschaft, und wir erlebten wie Gott an uns allen handelt.
Neben vielen Besuchen und Pflege persönlicher Kontakte hatten wir interessante Begegnungen miteinander, wie auch in den verschiedenen Einrichtungen. Viele neue Eindrücke wurden gesammelt und verarbeitet.
In diesen Tagen erhielten wir eine Anfrage aus Deutschland: Ein junges Mädchen wollte gerne nach dem Abitur eine freiwillige Zeit bei uns hier in der Ukraine verbringen. So war vom 22. bis 25.10. noch einmal eine kleine Gruppe in Protopopowka und brachten uns Kristin Werner aus Mehlteuer mit.
Am 31.10. kamen einige Gemeindeleiter nach Protopopowka. Es war für uns eine besondere Zeit der Neuorientierung, des Kraftschöpfens und der Gemeinschaft miteinander. Es war ihr zweiter Besuch nach 2001 in der Ukraine.
Gemeinsam begingen wir ein Mitarbeiterfest. Wir trafen viele unserer Freunde, es kam zu Gesprächen und Begegnungen, sogar der Landrat war "zufällig" an einem Nachmittag zu Gast.
Am 05.11. flogen sie gemeinsam mit Christian Wittig - unseren freiwilligen Bäcker - nach Deutschland. Christian war seit August 2002 bei uns. In dieser Zeit hat Christian viele Menschen zu Bäckern gemacht. Oft mussten wir feststellen, dass es den Menschen in der UA an Beständigkeit und Fleiß fehlt. Dennoch haben wir jetzt in der Bäckerei einen kleinen Stamm von 4 Personen, die schon länger als ein halbes Jahr hier arbeiten.
Christian hatte sich schnell eingelebt, beherrscht die russische Sprache gut, und wir sind eine Familie geworden, der Abschied war für uns alle schwer. Die Bäckerei hat in den Wochen zuvor Sascha übernommen. Sascha lebt ja auch schon 1 ½ Jahre mit uns hier zusammen. Wir sind sehr froh zu sehen, wie die Herausforderung, die Verantwortung und die Resultate ihn verändern. Es kostet uns aber auch alle Kraft, ihn immer wieder zu korrigieren, zu motivieren und aufzubauen.
Am 03.11. erreichte uns der letzte HGT aus Deutschland. Noch einmal kamen über 25 t Hilfsgüter. Gott sei Dank, nun sind alle Lager beräumt und leer!
Die Formalitäten der Entzollung und so manches Ereignis am Rande waren für uns noch einmal die Bestätigung: Die Zeit der großen Transporte ist vorbei.
Noch einmal machte sich eine kleine Gruppe aus Deutschland auf in die Ukraine. Sie erreichte uns am 10.12.. Eine Firma in Deutschland hatte dem Mitarbeiterhaus eine Treppe gespendet. Diese wurde fachgerecht eingebaut und versiegelt.
Die Bäckerei arbeitete im vergangenen Jahr sehr gut. Es wurde nicht nur die Produktion gesteigert, wir konnten auch das Prädikat "Bestes Brot der Stadt Alexandria" von der Hygienestation erhalten, und die Produktqualität nach dem Weggang von Christian stabil halten. Nach Erreichen von Backzahlen bis zu 1200 Brote und 500 Brötchen / Tag haben wir die Arbeit umgestellt und nur noch unsere Geschäfte und die sozialen Einrichtungen beliefert. Durch staatliche Preisreglung und die allgemeine Teuerung war es nicht möglich, einen effektiven Gewinn zu erzielen. Seit Juni haben wir noch einen zweiten Verkaufsanhänger in der Stadt stehen. Dazu kommt noch eine Suppenküche für arme Kinder des Samariter - Hilfswerkes, der Kindergarten in Protopopowka, sowie die Schule.
Das christliche Kinderheim "Neues Leben" in Alexandria erhält das Brot 60 % billiger. Das Rehabilitationszentrum erhält das Brot umsonst, es wird von den Ev. Luth. Kirchgemeinden Jocketa und Klingenthal gesponsert.
Das ergibt für die Bäckerei im Jahr etwa 9000 Brote zu 60 % des Verkaufpreises, oder 4000 verschenkte Brote im Jahr. Dazu kommen Eierteigwaren, die teils durch Spenden aus Deutschland, teils aus dem Gewinn der Bäckerei abgedeckt wurden.
Der Kleinbetrieb beschäftigt jetzt 17 Personen. Dies bedeutet 17mal pünktlich Gehalt, Kranken- und Rentenversicherung. Die Leute haben durch einen festen Arbeitsplatz jetzt auch die Möglichkeit, bei der Bank einen Kredit zu bekommen. Der Verein gewährt den Angestellten bis zu einem Monatslohn Vorauszahlung. Wir genießen es zu sehen, wie sich bei den Angestellten die Umwelt verändert. Da kommt ein Schwein in den Stall, dort ein Fernseher ins Haus usw.
Der Verein hat über 1000 Euro für Zahnsanierungen bereitgestellt. Auch wurden Krankenhauskosten übernommen, Medikamente gekauft und Menschen bei der Auswahl der richtigen Heilmittel beraten.
Das nimmt ernorme Zeit in Anspruch, denn die Vergangenheit lehrt uns, dass es angebracht ist, ständig als Begleiter mit zu gehen, auf Qualität zu achten, um so zu verhindern, dass nicht Spendengelder sinnlos verpulvert werden.
So trägt der Verein auch eine ganze Menge nicht bezahlter Rechnungen von den sozialen Einrichtungen. Es ist nicht so, dass überhaupt nicht bezahlt wird, ein Zahlungsverzug bis 5 Monate ist aber keine Seltenheit.
Weiter hat der Verein für die jüdische Gemeinde in Alexandria 70 % der laufenden Kosten für das Gemeindezentrum übernommen. Die zentrale Verwaltung in Kiew hat die weitere Bezahlung streichen müssen. Um die Gemeinde nicht in eine Empfängermentalität zu versetzen, haben wir uns entschlossen nur 70 % zu tragen, um so zu eigenem Handeln und Denken anzuregen.
Ich danke an dieser Stelle allen, die diese Arbeit im Gebet aber auch finanziell unterstützen und tragen. Ich danke unserem Gott für seine Bewahrung, für Weisheit und Kraft, diesen Dienst tun zu können.
Für den Vorstand des NFK e.V.
Achim Döbrich
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