Arbeitsbericht des Nehemia-Freundeskreis e.V.
für das Jahr 2007
Liebe Vereinsmitglieder, liebe Freunde!
Das Jahr 2007 war ein ganz besonders Jahr für unsere Vereinsarbeit.
Das hatte verschiedene Gründe. Nach längerer Pause führten
wir im Frühsommer einen Hilfsgütertransport durch. Alle
organisatorischen Abläufe klappten sehr gut, auch die Entzollung
war kein Problem. Auf dem LKW war die neue Strohpresse,
die wir von einem Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland
gesponsert bekommen haben. Wir bedanken uns noch einmal
ganz herzlich für dieses große Geschenk. In Folge der Missernte
kam die Presse leider nur wenig zum Einsatz. In der Zentralukraine
hatte es nach der Schneeschmelze nicht mehr geregnet. Der
erste nennenswerte Niederschlag kam Ende Juni, da war das
Getreide bereits notreif und hatte eine Höhe von etwa 30
cm. So wurde durch die Missernte unsere Vereinsarbeit sehr
beeinflusst. Am schlimmsten war die Situation bei den Erbsen.
Zur Veranschaulichung: 1500 Euro Saatgut; 800 Euro Herbizide,
Diesel,
Arbeitszeit usw. - Ernteertrag = Null!
Beim Wintergetreide sah es besser aus, auch über eine -
für diese Trockenheit - gute Kartoffelernte freuten wir
uns. So kam es, dass die Ukraine Mehl und Getreide importieren
musste. Dadurch fehlt jetzt schon für die Tierhaltung Stroh
und Heu. Viele Menschen schlachteten oder verkauften ihr
Vieh. Dank unserer relativ modernen Silagetechnik konnten
wir genügend Futter für Kühe lagern. Bei dem Schweinefutter
sah es dagegen viel schlechter aus: Kein Futter, es gab
auch keines zu kaufen, bzw. wenn, zu Preisen die nicht real
waren. Im September brach dann in unserer Region eine Rotlaufepidemie
(Schweineseuche) aus, durch die auch bei uns etwa 40 Schweine
verendeten. Aus diesen Gründen haben wir im vergangenen
Jahr unser Ziel - im Landwirtschaftsbereich ohne Finanzhilfe
aus Deutschland zu arbeiten - nicht geschafft.
Diese Missernte hatte auch Auswirkungen auf die Bäckerei.
Es war immer etwas schwierig, Mehl in guter Qualität zu
bekommen, und dennoch arbeitete die Bäckerei stabil und
es hat sich ein gutes Niveau bei den Produkten, sowie in
der Arbeitsmoral und im Arbeitsklima gebildet. Neben unseren
Geschäften in der Stadt belieferten wir unentgeltlich täglich
2 Krankenhäuser und das Rehabilitationszentrum mit Brot,
sowie das Kinderheim mit Brot, Milch und Milchprodukten.
Der örtliche Kindergarten erhielt das Brot zum Herstellungspreis.
Wir danken hier ganz besonders allen Spendern, die das immer
wieder ermöglichen. Insgesamt 8 Tonnen Kartoffeln erhielten
2 Kinderheime und das Rehazentrum mit 50 % Preisnachlass.
Alle unsere Angestellten bekamen für sich und ihre Familien
unentgeltlich Einkellerungskartoffeln.
Die Arbeit mit "unseren" Leuten verlangte von uns immer
wieder volle Einsatzbereitschaft und Hingabe. Wir beschäftigen
derzeit 20 Personen, die alle pünktlich ihren Lohn bekommen.
Außerdem ist es uns aber ein Anliegen, sie weiter zu führen:
Ihnen den lebendigen Christus zu vermitteln und ihnen Vorbild
in der Nachfolge zu sein.
Wir danken Gott, dass wir immer wieder die nötige Kraft,
Freude und Liebe bekommen, diesen Weg zu gehen. Allzu oft
fühlten wir uns ausgenutzt, oder wir sahen, "wie die Perlen
vor die Säue fielen". Wir trauern um die Personen, die sich
bewusst gegen uns bzw. unsere Arbeit entschieden haben und
in ihr altes Leben zurückgegangen sind.
Umso mehr freuten wir uns über echte Fortschritte, die auf
keinen Fall unterschätzt werden dürfen. So war es uns 2007
das erste Mal möglich, als Familie gemeinsam nach Deutschland
zu fahren und wir durften erleben, dass in Protopopowka
der normale Betrieb störungsfrei weiter lief. Es kam in
dieser Zeit zu keinen nennenswerten Problemen. Ebenso erfreut
uns, dass trotz des relativ offenen Objektes, Bäckerei und
Stall - weder Tag noch Nacht - es zu Diebstählen gekommen
ist.
Unsere landwirtschaftliche Situation hat sich auch positiv
entwickelt. Wir danken hier noch einmal besonders Christian
Matthes, der uns über drei Jahre hier treu zur Seite gestanden
hat. Er hat sich immer wieder voll eingebracht und dadurch
einen guten Grund für diesen Teil der Arbeit gelegt. Als
Berater stehen uns er und seine Familie weiter treu zur
Seite. Oft telefonierten wir miteinander und sprachen die
notwendigen Schritte ab.
Durch seine Abwesendheit vor Ort, musste ich in vielen Dingen
seinen Platz einnehmen. Für mich war vieles absolutes Neuland.
Das erweiterte meinen Arbeitsbereich im Umgang mit den Pferden,
der Landtechnik oder auch in vielen handwerklichen oder
tiermedizinischen Fragen. Auf Grund meiner Unwissenheit
bin ich hier immer wieder gezwungen, auf Gott zu hören und
erfahre dabei, wie ER in den alltäglichen Fragen Antwort
gibt. Er gibt den besten Ratschlag, wir müssen nur lernen,
auf SEINE Stimme zu hören.
Auch auf allgemeinmedizinischem Gebiet gab es immer wieder
Herausforderungen. So hat sich fast eine kleine medizinische
ambulante Behandlungsstelle gebildet. Hier förderte der
Verein durch Zuzahlung oder Übernahme der anfallenden Kosten
für Medikamente und Verbandstoffe.
Außerhalb der Erntesaison führten wir regelmäßig gottesdienstliche
Veranstaltungen durch. Alle zwei Wochen luden wir zum gemeinsamen
Frühstück oder Kaffeetrinken ein. Ziel dieser Treffen ist
es, miteinander Beziehung und Freundschaft zu bauen.
Je eine Woche im Frühjahr und im Sommer dienten uns Vater
Friedhelm Matthes und seine Söhne vor Ort. Dabei war die
Einweisung an der landwirtschaftlichen Technik, bzw. die
Feldbestellung Schwerpunkt. Im Sommer war außerdem für etwa
zwei Wochen ein junges Mädchen aus Deutschland bei uns zu
Gast, das Interesse hat, bei uns ein freiwilliges Jahr zu
leisten. Ende August konnten wir mit einer kleinen Gruppe
aus Deutschland unsere Silberhochzeit feiern. Im Herbst
empfingen wir noch einmal Erntehelfer aus Deutschland.
Das Leben in der Ukraine wurde stark geprägt von der politischen
Unsicherheit und der schnell wachsende Inflation.
Wir wissen uns hier am richtigen Platz und danken allen,
die uns unterstützten im Gebet, mit praktischer Arbeit oder
mit Spenden.
Wir danken unserem Vater im Himmel für alle Bewahrung, Gesundheit,
Frieden und Freude, welche wir täglich erleben durften.
Mit freundlichen Grüßen,
für den NFK e.V.
Achim Döbrich