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Ukraine Reisebericht - Juni 2011





Vom 11.06. bis 18.06.2011 machte sich eine Reisegruppe bestehend aus 6 Personen auf in die Ukraine nach Protopopowka. Vor Reisebeginn traf sich ein Teil der Gruppe (4) in Ellefeld, um die 2 Transporter zu beladen, mit denen wir die etwa 2000 Kilometer lange Fahrt angetreten haben. Gegen 08 Uhr morgens sind wir dann aufgebrochen in Richtung Hartenstein, wo wir einen weiteren Ukraine-Reisenden eingeladen haben. Noch einen kurzen Abstecher nach Dresden und den letzten Mitfahrer abgeholt, dann ging es schon in Richtung Polen.

Transporter polnische GrenzeGegen Mittag waren wir an der deutsch-polnischen Grenze und haben kurz Rast gemacht. Von da an führten wir ca. alle 2 Stunden einen Fahrerwechsel durch. Im Gegensatz zur Ukraine-Reise von 2010 waren ja dieses Mal genügend Fahrer mit dabei, so dass man sich auch mal mehr als 2h ausruhen konnte (2010 waren nur 4 Personen mit).

Durch Polen sind wir sehr gut durchgekommen, man merkt wirklich eine Verbesserung der Straßen gegenüber dem Vorjahr. Um 0:30 Uhr sind wir dann an der polnisch-ukrainischen Grenze angekommen und stellten uns schon auf längere Wartezeiten ein. Doch nach nur einer halben Stunde anstehen durften wir schon zu den ukrainischen Grenz-Anlagen vorfahren. Dort ging der gesamte Abfertigungsvorgang auch recht flott, somit wurden wir nur insgesamt 1,5 Stunden an der Grenze aufgehalten, eine sehr schnelle „Überfahrt“!

Auch die ukrainischen Straßen haben sich zum Vorjahr merklich verbessert. Kein wunder, in nur einem Jahr möchte Polen und die Ukraine eine Fußball-Europameisterschaft 2012 austragen, dafür muss man sich selbstverständlich von seiner besten Seite zeigen und für eine gute Durchreise sorgen.

Kiew Verkehr Straße Die Fahrt durch Kiev verlief ebenfalls wie geschmiert, sagenhafte 40 Minuten brauchten wir für die Route direkt durchs Stadtzentrum. Verhältnismäßig wenige Fahrzeuge waren auf den Straßen unterwegs. Wie wir später von Achim in Protopopowka erfuhren, sind die mittlerweile recht hohen Benzinpreise in der Ukraine (ca. 1 Euro pro Liter) dafür verantwortlich, dass sich viele Menschen nun den Unterhalt eines Wagens nicht mehr leisten können und deswegen auf den Straßen weniger PKWs unterwegs sind.

Nachdem wir dann Kiew hinter uns gelassen haben, standen uns nur noch wenige Stunden Fahrtzeit bevor. Diese Zeit wurde uns von einem extremen Regenschauer „versüßt“. Es hat stellenweise so sehr geschüttet, dass Straßen komplett überflutet waren, einige Straßenteile sogar unterspült und abgerutscht sind, oder sich am Straßenrand die Hänge abgelöst haben und Geröll, Matsch & allerlei Unrat auf die Straßen gespült wurde.

Die Fahrt durch den starken Regen war für mich (als Fahrer) eine willkommene Abwechslung zu den doch recht stupiden Geradeausfahrten von oftmals mehr als 100 Kilometer, wo es wirklich die ganze Zeit nur gerade aus ging. Keine Kurven, keine Kreuzungen, nur geradeaus, wie man auf dem Navi sieht :)

Geröll und Matsch auf der Straße Überschwämmung auf den ukrainischen Straßen
riesige Pfützen auf den Straßen auf ukrainischen Straßen: mehr als 67km geradeaus!

In Protopopowka sind wir dann am Sonntag, 12.06. gegen 15:40 Uhr (deutscher Zeit) angekommen. Wir waren glücklich, dass die Fahrt ohne größere Schäden verlief und wir nach ca. 31 Stunden Fahrtzeit am Ziel ankamen. (Schäden auf der Hinfahrt beliefen sich auf eine defekte Sicherung des Zigarettenanzünders, der unser Navi hätte mit Strom versorgen sollen. Sicherung ausgetauscht und die Welt war wieder in Ordnung.)

Statistik der Hinfahrt: Aufgezeichnet mit dem HandyWer sich für ein paar statistische Zahlen zur Hinfahrt interessiert, hier ein Bild der aufgezeichneten Route (wegen defektem Zigarettenanzünder erfolgte die Aufzeichnung erst ab Dresden, es kommen also noch knapp 130 km und ca. 2h Fahrzeit hinzu). Folgende Fahrtroute hat mein Handy von Dresden nach Protopopowka aufgezeichnet:



Größere Kartenansicht

 13.06.2011 - Tag 1 beim NFK in der Ukraine

Wie voriges Jahr „begrüßte“ uns Achim auf seine ganz besondere Art und Weise in der Ukraine: eine Kutschfahrt durchs Dorf stand auf dem Plan. Leider machte uns das Wetter einen kleinen Strich durch die Rechnung, da es nach 20 Minuten anfing zu regnen. Aber Regen ist ja in der sonst so trockenen UA nichts schlimmes, die Felder benötigen ja Feuchtigkeit. Und dank der angenehmen Temperaturen konnte man sich vom Regen auch mal Nass machen lassen, man war eh schnell wieder trocken. Während des kurzen Schauers führte uns Achim und Gabi durch die Wohn- und Arbeitsanlagen (Bäckerei, Küche, Stall…) und gab uns dadurch einen Einblick ins Arbeitsumfeld des NFK.

Kutschfahrt durchs Dorf Protopopowka Bäckerei des Nehemia Freundeskreises in der Ukraine

Im laufe des Tages haben wir dann noch ein paar leichtere arbeiten erledigt, schließlich war Pfingstmontag, übrigens auch ein Feiertag in der Ukraine. Erledigt wurde an diesem Tag unter anderem folgendes: Kirschbaum geleert, der Bäckereiwagen bekam ein kleines Abstellbrett (für Handtaschen der Kunden) spendiert, Heizungsofen größtenteils wieder flott gemacht, verschiedene Reparatur-Arbeiten in der Bäckerei…

Reparaturen in der eigenen Bäckerei Arbeiten am Bäckerwagen

 Dienstag, 14.06.2011 - Tag 2 vor Ort

In den vergangenen Wochen ist die Trockensteinmauer vorm Wohnhaus teilweise eingestürzt. Einige von uns haben diese dann komplett eingerissen und wieder neu aufgebaut. Das hat sich aber über mehrere Tage hinausgezogen.

Trockensteinmauer einreißen

Außerdem wurde an diesem Dienstag von Ronny die Heizungsanlage gebaut. Auch Trockner, Waschmaschine und die Ballenpress-Maschine (zum Heuballen / Silage pressen) wurden gebaut (bzw. begonnen den Fehler zu suchen). Da an diesem Tag ausgezeichnetes Wetter mit viel Sonnenschein war, ging es gegen Abend an den hinteren See zum baden. Das Wasser war herrlich warm und man konnte eine schöne Runde ungestört im See schwimmen.

Ronny bei Reparaturen an der Heizungsanlage Achim beim reparieren der Heuballenpresse

Eigendlich hätte noch eine Kalbsgeburt an diesem Tag angestanden. Gespannt schauten wir immer mal nach den trächtigen Kühen. Aber es tat sich leider nichts…

 15.06.2011 - Mittwoch, der 3. Tag

Da sich auch über Nacht bei der Kuh nichts getan hat, rechnete Achim den Geburtstermin noch mal nach und stellte fest, dass es wohl doch erst in 2 Wochen so weit wäre. Die schwangere Kuh machte auch während unseres kompletten Aufenthalts noch keinerlei Anschein an eine bevorstehende Geburt. Schade eigentlich :(

Der Tag ging trotzdem schnell vorüber, einiges wurde geschafft. Der 2te Teil unserer Reisegruppe kam mit einem halben Tag Verspätung auch endlich hier in Protopopovka an. Eigentlich hätten die 4 Nachzügler bereits am Dienstagabend mit dem Flieger in Kiev eintrudeln sollen, die Flugbehörde entschied sich aber kurzfristig den Flug zu canceln, mit der offiziellen Begründung „technische Probleme“. In der Realität war aber ein zu gering ausgebuchtes Flugzeug die Ursache, warum man den erwähnten Flug ersatzlos strich und die Passagiere in die nächste Maschine setzte.

Am Mittwoch ist wie gesagt einiges passiert. Zum Beispiel wurde die Ballenpresse repariert, der Fehler wurde endlich gefunden. Vor allem zur Freude von Achim :) (ein defektes Kabel vom Tracktor zur Ballenpresse war die Ursache).

Außerdem machte ich mich an die „gespendeten PCs“ einer Lehrinstitution aus dem Vogtland. Die PCs waren leider nicht wirklich brauchbar und wurden uns anscheinend nur zur billigen Schrottentsorgung mitgegeben.

Einen Rechner (gespendet aus einem Privathaushalt) konnte ich trotzdem noch flott machen, dieser wird der Stadt Protopopovka (als Ersatz für den geklauten Bürgermeister-PC) gespendet.

In der Zwischenzeit haben sich die Neuankömmlinge an der frisch errichteten Mauer gleich mitbeteiligt. Gegen Mittag stand dann hinten am See eine Taufe an. Alle nahmen an der Zeremonie teil und gönnten sich anschließend ein entspanntes Bad im See. Als Tagesabschluss gab es dann noch ein leckeres und vor allem knoblauchreiches Abendessen mit anschließender Vodka-Verdauerrunde :) und vollkommener Mondfinsternis. Auch die ISS und viele Sternschnuppen + Satelliten schwirrten am sternenklaren Nachthimmel über unsere Köpfe hinweg. Eine wirklich tolle Nacht muss ich sagen. Im Hintergrund wurden wir dann noch von vielen quakenden Fröschen und der singenden Nachtigall beschallt. Das sind solche Situationen und Erlebnisse, die man nicht so schnell vergisst!

Taufe See Ukraine leckeres Abendessen - Grill-Schaschlik am Spieß
Abendbrot mit der gesamten Mannschaft Blutmond - Mondfinsterniss in der Ukraine vom 15.06.2011

 16.07.2011 - Tag 4, unser letzter Tag in der Ukraine

Unser letzter Tag begann wieder mit einem reich gedeckten Frühstückstisch, der ein oder anderen Nutella-Semmel mit Knoblauchbutter & frischen Knoblauchstreifen, selbst gemachtem Käse, Brötchen, Butter, Milch, Quark, Frischkäse und eigener Marmelade. Anschließend fuhren Gabi und Achim mit uns in die Stadt auf den Basar. Viel verändert hat sich seit vorigem Jahr nicht (siehe Ukraine Reisebericht 2010), trotzdem war der kleine Stadtbummel mal wieder interessant.

Knoblauch Semmel Nutella Knoblauchbutter Frühstück selbstgemachter Käse, Butter, Brötchen
auf dem Basar in der Fleisch-Halle - ein abgetrennter Schweinekopf auf dem Tisch fischmarkt-ukraine-aleksandria-k.jpg

Nach dem Markt haben wir dann noch einen Supermarkt „geplündert“ und uns mit reichlich Trinkbarem für die Daheimgebliebenen eingedeckt. Zurück in Protopopovka wurde noch ein Stück an der Mauer gearbeitet, während dem an anderer Stelle an der Technik (Notstromversorgung fürs Haus, Wasserbehälter + Maschinen für Tracktor) gebaut wurde. Nach dem Mittag ging es dann an einen Badesee, der von wundervollen Hängen / Klippen umgeben war. Perfekte Location um ein paar gewagte Sprünge zu machen :)
Immer mit dabei war natürlich unser „Hygienehund Lisa“, der fast die ganze zeit mit im Wasser neben uns her schwamm und sich ab und zu auch mal von hinten angeschlichen hat.

Nehemia Freundeskreis Mittagessen Ukraine Klippenspringen an einem ukrainischen Badesee
Baden Hund Lisa Badesee heilende Kräfte

Am späteren Nachmittag wurden dann alle ausstehenden arbeiten weitestgehend von uns abgeschlossen, denn am nachfolgenden Freitag wollten wir ja bereits am frühen morgen aufbrechen. Zwischen 18 und 20 Uhr konnten wir uns dann noch mal auf der Terrasse sonnen, entspannt etwas lesen und an die schöne zeit zurückdenken.

Wir haben alle hier in der Ukraine viele neue Eindrücke gesammelt, eine tolle und vor allem Knoblauch-reiche Zeit erlebt und werden bestimmt einiges aus der Ukraine mit nach Deutschland bringen (z. B. den Knoblauchgestank: Wir wurden sogar von den Ukrainern in der Stadt auf unseren Knoblauch-Gestank angesprochen).

 Freitag, 17.06.2011 - Abreise

Die Heimreise am Freitag, dem 17.06. traten wir dann genau um 09 Uhr morgens an. Es sollte eine lange Heimreise werden. Nicht nur durch Kiew haben wir länger gebraucht (insgesamt 1,5h), auch an der ukrainisch-polnischen Grenze ließen uns die Zöllner sehr lange stehen. Gegen 01:20 Uhr (ukr. Zeit) angekommen, steckten wir bis 06:20 Uhr morgens zwischen Ukraine und Polen fest. In den 5 Stunden Zwangspause konnte man auch nicht wirklich schlafen, da viel zu viel Trubel an den Grenzanlagen los war. Die polnischen Grenzer hatten einen Bummelstreik angezettelt, mehr als 4 Autos in der Stunde wurden nicht abgefertigt. Die wartenden Autos bedankten sich mit ständigem Hupkonzert dafür...

Abschiedsbild Gruppenbild

Statistik Ukraine HeimfahrtDie weitere Fahrt durch Polen verlief problemlos, wir fuhren auf der neu gebauten Autobahn und konnten in einer guten Geschwindigkeit viele Kilometer machen. Wieder in Deutschland haben wir dann einen Zwischenhalt in Dresden und später in Hartenstein gemacht, bevor wir endgültig gegen 20:30 Uhr in Ellefeld eintrafen.

Die Heimfahrt dauerte insgesamt mehr als 36 Stunden und schlug mit über 2000 Kilometern zu buche. Auch hierfür habe ich passende Statistik-Werte und natürlich auch die genaue Fahrtroute bei Google Maps.

Bis nächstes Jahr ;)

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Bericht: Benjamin Thoß
Bildmaterial: Benjamin Thoß / Michael Dick