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Reisebericht - April 2005





Am 24.03.05 war es wieder einmal so weit, und eine Gruppe von 7 Männern, überwiegend aus dem Vogtland und Erzgebierge begab sich auf die erste Missionsreise des Jahres 2005 in die Ukraine.
Die Grenzübertritte gelangen im normalen Zeitrahmen, die Hin- und Rückfahrt verlief ohne Zwischenfall und Pannen, obwohl die Transporter mit 7 Personen und reichlich schwergewichtigen Werkzeugkoffern und Baumaterialien ganz schön zu leisten hatte.

Wir kamen nach genau 36 Stunden in Protopopovka an, voll Freude und Dankbarkeit im Herzen und wurden liebevoll von Familie Döbrich empfangen. Die Zimmer waren echt einladend schön für´s Osterfest dekoriert. Wir fühlten uns vom ersten Augenblick an wohl und danken hiermit herzlich für die angenehme Gastfreundschaft und die sehr gute Bewirtschaftung.

Der Sonntag Vormittag diente einer ausgiebigen Info- und Kennenlernrunde. Im Haus, Hof und Fabrik gabs ja reichlich Neuigkeiten zu besehen.

Am Nachmittag des ersten Tages wurde bereits mit den planmäßigen Bauarbeiten im neuen Gästehaus begonnen (Heizung, Trockenbau im Dachgeschoß, Vorbereitungen im Treppenhaus für die Fußbodenfließen, ...).


Klempner Ronny bei der Arbeit Bau der Treppe

An der Elektroanlage musste ebenfalls noch einiges Ergänzt werden, zum Beispiel der Anschluss an die Notstromversorgung der Fabrik, um bei den häufigen Stromabschaltungen nicht ständig im Dunkeln zu stehen. Die vielerlei Arbeiten wurden dann von Montag bis Freitag intensiv fortgesetzt, so dass wir alle am Ende dieser Woche zufrieden auf ein gutes Ergebnis zurückblicken konnten. Am Ostersonntag, unserem dritten Tag in der Ukraine besuchten wir vormittags einen Gottesdienst bei einer evangelischen Gemeinde in Aleksandria mit viel Gebet, Gesang und auch mehreren Schriftauslegungen. Dabei ist uns Gabi Döbrich eine gute Übersetzerin gewesen.

Zum Mittagessen wurden wir in ein kleines Restaurant an einer Tankstelle in Aleksandria von Familie Döbrich eingeladen. Eine echt gute Adresse, es schmeckte vorzüglich und wir waren angenehm überrascht von Qualität und Service.


Ankunft

Begrüßung, Feier

Nun, zurück zur Natur und zur Wirklichkeit in der Ukraine. Um diese Jahreszeit, da die Flüsse und Gewässer teilweise noch eine fast tragfähige Eisschicht besitzen, letzte Schneereste vom Winter an den Straßenrändern zu finden sind und die dürren Wiesen, bzw. Steppenflächen der Brandrodung nach ukrainerischen Methode zum Opfer fallen, wirkte die Natur nicht gerade einladend auf uns Gäste.

Da sind in den Städten wie zum Beispiel Kiew große und ansprechende Bauwerke zu sehen, Supermärkte und dergleichen, aber im ländlichen Bereich auch sehr viele verfallene Lehmhütten und ärmliche Anwesen, was wohl ein deutliches Zeichen dafür ist, dass die soziale Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Man fragt sich, wo soll das hinführen, gerade auch wenn man hinter die Kulissen schaut (Schulen, Kinderheime, Krankenhäuser und Pflegeheime). Hilfe wäre überall so bitter nötig, aber wo ist da Anfang und Ende einer effektiven Hilfe?

Wir dürfen dankbar auf die Projekte vom Nehemia-Freundeskreis schauen. Hier sind klare und eindeutige hilfreiche Schritte erkennbar. Produktion in der Bäckerei und Mühle; Anleitung einheimischer Arbeitskräfte und Motivation zu neuen praktischen und geistlichen Zielen. Hilfe für die Schulspeisung, die Lebensmittelversorgung in Kinderheimen, im Krankenhaus und nicht zuletzt die segensreiche Arbeit im Reha-Zentrum an Alkohol- und Drogenabhängigen Menschen mit dem Ziel, ein neues Leben durch Heilwerden an Leib, Seele und Geist anzubieten.

Wir durften am Ostersonntag zur Nachmittags- Kaffeestunde mit den Bewohnern gemeinsame Stunden verbringen. Dort konnten wir uns davon überzeugen, wieviel sich in den vergangenen Monaten zum Positiven verändert hat. Sanitärräume, eine neue Küche und Aufenthaltsräume zum Wohlfühlen für die Bewohner, welche körperlich und geistlich dort geholfen wird, ein neues Leben unter Gottes Führung zu beginnen.


Bad, Waschraum, sanitäre Anlagen

Dazu gehört eben auch, dass Ordnung in den Lebensumständen und im Wohnbereich einkehrt. Der neue Mensch, befreit von Gott aus der Knechtschaft von Drogen, Alkohol und Sünde, will Sinn und Ziel in seinen Alltagsgeschäften sehen und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Genau das wird dort praktiziert; sie lernen unter Anleitung ihr Leben neu zu ordnen, gehen einer sinnvollen Beschäftigung nach. Dazu gehören Arbeiten im Objekt selbst, einige arbeiten in der Bäckerei, im Landwirtschaftlichen Bereich des NFK, bzw. bei der Renovierung, oder Dienstleistungen im Kinderheim Aleksandria. Und dabei dürfen wir feststellen, Menschen lernen wieder lachen, sinnvoll zu leben; sie lernen einander zu helfen, ohne zur Last zu fallen. Hier ist für uns ganz deutlich Gottes Handeln zu spüren, weil ER durch seine Heilung Menschen neu macht, sie aus Elend und Sucht befreit und hineinstellt in ein neues Leben. Das ist Diakonie, missionarischer Dienst und ein großes Stück Sozialhilfe, wobei der NFK einen guten Beitrag leisten darf!

Reha-Zentrum, Rehabilitationszentrum

Reha-Zentrum, Rehabilitation

Im laufe der Woche besuchten wir auch wieder das dritte Kinderheim in Aleksandria, wo wir durch mitgebrachte Geschenke die Freude der Kinder erleben durften. Auch hier im Haus ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Vielen Kindern wird versucht, ein neues und angenehmes Zuhause zu geben, wo doch sicher viele von ihnen verwaist, ausgesetzt oder durch schlimme soziale Verhältnisse von zu Hause weggelaufen waren oder durch die Behörden von der Straße direkt ins Heim zugeführt wurden. Hier wird die Sicherstellung der Nahrungsmittel maßgeblich durch die Bäckerei des NFK gewährleistet, auch durch viele Spenden aus deutschen Kirchgemeinden und Privatpersonen wird diese Versorgung ermöglicht. Der Missionsverein hat u. a. auch die Modernisierung der Kirche durch Anschaffung besserer Geräte unterstützt.

Nicht vergessen dürfen wir die Arbeit in der Schule. Seit einigen Monaten obliegt den Mitarbeiten die Organisation und Durchführung der Schulspeisung. Der Bürgermeister hat zusammen mit der Schulleitung darum gebeten, neuen Schwung in die Küche und den Kochtopf zu bringen. Für ukrainische Behörden ein scheinbar unlösbares Problem. Das Konzept scheint auf straffer Organisation, etwas Kalkulation und Gottes Hilfe zu gelingen. Die Köchin ist willig, selbst unter schwierigen Bedingungen gute Arbeit zu leisten (Trinkwasserbrunnen mit Eimer an der 10m langen Kette aus ca. 60m Entfernung über den Schulhof, Kühlschränke nicht mehr nutzbar, Heizung und Elektronik wie vor 80 Jahren...). Aber nun bekommen die Kinder der Dorfschule wenigstens täglich ein warmes und nahrhaftes Mittagessen serviert, bei einer Selbstbeteiligung von ca. 20 Cent (Essensgeld pro Tag 1 Griwna). Die Gesamtkosten werden durch den NFK mit Geldspenden gestützt. Der Verein hat das Ziel vor Augen, die Schulküche einschließlich Heizung, Elektronik und Ausstattung als nächstes Projekt zu realisieren. Der erste Schritt ist die neue Trinkwasserleitung vom Brunnen direkt in die Küche zu verlegen und die Heizung umzubauen (Kessel und Zuleitungen). Die bisher genutzten Anlagen sind vom Standart her unzumutbar und grenzen an einen Alptraum.

Zu erwähnen sei auf jedenfall auch der neue Arbeitszweig der Landwirtschaft des NFK, nämlich die Tierhaltung. Wir haben bei unserem Besuch nicht schlecht gestaunt, über den Nachwuchs im Ferkelstall. Ein Wurf war bereits etwa 3 Wochen alt. Zwei weitere Muttertiere schenkten je 12 Babys das Leben. Wir durften teilweise bei der Geburt dabei sein. Ein großer Dank an den Schöpfer im Himmel für das Wunder des Lebens!
Die Produktion von Frischfleisch und der daraus resultierende Absatz an Jung- und Schlachtvieh eröffnet perspektivisch gute Geschäftsmöglichkeiten.

Aber es geht uns nicht nur darum, in der Ukraine gute Geschäfte zu machen. Wichtig ist, zu erkennen, welche guten Gaben uns Gott schenkt. Sein Segen in der Mühle, Bäckerei, ebenso in der landwirtschaftlichen Produktion im Stall und auf den Feldern sind die eine sichtbare Seite. Es darf aber dabei sein Handeln und deutliches Wirken an den Menschen und der Natur nicht unbeachtet bleiben. Gottes Segen ist es, wenn etwas auf dem Feld oder im Garten wächst, sein Segen ist es ebenso, wenn sich reichlich gesunder Nachwuchs bei den Tieren einstellt. Sein großer Reichtum ist, wenn Menschen aus Not und Sucht befreit werden; Gott schenkt Heilung und Neuanfang in Familien und bei vielen einzelnen Menschen. Sein Wort gilt uns allen, hier in Deutschland und auch draußen in der weiten Welt: "Siehe, ich mache alles neu!"
Dafür wollen wir von Herzen dankbar sein.
Diese Freude und Dankbarkeit begleitet uns durch die gesamte Zeit in Protopopovka, auf der Heimfahrt und bis hinein in unseren Alltag. Wir dürfen Gottes Handeln und seinen Segen spüren, erleben und sicher sein, dass er sein gutes und heilsames Werk tut an den Freunden und Gemeinden in der Ukraine, bei Familie Döbrich, dem gesamten Missionswerk des NFK und an uns allen, die wir mit dieser Arbeit und im Herrn Jesus Christus verbunden sind.

Christian Thoß

Missionshaus