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Rundbrief - September 2009



Diesen Rundbrief können Sie auch als PDF-Datei herunterladen:
Rundbrief September 2009

Protopopowka, September 2009

Liebe Vereinsfreunde,
es ist gerade ein Jahr her, als uns zuerst Feuer und dann ein großes Unwetter an den Rand des Bankrotts und der Hilflosigkeit gebracht haben. Wir stellten uns die Frage, ob wir noch am richtigen Platz sind, oder ob wir wieder nach Hause kommen sollten! Was für Überraschungen haben wir erlebt! Welch ein Segen ist geflossen! Wir sind immer noch tief berührt von all dem, und wenn wir davon erzählen, bekommen wir immer wieder feuchte Augen. Wir haben erfahren, dass es Wahrheit ist, was wir in der Bibel gelesen haben: "Alle Dinge müssen denen, die Gott lieben, zum Besten dienen." (Röm.8,26)
So war das scheinbare Ende ein neuer Anfang! Neben den Spenden und den vielen Telefonaten, durch die wir Eure Anteilnahme erfuhren, kam auch die Erkenntnis, dass es ohne Erntetechnik keine Perspektive für uns gibt. Aber woher soll ein Mähdrescher kommen?
In der Zwischenzeit hatten unsere Leute hier Gelegenheit, ganz neu Stellung zu nehmen zu ihrer Arbeit, der Arbeit des Vereins und zu ihrer persönlichen Beziehung zu Gott.

 Das Wunder aus Sachsen

Mit recht "weichen" Knien besuchte ich einige Firmen im sächsischen Raum, die unsere Arbeit kennen und auch unterstützen. Schon am späten Nachmittag hatte ich Gewissheit: Es gibt Menschen, die bereit sind, uns zu helfen und einen wesentlichen Anteil zu einem Mähdrescher beitragen werden. In der Zeit der beginnenden Wirtschaftskrise ist das ein großes Wunder!

Ende April wurde uns ein fest versprochener Mähdrescher abgesagt. Was nun? Die allgemeinen Einfuhr-genehmigungen in die Ukraine benötigen einige Wochen! Und wieder ging es einfach mit Gottes Hilfe voran. In wenigen Tagen wurde ein passender Mähdrescher in Deutschland gefunden, alle Genehmigungen waren innerhalb von drei Wochen erteilt, und der Transport konnte stattfinden. Am 06.06. erlebten wir staunend und überglücklich, wie unser Mähdrescher in Protopopowka abgeladen wurde.

Mähdrescher

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Personen und Firmen, die sich dafür mit eingebracht haben, es war viel Geld und Zeit nötig. Besonders bedanken wir uns bei Johannes Matthes, der uns in die Technik des Mähdreschers eingewiesen hat und von seinem elterlichen Betrieb für diese Zeit freigestellt wurde. Wir geben Gott die Ehre für diese Menschen und das Wunder!

 Protopopowka heute

Vor einem Jahr um diese Zeit warteten wir noch auf einen Mähdrescher für den Einsatz auf unseren Feldern. Heute sind unsere Ackerflächen zum Teil schon neu bestellt. Das Getreide konnte zur rechten Zeit geerntet werden und die Bäckerei hat neues Mehl, um den Backbetrieb aufrecht zu erhalten.

Mähdrescher beim Ernten

Die Ernte war wegen fehlenden Regens nicht so reichlich wie erwartet, aber eben ohne den Stress des Wartens auf Erntemaschinen. Wir halfen auch etlichen Kleinbauern, denen es in den vergangenen Jahren ebenso erging wie uns. Ein Bauer dankte mir zu nächtlicher Stunde mit Freudentränen: "Seit acht Jahren habe ich das erste Mal die Ernte rechtzeitig und ohne Qualitätsverlust einbringen können!"

In den letzten Sommerwochen schlossen wir die letzten Arbeiten im Kindergarten ab. Viele Kinder und auch Eltern stehen staunend vor fliesendem Wasser und WC-Anlagen. Wir spenden weiter für Kinderheim, Krankenhaus und Rehabilitationszentrum Brot und Milch.

Brot für das Kinderheim in der Ukraine

Vor allem im Kinderheim ist die beständige Hilfe ganz wichtig, dort ist die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Ukraine, USA und Deutschland besonders spürbar. Umso dankbarer ist die Leiterin Marina über unsere Zusage, dass wir auch in diesem Jahr die Kartoffeln für das Heim bereitstellen. Die Kartoffelernte wird aber noch einige Zeit dauern. Es hat seit vielen Wochen nicht geregnet und alles ist sehr trocken und die Erde ist so hart wie Beton.

Im Rehazentrum stellt man sich Schritt für Schritt auf eigene Versorgung um. In den letzten Jahren ist in der Außenstelle des Rehabilitationszentrums in Alexandria ein massiver Stall entstanden. Wir helfen mit Stroh sowie Rat und Tat. Milch erzeugen sie schon von ihren eigenen Kühen. Die Rehabilitanden werden an Arbeit herangeführt, die auch zum Teil bezahlt wird und auf diese Weise die Unkosten des Heimes gesenkt werden.

Wir konnten in unserer kleinen Firma - trotz angespannter Wirtschaftslage - alle unsere Arbeiter halten. Das Bewusstsein für eine Arbeitsstelle wächst weiter, auch wenn mehr und mehr europäische Bedingungen am Arbeitsplatz einziehen. Ganz allmählich kommt auch die Veränderung in den Köpfen der Ukrainer in Gang.

unsere Bäckerei-Angestellten

Im späten Frühjahr wurde das Haus von einem Familienvater und Pastor einer Gemeinde bei einem Unwetter einfach weggespült. Wir halfen schnell mit Baumaterial. Bald hatte das Ehepaar mit ihren sieben Kindern- fünf Kinder davon sind adoptierte Waisenkinder- wieder ein Dach über den Kopf. Die Familie sendet viele liebe Grüße nach Deutschland und bedankt sich herzlich bei allen Spendern.

Den Frauen unserer Firma hat Gabriele einen Putzkurs angeboten. Das sieht dann so aus, dass wir in den betreffenden Haushalt gehen und mit der Hausfrau eine kleine Reinigungsschulung durchführen. Das ist eine sehr persönliche Hilfeleistung, die noch nicht alle so einfach annehmen können. Der nächste Schritt ist dann die Organisation der Küchen. Oft fragen wir uns am Abend: Was ist aus unserem Tagesplan geworden? Immer wieder kommen Menschen mit Fragen und Problemen. Gespräche, Gebete, medizinische Behandlungen und oft auch nur Zuhören bestimmen unseren Alltag. Da sind wir für Menschen dankbar, die hier schon Verantwortung mit übernehmen und nach dem Rechten schauen können.

 Svetlanas Bekenntnis

Wir sind bestrebt, das Land und die Menschen besser zu verstehen. Da stoßen wir immer wieder auf viele Fragen und Geheimnisse. Ab und an haben wir dann eine neue Information oder Erkenntnis und verstehen, warum es hier so ist wie es ist.

Bei einem Gespräch erzählte Svetlana aus ihrem Leben:
"Früher arbeitete ich in einer Wurstfabrik, 15 Jahre lang! Jeden Tag habe ich dort, wie alle Arbeiter, 40 bis 50 kg Fleisch gestohlen und mit nach Hause genommen. Wir waren in unserer Abteilung 15 Personen und noch die Aufpasser... Das war normal so! Ich habe aber immer nur im Werk gestohlen, nie von privatem Besitz genommen."

Schnell hatten wir ausgerechnet, dass es mindestens 500 Kühe sein müssen, die sie über die Zeit ihrem Arbeitgeber gestohlen hat, ergibt für Ihre Abteilung in 15 Jahren 7.500 Kühe! Wir wissen nicht, wie die Firmen existieren konnten, verstehen aber, wie es über die vielen Jahre zur Selbstverständlichkeit geworden war, beim Arbeitgeber Dinge mitgehen zu lassen und kein schlechtes Gewissen dabei zu haben.

 Ein neuer Schritt

Ich war in der Schule nie ein Streber. Ganz besonders am Russischunterricht hatte ich großes Desinteresse. Hätte mir damals jemand gesagt, dass eine unserer Töchter auf eine ukrainische Schule gehen wird - ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Schulanfang

Nun ist es soweit und der Schulanfang steht vor der Tür. Für uns als Eltern ein nicht so ganz leichter Schritt. Es wird eben doch eine Entscheidung auf längere Zeit getroffen. Hier halten wir uns immer wieder vor Augen, dass Gott einen guten Plan für unser Leben und das Leben unserer Kinder hat und alles gut werden wird.

Es ist sowieso nicht ganz einfach für uns. Beim letzten Grenzübertritt sah Helena die ukrainische Fahne und sagte ganz stolz: Schau unsere Fahne! Gut, dass Helena selber mit der Situation kein Problem hat. Sind wir in der Ukraine, ist es gut, sie spricht fließend und akzentfrei die ukrainische Sprache. Nach der Grenze - wie automatisch - geht es mit deutscher Sprache weiter.

Oft bringt Helena Freunde mit nach Hause, dabei beobachten wir mit Freude, wie sie schon als kleine Dolmetscherin arbeitet. Sie übersetzt Gebete und bereits auch Gespräche für ihre Freunde. So wird uns immer wieder bewusst, welchen Weg wir gehen und was der Preis ist.

Da ist es uns ein großer Trost und eine große Hilfe, dass wir viele Freunde, Helfer, Spender und Beter hinter uns in der Heimat wissen. Euch allen ein ganz herzliches Dankeschön und Gottes Segen!

 Bauliche Maßnahmen

Bei aller Arbeit ringsherum sind wir bemüht, auch hier die Basis weiter auszubauen und zu vervollständigen. So erweiterten wir in den vergangenen Jahren Schritt um Schritt den Stallkomplex und stellten ihn fertig.

Hausbau beim Nehemia Freundeskreis e.V.

Im alten Haus stehen noch für den Winter umfangreiche Renovierungsarbeiten an. Wir arbeiten auch an der Erweiterung unserer Technik. Es müssen immer wieder Maschinen ersetzt, repariert oder angeschafft werden. Wir sind für jeden Schritt dankbar, für jede Erleichterung und Verbesserung. Aber jede technische Erweiterung bedeutet auch immer für unsere Leute Erweiterung, Schulung und Umdenken, wobei das Umdenken wohl der schwierigste Teil ist.

 Was demnächst passiert!

Die Kartoffelernte steht vor der Tür. Es müssen von etwa 2 Hektar Feld Kartoffeln geerntet, sortiert, verpackt und verteilt werden. Die ersten 5 Tonnen gehen an das Kinderheim und in das Rehabilitations-Zentrum. Für diese Zeit haben auch Helfer aus Deutschland ihre Unterstützung zugesagt. Ende September feiern wir hier unser persönliches Erntedankfest. Dazu haben wir allen Grund!

eigene Backwaren aus der Bäckerei

Mit Angestellten, Freunden und Nachbarn feiern wir einen Dankgottesdienst. Wir werden gemeinsam essen und zusammen Zeit verbringen.

 Zeugnis von Ina und Witalek

"Vor 13 Monaten starb unser zweites Kind, es war nur wenige Monate alt. Kurz darauf erkrankte Witalek an Tuberkulose. Ihr habt uns aufgenommen, getröstet und Arbeit gegeben, habt Krankenhauskosten über-nommen und uns einfach weiter gebracht. Die TBC ist abgeheilt und wir erwarten wieder ein Kind. Unser Leben hat wieder eine Perspektive und wir haben Hoffnung. Wir danken allen ganz herzlich, die uns hier unterstützt haben."

Wir bedanken uns ganz herzlich für jede Art von Unterstützung. Ohne Euch ist diese Arbeit nicht möglich! Wir leisten jeden Tag vollen Einsatz mit allen unseren Gaben und Fähigkeiten. Ihr gebt uns den materiellen und geistlich-moralischen Rückhalt. Gott gibt seinen Segen und wir erleben hier immer wieder seine Wunder!


Bitte bleibt uns als treue Partner verbunden!
Mit lieben Grüßen aus der Ukraine,

Achim, Gabi und das Schulkind Helena


Wenn Sie uns finanziell unterstützen möchten:

Nehemia Freundeskreis e.V.
Bayrische Hypo-Vereinsbank AG Zwickau
Konto 3990 120 500
BLZ 870 200 88


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