Heute geben wir Euch wieder einen Bericht über die Arbeit in der Ukraine.
Besuch aus Berlin
Im Frühjahr hatten wir Besucher aus Berlin. Eine Schulklasse hatte es durch einen Schüleraustausch hierher in die Zentralukraine verschlagen. Sie kamen mit einem Reisebus und verbrachten einige Tage in Alexandria. Wir konnten den Jugendlichen und auch den Begleitern von unserer Arbeit erzählen. Bei dem Rundgang auf unserem Grundstück und den verschiedenen Arbeitsplätzen, kam es zu lebhaften Gesprächen.
Besuch aus der Heimat
Wie schon lange geplant, hatte sich im Juni auch wieder eine Gruppe aus Deutschland zu uns aufgemacht. Ziel war es, zu helfen und die Arbeit kennen zu lernen. Wir besuchten Kinderheim, Schule, Kindergarten und Rehazentrum, arbeiteten aber auch vor Ort. Für mich bedeutete es eine große Entlastung, weil ich es schon lange nicht mehr schaffe, alle nötigen Pflege- und Wartungs-Maßnahmen durchzuführen.
Und dann war da auch noch genügend Zeit, die eingefallene Trockenmauer am Wohn-Haus neu aufzurichten.
Lücken schließen - eine Arbeit, die ja dem Nehemia der Bibel ganz besonders am Herzen lag… Ein gewisser Höhepunkt war für uns die gottesdienstliche Versammlung am See von Protopopowka.
Vom Monat Mai bis jetzt in den September hinein, beherbergten wir etliche Gäste aus Deutschland. Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit, für alle Gespräche und Impulse und für das, was wir weitergeben konnten. Es ist auch ein Stück unseres Dienstes, die Erfahrungen und Erlebnisse hier an unsere Besucher weiterzureichen.
Besuch vom MDR
Zu Sommerbeginn hatte sich ein Fernseh-Team des MDR bei uns angemeldet. Sie bereiteten eine Reportage über Land und Leute in der Ukraine vor, und hatten auch von uns gehört. Der Beitrag wurde am 13.08. im MDR Fernsehen ausgestrahlt und ist recht gut gelungen.
Wir hatten allen denen mit Internetadresse versucht, den Sendetermin noch rechtzeitig bekannt zu geben. Wir danken Euch herzlich für die vielen positiven Rückmeldungen.
Für alle die den Beitrag nicht sehen konnten, hier das Video zum anschauen:
Abschied von Alexander und Ina
Alexander und Ina sind das Leiterehepaar des jüdischen Zentrums in Alexandria. Sie leben schon lange in der Spannung zwischen der Verantwortung für die jüdische Gemeinde hier im Land, und dem Wunsch nach Israel auszuwandern.
Lange haben sie immer wieder abgewogen, nun ist die Entscheidung gefallen. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation und vor allem der politischen Entwicklung im Land werden sie noch in diesem Jahr die Ukraine verlassen.
Auf der einen Seite wissen wir, dass es für sie richtig und wichtig ist. Auf der anderen Seite verlieren wir hier gute, ehrliche und treue Freunde.
Ein Stich ins Herz
Nicht immer ist die Arbeit hier von Freude und Erfolg gekrönt. Sie ist auch verbunden mit Tränen, Enttäuschungen und Schmerzen. Für uns sind es schwere Stunden, wenn wir erkennen müssen, dass Personen uns nur ausnutzen, nicht bereit sind, neue Wege zu gehen und nur darauf bedacht sind, ihren eigenen Vorteil zu suchen. Das ist der Punkt, unser Herz und unsere Haltung zu prüfen, nicht aufzugeben und auch nicht bitter oder hart zu werden. Natürlich lernen wir dazu, wie wir den Menschen hier in ihrer so speziellen Mentalität und Tradition begegnen können.
Wir berichteten in der Vergangenheit von Anatoli. Er lebte ohne Dokumente und Arbeitserlaubnis mit seiner Familie hier in der Ukraine. Er hatte den Status des legendären „Hauptmann von Köpenick“ Ohne Papiere keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung, ohne Wohnung keine Papiere!
Mit viel Einsatz haben wir ihn aus diesem Kreislauf herausgeholt. Wir machten uns für ihn und seine Familie stark, gaben ihm Arbeit und halfen ihm zu allen legalen Papieren. Ich weiß nicht, wie oft ich in der Pass- und Meldestelle war. Als dann alles soweit fertig war, Anatoli die Dokumente endlich in der Hand hatte, war er noch etwa zwei Wochen bei uns und ist dann nicht mehr zur Arbeit gekommen und wortlos weggegangen. Er arbeitet jetzt bei einer anderen Firma. Manchmal fährt er mit dem Traktor der anderen Firma hier bei uns vorbei. Dies ist für uns eine schmerzliche Herausforderung und wir fragen uns, wie es wohl in seinem Herzen aussieht?!
Neue Freundschaft
Arbeit verbindet, vor allem, wenn wir uns gegenseitig helfen können. Wir haben in den vergangenen Monaten eine echte Freundschaft mit einem Inhaber eines anderen kleinen landwirtschaftlichen Betriebes geschlossen.
Dort arbeitet ein Mann mit seinen beiden Söhnen und noch einem Helfer. Es passt so richtig gut zusammen: Was wir an Technik nicht haben, hat er und auch umgekehrt. So bestellen wir die Felder gemeinsam, oder machen zusammen Silo usw...
Das erleichtert uns allen die Arbeit sehr und wir lernen voneinander. Auch hier gibt es reichlich Gelegenheit, Zeugnis abzulegen, warum wir hier sind und welchen großen Gott wir als Vater haben!
Kartoffeln für die Kinder
In diesem Jahr lieferten wir aus eigener Ernte reichlich Kartoffeln aus. So gingen sechs Tonnen an soziale Einrichtungen. Das Rehabilitationszentrum bestellte zwei Tonnen und noch zwei Kinderheime bekamen ebenfalls zwei Tonnen Kartoffeln.
Erstmals verzichteten wir in diesem Jahr bei der Kartoffelernte auf freiwillige Helfer von diesen Einrichtungen. Wir wollten den Arbeitslosen in unserer Umgebung die Möglichkeit geben, mit eigenen Händen etwas Geld zu verdienen. Das wurde gut angenommen und wir hatten motivierte Helfer an unserer Seite. Dies ist auch ein Ergebnis von den gesammelten Erfahrungen. Viele Menschen kommen mit Bitten und Anfragen zu uns. Aber warum sollen wir immer ohne Gegenleistung helfen? Zum Beispiel ist da ein Mann, der eine mehrjährige Gefängnisstrafe abgesessen hatte und um Brot bat. Sicher ist es der leichtere Weg, Brot zu geben und weiter mit solchen Leuten keinen Kontakt zu haben.
Haben wir aber im Helfertrupp solche Leute, sind alle gefordert Vorurteile abzubauen, aber auch wachsam zu sein.
In die Bücher geschaut
Noch immer sind wir dabei, so manches Dokument auf den aktuellen Stand zu bringen. Hin und wieder stolpern wir über die Fehler der ersten Jahre. Wir müssen großen Aufwand betreiben, die Dinge zu richten und vor dem Gesetz in Ordnung zu bringen. Zu viel wurde in den ersten Jahren eben die all zu bekannte „Ukrainskimethod“ betrieben. Ein Zustand, der uns immer wieder Knüppel zwischen die Beine wirft.
Ab und an kommen aber auch interessante Dinge zum Vorschein. So führte mich ein Weg letzte Woche in das Grundbuchamt, wo auch einige Fragen offen sind. Bei einem Termin mit dem Leiter kam es schnell zu einem freundschaftlichen Gespräch. Dann zeigte er mir etwas: Er holte ein altes blau gebundenes Buch hervor, beschriftet mit „Grundbuchamt Alexandria 1941“.
In der Mitte des Buches - während der deutschen Besetzung - war genau gekennzeichnet, welche Grundstücke jüdisch Eigentümer hatten und welche ukrainischen Personen Folgeeigentümer wurden. Es war alles ganz ordentlich aufgezeichnet. Der Leiter sagte dann, dass viele Fabriken und Häuser Menschen gehören, die eigentlich keine Eigentümer sind. Auch nach der deutschen Besatzungs-Zeit änderte sich an diesem Zustand nichts. Für uns wieder ein neuer Impuls und die Bestätigung, im Gebet und in der Bitte um Vergebung für die Schuld des ukrainischen Volkes weiter standhaft und ausdauernd zu sein, auch wenn die hiesigen Gemeinden nicht so recht mit ziehen wollen. Es fehlt einfach noch an der Bereitschaft der christlichen Ukrainer, ebenfalls die Verantwortung über das Geschehene zu übernehmen.
Freunde - ein sicherer Halt
Gerade in der Erntezeit bleibt nicht viel Zeit für die vielfältigen Vereinsarbeiten. Dennoch müssen sie getan werden, einen besonderen Dank an alle, die gerade in dieser Zeit uns unterstützt haben.
Zum Beispiel hatten wir die Situation, dass wir für den Mähdrescher ein dringend benötigtes Ersatzteil brauchten. Die Lieferzeit in der Ukraine belief sich auf etwa drei Monate und das in der Ernte!!!! Ein Anruf in der Heimat, 24 Stunden Ersatzteilservice und ein beherzter Mann, der sich sofort mit dem Auto auf den Weg machte, uns das Teil zu bringen. Diese Zeichen der Verbundenheit sind uns immer wieder Trost und Motivation zugleich in den nicht leichter werdenden Zeiten, den Weg hier weiter zu gehen. Wir wissen, dass Gott mit uns ist - auch wenn wir deutlich Veränderungen im Lande sehen, die nicht viel Gutes zu verheißen scheinen. Welchen Weg die Ukraine gehen wird, wird man erst mit absoluter Sicherheit nach der Fußballeuropameisterschaft 2012 sehen können. Wir sind sehr gespannt!
Persönlicher Dank
Heute wollen wir nicht nur all denen herzlich Danke sagen, die mit Spenden, Unterstützungen und Gebeten uns die Arbeit hier ermöglichen.
Wir danken heute auch denen, die uns ganz persönlich unterstützen, die uns zu unseren beiden runden Geburtstagen geschrieben, angerufen und beschenkt haben. Auch das ist ein großes Zeichen der Verbundenheit untereinander.
Wir planen unseren nächsten Aufenthalt in Deutschland im November. Während dieser Zeit bin ich auch gerne bereit, in Gemeinden oder Hauskreisen über die Arbeit und die Situation im Land zu berichten. Wer daran interessiert ist, melde sich bitte unter mission02@vrata.net oder hier über unsere Vereins-Homepage.
Mit lieben Grüßen aus der Ukraine!
Achim und Gabriele Döbrich