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Rundbrief - Dezember 2009



Diesen Rundbrief können Sie auch als PDF-Datei herunterladen:
Rundbrief Dezember 2009

Protopopowka, Dezember 2009

Liebe Vereinsfreunde,
Der erste Sonntag im Advent ist gerade vorbei, damit beginnt für uns wieder eine ganz besondere Zeit. Das liegt einfach daran, dass wir hier weit und breit die Einzigen sind, die Advent feiern und bewusst begehen. Da sind wir weit weg vom allgemeinen Kerzenschimmer - es sei denn der Strom ist wieder einmal weg, und das passiert ja immer noch öfters. Wir bedanken uns ganz herzlich für alle Treue und Liebe, die wir durch Euch erfahren haben. Wir geben unserem Gott für das vergangene Jahr allein die Ehre! Wir haben SEINE Wunder und SEINE Hand ganz real erlebt!

 Die Epidemie

Sicher habt Ihr hier und da von den Ereignissen in der Ukraine gehört. Wir haben sehr gestaunt, über Nacht wurde ein gesundes Volk krank geredet. Drei Wochen keine Schule und alle Kindergärten geschlossen, lange Schlangen vor Apotheken, die ihren Umsatz in dieser Zeit um 4000% steigern konnten. Wir selber - und auch unsere Arbeiter - kennen niemand, der eine Virusgrippe (Schweinegrippe) oder etwas Ähnliches hatte. Interessant ist, dass die Zeit des Versammlungsverbotes gerade in die heiße Phase des Wahlkampfes gefallen ist, wobei das allgemeine Interesse an der Wahl im Januar und an der Frage, wer das Land regieren soll, doch sehr gering ist.

 Die Kartoffelernte

Gemeinsam mit unseren Gästen aus Deutschland und vielen einheimischen Helfern konnten wir in wenigen Tagen die Kartoffelernte einbringen. Das Kinderheim "Neues Leben" in Alexandria wartete schon sehnsüchtig auf die ersten neuen Kartoffeln.

Gleich am ersten Erntetag brachten wir ein paar Sack in die Kinderheimküche, um dann in aller Ruhe die Ernte anzugehen.

Kartoffelernte fürs Kinderheim

Die lange Trockenheit hatte die Kartoffeln nicht all zu groß werden lassen. Es war so trocken, dass einige Male sogar die Brunnen der Häuser ohne Wasser blieben. So sind wir dankbar für die eingebrachte Ernte. Es war wieder eine Knochenarbeit, die wir aber immer wieder gerne tun.

Kartoffelernte des Nehemia Freundeskreis in der Ukraine

Über 15 Tonnen wurden dann an verschiedene Einrichtungen gespendet. Besonders das Rehabilitations-Zentrum und das Kinderheim sind für diese stabile und verlässliche Hilfe sehr dankbar.

 Alte Freunde

Gerade in diese Zeit fiel auch das Neujahrsfest der jüdischen Gemeinde. Eine kleine deutsche Delegation und wir waren eingeladen. Wir konnten uns vom Wachstum und den positiven Veränderungen der Gemeinde überzeugen. War das Fest vor ein paar Jahren noch mehr eine ukrainische Feier, so ist sie nun schon ein jüdisch - kultureller Höhepunkt.

jüdisches Gemeindefest in der Ukraine

Auch wir durften ein kurzes Grußwort sprechen. Nach dem Kultur-Programm wurden alle in den neuen Mehrzweckraum, neben der Versammlungshalle zu Apfel und Honig eingeladen. Mit diesem Brauch erbitten sich Juden von Gott ein süßes neues Jahr. Wodka war vom Festtisch verbannt, aber es stand für jeden ein Glas mit israelischem Rotwein bereit.

 Neues Leben

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir begonnen, unsere Kühe künstlich zu besamen. Das hatte zwei Gründe: Nachdem mir ein Bulle einen Finger gebrochen hatte, wollte ich eigentlich keinen Bullen mehr von der Kette nehmen. Zweitens brauchen wir dringend neues Erbgut und bessere Milch-Kühe. Da wurde uns nicht viel Mut gemacht, dass dies gelingen wird. Umso glücklicher waren wir, als im September das erste künstlich gezeugte Kälbchen auf die Welt kam. Dies ist auch ein positives Zeichen für uns, ein Neuanfang mit besserer Qualität.

erstes künstlich gezeigtes Kalb

Das ist es auch, was wir unseren Leuten hier vor Ort nahe bringen. In allen Bereichen - nicht nur Stall oder Verkauf und Bäckerei - eben auch im geistlichen, seelischen und körperlichen Bereich gilt es immer wieder neu anzufangen mit höherem Niveau. So treffen wir uns regelmäßig mit den Personen, die Verantwortung übernommen haben. Wir erklären ihnen am täglichen Leben und den alltäglich entstehenden Problemen, wie diesen zu begegnen ist, welche Wege und Antworten zur Lösung führen. Das ist intensive Kleinarbeit, die nicht aufgeschrieben werden kann. Umso mehr freuen wir uns über die Resultate, wenn wir erleben, wie Menschen auf einmal anders reagieren, denken und handeln.

 Neues Glück

Vor einigen Wochen wurden wir von einem Ehepaar dringend um Hilfe gebeten. Sie hatten vor zwölf Jahren in Moldawien geheiratet. Da die Trauung nur kirchlich war, gilt diese hier in der Ukraine nicht.

ukrainisches Ehepaar aus Moldawien

Das zog eine lange Lawine hinter sich her, auf einmal zählten die jungen Leute als Einwanderer, ohne Aufenthaltsgenehmigung und ohne Arbeitserlaubnis. Das alles, obwohl die große Tochter auch hier zur Schule geht.

Wenn Menschen mit den verschiedensten Anliegen zu uns kommen, nehmen wir uns die Zeit, ihr persönliches Umfeld wahr zunehmen. So waren wir mit ihnen nach Hause gefahren und wurden zum Tee eingeladen. Die Kate war sauber, zwei selbstgebaute Hocker, ein Bett, ein Tisch und Schrank, eine kleine Kochnische. Schnell hatten wir eine Tasse Tee in der Hand und mussten uns auch setzen. Das Ehepaar trank keinen Tee und als die Kinder nach Tee fragten bekamen sie zur Antwort: patom (später). Bald erkannten wir das Problem, es gab im ganzen Haushalt nur drei Tassen.

Wir halfen bei dem behördlichen Kleinkrieg und den anfallenden Gebühren. Dem Mann konnten wir eine stabile Arbeit geben und auch bei der nachzufeiernden Hochzeit halfen wir von Schuhen bis zum Schlips und Kleid. Es macht immer wieder Freude, auch in diesen praktischen Dingen Menschen zu helfen. Früher wurde im Spendenkarton nach den passenden Sachen gesucht, heute bleibt nur der Griff in den eigenen Kleiderschrank.

 Alexanders Lebenswende

Sein Zeugnis: "Als Bergmann konnte ich mit 52 in Rente gehen. Bald darauf begann ich schon beim Frühstück Bier und Wodka zu trinken. Es dauerte nicht lange, bis sich meine ganze Familie von mir distanzierte. Jeden Tag betrunken, mein Leben war ohne Perspektive geworden. Mehr und mehr verlor ich alle sozialen Bindungen. Der deutsche Verein Nehemia Freundeskreis, nicht weit von meinem Haus entfernt, hat mich aufgefangen. Sie haben es sogar gewagt, mir Arbeit zu geben. Nach einem sehr holprigen Start in mein zweites Leben fand ich Stück um Stück ins Leben zurück. Jetzt bin ich schon drei Jahre bei Euch, ich war keinen Tag krank - nur zwei Mal, in der ersten Zeit, hat mich Achim gleich früh Heim geschickt.

Alexanders Lebenswende

Meine Familie ist zurückgekehrt, unser Haus renoviert und ordentlich. Ich danke Gott und danke Euch für mein zweites Leben."

 Unser Fest

Im November endlich feierten wir unser Erntedankfest. Dankbar dachten wir an die eingebrachte Ernte, für alles was auf den Feldern gewachsen war und auch schon wieder wächst. Wir besannen uns auf unserer Feier auch an jeden Einzelnen von uns und konnten feststellen, dass es keinem schlechter geht. Alle haben auf irgendeine Weise Fortschritte gemacht, materiell gesehen, aber auch in der Einstellung zum Leben, der Arbeit, zu Gott und der Familie gab es viele positive Entwicklungen.

Erntedankfest des Nehemia Freundeskreis

Und dann erinnerten wir uns natürlich auch des Wunders Nummer Eins im Jahre 2009: unseres Mähdreschers. Wir können bezeugen, dass der Vater sich um seine Kinder kümmert und weiß, was wir bedürfen. Darüber hinaus danken wir allen Sponsoren und Spendern, ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich!

 Was ist noch zu tun

Der Kindergarten im Dorf bittet uns um Unterstützung für die Neugestaltung des Außenbereiches. Wir sind noch am Abklären, inwieweit es schon TÜV -Vorschriften für Spielzeuge im Außenbereich gibt.
Die Dorfschule bittet um Installation der Wasserleitungen, aus dem 30 Meter tiefen Brunnen bis zur Toilette.
Das Bäckereidach konnte dieses Jahr erneuert werden, jetzt ist das Dach der Mühlenseite noch neu abzudichten.

Für mich sind eine Menge administrative Dinge liegen geblieben, Sachen die endlich abgeschlossen werden müssen. Uns ist es ein großes Anliegen, in allen Bereichen Ordnung zu haben. Da gibt es Miet- und Pachtverträge zu erneuern, in schneller Folge kommen neue Gesetze, oft ist es so, dass noch bevor die Durchführungsbestimmungen erscheinen, es wieder ein neues Gesetz gibt. Dieser Prozess fordert viel Geduld und Ausdauer. Mit den Jahren in der Ukraine bekommt man so ein Gespür, die Sachen nicht gleich anzugehen. Lieber erst einmal ein paar Wochen abwarten, dann aber nicht vergessen, sie abzuschließen!

 Lager für Stroh und Technik

Wir haben in der vergangenen Zeit immer wieder um ein Lager für Stroh und eine Unterstellmöglichkeit für die Technik gebetet.

Lager für Stroh und Technik

Von diesem ehemaligen Rinderstall stehen jetzt sechs Segmente zum Verkauf. Es würde eine Lagerfläche von etwa 700 m² ergeben und auch von der Höhe könnte der Mähdrescher und alle Landtechnik sicher und trocken abgestellt werden. Ein Architekt prüft gerade die gesetzlichen Bestimmungen und die geologisch-statischen Voraus-setzungen für die Fundamente. Damit haben wir wieder eine Erweiterung vor uns, die Glauben, Zielstrebigkeit und Beständigkeit fordert.

 Herzliche Einladung!

Wir laden hiermit offiziell zu unserer nächsten Jahreshauptversammlung ein. Wir treffen uns am Sonntag, dem 28.02.2010 um 14:00 Uhr im Gemeindesaal der Evangelisch - lutherischen Kirche in Elsterberg, Markt 19.
Des Weiteren laden wir Euch ein, uns weiter zu unterstützen, auf welche Weise es Euch auch möglich ist. Wir danken für alle Gebete und Treue!
Wir wünschen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein ebenso segenreiches Jahr 2010!

Mit lieben Grüßen aus der Ukraine!

Achim, Gabi und das Schulkind Helena


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Konto 3990 120 500
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