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Rundbrief - Dezember 2011



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Rundbrief Dezember 2011

Protopopowka, Dezember 2011

Liebe Vereinsfreunde!

Euch allen wünschen wir eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Wir danken Euch für Eure Treue und Unterstützung, ohne die unsere Arbeit hier vor Ort nicht möglich wäre. Vieles in unserem Dorf würde anders aussehen, manche Person nicht mehr leben und viele Menschen wären ohne Arbeit und regelmäßige Einkünfte.

In der Ukraine hat sich in den letzten Monaten viel getan. Die Fußball-EM wirft ihre Schatten voraus und viele Holperpisten sind zu Straßen geworden.

neu gebaute Straßen in der Ukraine

Wer die Strecke Kowel - Kiew wählt, erkennt die Straße nicht mehr wieder. Da ist schon westeuropäischer Standart eingezogen. An vielen anderen Stellen jedoch warten die Menschen immer noch auf Veränderungen.
Hier wieder ein kleiner Einblick in unsere Arbeit und in unser Leben.

 Neue Gesetze

Eine Vielzahl von neuen Gesetzen bzw. Gesetzesänderungen wurden im Laufe eines Jahres der Ukraine beschert. Eines davon hat auch uns betroffen. Seit acht Jahren haben wir beide eine Arbeitserlaubnis für die Ukraine, und damit bekamen wir auch immer relativ unkompliziert unsere Aufenthaltsgenehmigungen für jeweils 12 Monate. Ungläubig erfuhren wir von der neuen Verfahrensweise! Nach Ablauf der 12 Monate müssen wir nach Deutschland, dort zur ukrainischen Botschaft, um ein Visum zu kaufen (Bearbeitungszeit bis 15 Tage) und dann zurück in die UA, um die neuen Aufenthaltsgenehmigungen zu beantragen. Da ging kein Weg daran vorbei, aber die richtige Überraschung kam erst noch!

In Frankfurt/M. auf der Botschaft eröffneten uns die Beamten die neue Situation: Für Gabi und mich ist das kein Problem, aber unserer Tochter können sie kein Visum erteilen, da sie keine Arbeitserlaubnis hat. Nach einer längeren Beratung haben wir folgendes Angebot erhalten: Fahren Sie ohne Tochter in die Ukraine und melden sich dort an (Bearbeitungszeit bis 45 Tage), kommen sie dann mit der Aufenthalts-genehmigung zurück und wir erstellen ihnen dann ein Visum für ihre Tochter.
Bei Rückfrage in der Rechtsabteilung der deutschen Botschaft in Kiew wurde uns nur mitgeteilt, dass es zurzeit einige Gesetze gibt, die in einem Moment der Verwirrung entstanden sein müssen.

 Festtagsfreude!

Da ist es doch eine richtige Befreiung, wenn wir Kindern eine Freude machen können. Gerade jetzt, wo es auf die Feiertage zugeht, sind die Energiekosten - bei Gas um 100% - auf etwa 0,40 Euro / m³ gestiegen. Da machen sich die verantwortlichen Leiter im Kinderheim Gedanken, wie das alles werden soll: Heizen oder Essen?! So sind sie dankbar für das von uns täglich gelieferte Brot und die Milch. Neben den 2 Tonnen Kartoffeln, konnten wir nun noch 120 Kilogramm Fleisch in die neu erhaltene Gefriertruhe im Kinderheim legen. Jetzt wird - was ja hier nicht selbstverständlich ist - auch ab und an ein Stück Fleisch auf den Festtagstisch kommen.

ein Schwein wird zerlegt

Im Namen der Kinderheimleitung sagen wir Euch allen, die hier immer wieder gezielt Spenden einbringen, vielen Dank.

 Zwischen die Fronten gekommen!

Seit der letzten Kommunalwahl gibt es zwei politische Interessenlager in unserem Kreis. Wir selber haben mit der alten Dorfleitung zusammen gearbeitet und jetzt nach der Wahl selbstverständlich auch mit den neu gewählten Volksvertretern. In den letzten acht Jahren war bei dieser Zusammenarbeit das Motto: Ihr helft uns - wir helfen Euch! Dabei wurden Vereinbarungen, wie z.B. eine Feldmiete nicht schriftlich festgelegt. Das war von unserer Seite sehr naiv! Jetzt müssen wir sehen, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen. Wir sind wegen dieser Absprache von dem „alten Lager“ beim Staatsanwalt angezeigt worden.

Wir selber fühlen uns nicht schuldig, eher nur ausgenutzt. Das Verwaltungsgericht in Kirowograd teilte in einem ersten Urteil unsere Ansicht. Der Staatsanwalt ist aber in Berufung gegangen und so sehen wir am 20.12.11 dem Revisionsverfahren entgegen. Selbstverständlich mussten wir uns einen Anwalt nehmen. Da kam in der letzten Zeit einiges ans Licht, was von der staatlichen Seite aus nicht richtig war. Wir sind sehr gespannt, was hier passieren wird. Wir selber sind in dieser Situation aber ruhig und gelassen, denn wir wissen, welchem starken und gerechten Gott wir dienen. Es ist eben nur schade um die viele Energie und Kraft, die wir in dieser Angelegenheit verschwenden.

 Die Schuldenkrise

Es ist schön, viele Freunde und Bekannte zu haben. Ein Beweis war mein 50. Geburtstag. Allen, die durch einen Gruß oder durch ein Wort an mich gedacht haben, sage ich: Vielen Dank! Auf einem Glückwunschschreiben war ein Hinweis auf die alte jüdische Regel, nach 50 Jahren die Schulden zu erlassen.

In den vergangen Jahren hatten sich etliche Menschen Geld bei uns geborgt, oft unter den feierlichsten Beteuerungen der Rückzahlung. Vor allem in den ersten Jahren haben wir gutwillig immer wieder Menschen helfen wollen. Nach acht Jahren hatte sich ein stattlicher Stapel an Schuldscheinen bei mir angesammelt. Es hat uns nicht sonderlich belastet, aber gelehrt, auf diesem Gebiet vorsichtiger zu sein. Nun kam dieses Jahr eine Zeit, wo auch unsere privaten Finanzen knapp waren. Da sah ich mit Ärger auf den Stapel und auf die Menschen, die dahinter standen - immerhin waren das umgerechnet zinslos 6000 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, von dem Geld jemals etwas wiederzusehen war recht gering. Das einzige, was blieb, war der Ärger.

So hatte ich mich entschlossen, es den Juden gleich zu tun und allen die bestehenden Schulden zu erlassen. Am gleichen Tag kehrte wieder Ruhe und Frieden in mir ein. Und ich musste mich wirklich wundern, als sich von all den Schuldnern nur zwei bedankten. Es waren ausgerechnet diejenigen, die nur Minibeträge offen hatten, z.B. mit 20 Euro und mit 35 Euro.
Für mich war und ist es eine wichtige Lektion, auch über das, was Gott für uns getan hat und wie unsere Dankbarkeit aussieht.

 Auf Reisen

Durch die neuen Gesetze in der Ukraine war für uns im Spätherbst ein längerer Aufenthalt in Deutschland nötig geworden.
Fast vier Wochen vergingen, bis wir wieder hier sein konnten. Da wir nicht wussten, wie lange es überhaupt dauern würde, hatten wir in dieser Zeit unsere Tochter in Deutschland als Gastschülerin in einer Grundschule angemeldet. Das war für Helena eine echte Herausforderung. Sie liebt eher die Beständigkeit, es war aber auch sehr gut für ihre Entwicklung. Wenn wir wieder in Deutschland sind, möchte sie gerne wieder in die deutsche Gastschule gehen.
Eine neue Situation war es aber auch für unsere Leute hier vor Ort. Keiner wusste genau, wann wir wieder kommen werden. Sie mussten für längere Zeit Verantwortung übernehmen. Über das Ergebnis sind wir recht zufrieden, es ist auch ein Stück Wachstum und Ernte.

Ich habe die Möglichkeit genutzt, die Einladungen zu Vorträgen in Deutschland über die Arbeit in der Ukraine zu halten. Vielen Dank für das Interesse und die rege Teilnahme. Es war schön, wieder einmal in den alten Gemeinden und Hauskreisen zu sein. All denen, die neu von der Arbeit gehört und gesehen haben, nochmals eine herzliche Einladung nach Protopopowka zu kommen. Es ist immer gut, alles selbst gesehen zu haben!

 Mütter und Kinder in Not

Ebenfalls eine neue Gesetzesregelung sichert den Familien ein erhebliches Kinder- oder Muttergeld zu. Das klingt auch sehr verheißungsvoll, wenn pro Kind etwa 5000 Euro versprochen werden. Schon bald sah man eine deutlich höhere Bereitschaft, Kinder zu bekommen. Jetzt warten viele Mütter oder Familien auf die Grundzahlungen. Sie gehen genauso leer aus, wie die vielen Staatsangestellten im ländlichen Bereich. Ganz schlimm ist es für die Familien, die Kredite zu bedienen haben.

Wir sind hier auch eine wichtige Stütze für diese Menschen; wir sehen zu, dass sie ihr Brot bekommen und wenigstens das Nötigste haben. Fast täglich kommen Leute aus der Nachbarschaft oder dem Dorf selbst, bitten um Arbeit, um sich und die Familie über diese Zeit zu bringen. Die Männer sind oft auf Kurzarbeit bzw. nach Saisonende in der Landwirtschaft ohne Arbeit. Durch den guten Kontakt zur Schule, erhalten wir von dort auch Informationen, wenn es in einer Familie ganz brenzlig ist und ein schnelles Eingreifen erforderlich wird.

 Haus, Bäckerei und Hof

Seit etwa 10 Monaten läuft die Beantragung eines neuen Verkaufsplatzes für unseren Bäckerwagen in der Stadt. Der alte Stellplatz am Stadteingang wurde uns gekündigt. Jetzt haben wir Hoffnung, bis Jahresende den neuen Platz in Nutzung nehmen zu können. Der Weg dorthin war gepflastert von endlos scheinender Bürokratie. Dann wird die Bäckereimannschaft sich wieder etwas umstellen müssen. Eigentlich warten sie darauf, dass die Menge der Backwaren und damit die Arbeitsstunden wieder steigen.

Im Stall haben wir nun die ersten künstlich besamten Kühe, die selbst ein Kälbchen geboren haben und Milch geben. Der Unterschied in der Milchleistung ist doch erheblich. Das macht pro Kuh am Tag etwa 10 l aus. Das verschafft uns wieder mehr Freiheit alle anstehenden Wünsche an Milch, Butter und Quark und natürlich auch den Eigenbedarf besser abzudecken.

die trockenen Felder des Nehemia Freundeskreis

Am 2.August hat es das letzte Mal geregnet. Zum Teil liegt der ausgebrachte Samen von Weizen und Gerste noch so in der Erde, wie er aus der Drillmaschine gefallen ist. Wir sind gespannt, wie das weiter geht.

Zu allem Verdruss hatten wir im Herbst noch einen Motorschaden am Mähdrescher. Der konnte zwar relativ schnell behoben werden, hat aber unsere ganze Haushaltsplanung sehr durcheinander gebracht. Der Schaden entstand durch eine Kombination von schlechtem Diesel und Unwissenheit, somit zu 50 % in eigener Schuld. Das ist schmerzliches Lehrgeld!

Für den Hof haben wir einen jungen Mann eingestellt. Wir wollen ihm eine Chance geben. Er kann jedoch gar nichts und muss daher zu allem angeleitet und ständig kontrolliert werden. Das ist für mich persönlich eine große Herausforderung.

Die Küchenfrauen haben tüchtig zu tun, das Tagespensum zu schaffen. Die Zuarbeiten für die Bäckerei und die Herstellung von Butter, Käse und Quark fordern sie sehr.

Haus- und Hof-Arbeiten: Butter machen

 Jahreshauptversammlung

Herzliche Einladung zu unserer Jahres-hauptversammlung 2012 am 18.03.2012 um 14 Uhr in Elsterberg, im Gemeindesaal der Ev.-luth. Kirchgemeinde, Markt 19.
Außer dem Rechenschafts- und Finanzbericht stehen auch wieder die Vorstandswahlen auf der Tagesordnung.
Bitte merkt es jetzt schon vor, da keine gesonderte Einladung erfolgt.

Wir sind wohl hier weit und breit die Einzigen, wo ein Adventsstern strahlt. Wir wissen aber, dass Jesus, das Licht der Welt, für alle gekommen ist. Mit dieser Zuversicht wollen wir in das neue Jahr gehen!

Adventsstern in der Ukraine

Mit den besten Wünschen für das Jahr 2012 und einer weiterhin guten Zusammenarbeit grüßen Euch aus der Ukraine

Achim, Gabi und Helena


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