Protopopowka, April
2009
Liebe Vereinsfreunde!
Unser Vereinstreffen in Elsterberg ist schon über einen
Monat her, und bei uns geht die etwas ruhigere Zeit zu Ende.
Richtig ruhig ist es aber nie, immer ist etwas los und es
gibt neue Herausforderungen für uns.
Am Tag mit unseren Leuten vor Ort und den vielen Fragen,
die jeden Tag zu entscheiden sind; in der Nacht die Bäcker,
die uns ab und zu auch brauchen. So wie vor vier Wochen,
als der Gasbrenner am Backofen ausfiel und eine Reparatur
nötig wurde. Die brachte keinen Erfolg und wir mussten auf
Dieselkraftstoff umstellen.
So sind wir irgendwie immer in den Startlöchern - um so
mehr genießen wir die wenigen Tage bei unseren Freunden
oder unserer Familie in Deutschland. Es ist in der Nacht
sehr entspannend, wenn nicht ständig ein Ohr auf das Telefonklingeln
gerichtet ist.
| Neue Probleme
suchen neue Antworten |
Auch in der Ukraine macht sich die allgemeine
Weltwirtschaftslage bemerkbar. Diese äußert sich manchmal
sogar positiv, aber es gibt auch viele negative Entwicklungen.
Die ganz armen Menschen, die meistens auf den Dörfern leben
und nun schon lange auf ihre Rente warten, leben relativ
ruhig und sicher weiter. Die Miete ist gering, geheizt wird
mit (oft nassem) Holz, der Brotpreis ist noch staatlich
festgeschrieben. Alles andere ist konserviert oder eingekellert.
In der Stadt sieht es ganz anders aus! Hohe Mieten, Gas,
Strom und Wasser werden zu Luxusartikeln mit Preis-steigerungen
bis zu 400%! Eine Menge Lebensmittel haben das Preisniveau
von Westeuropa erreicht. Viele Firmen haben aufgegeben und
die meisten Fabriken wurden geschlossen. So wächst in dem
Volk ein neues Verständnis für Arbeit, Arbeitsmoral und
welche Priorität ein Arbeitsplatz hat.
Übrigens hat die ukrainische Regierung sich (und allen Beamten
im höheren Dienst) die Gehälter um 50% gekürzt. Dies ist
ein Signal, das die Ernsthaftigkeit der wirtschaftlichen
Probleme des Landes unterstreicht.
| Segen erleben
und weiter geben |
Als Verein erleben wir, ungeachtet der
allgemeinen Situation im Lande, absoluten Segen. Wie schon
zu unserer Jahreshauptversammlung berichtet, sehen wir oft
wie Gott Wunder tut. Manchmal dachten wir, dass wir am Ende
sind! Gerade dann erlebten wir, wie es dennoch weiter geht
und Fluch und Tränen zu Segen und Freude wurden. Dank privater
Initiativen, Spendenzusagen und Sponsoring ist ein Mähdrescher
in greifbare Nähe gerückt.
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Wir konnten unseren Bestand an Landtechnik
weiter ausbauen und sehen voller Optimismus und Dankbarkeit
in die Zukunft. Ohne dem Schockerlebnis durch Feuer und
Flut im August letzten Jahres wäre es nie so weit gekommen.
So sehen wir wieder einmal mehr, dass denen, die Gott lieben,
alle Dinge zum Besten dienen müssen! Nun wissen wir aber
auch, dass nichts von alleine kommt und immer fleißige Arbeit
und hingebungsvoller Dienst dahinter stehen muss. Darum
haben wir auch nicht nachgelassen, das Werk voran zu bringen.
Im Dezember feierten wir ein Firmenfest mit einem Dankgottesdienst,
um allen bewusst zu machen, in welcher Gnade wir leben.
Durch unsere 20 bei uns angestellten Personen werden insgesamt
30 Erwachsene und 22 Kinder mit dem Nötigsten versorgt.
Wir können keine Traumgehälter bezahlen, aber dafür immer
pünktlich und in voller Höhe.
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Wir selbst stehen wie Vater und Mutter
für unsere Leute und Nachbarn mit Rat und Tat bereit, Hilfe
zu leisten. Da sind wir dankbar, dass in den schweren Zeiten
uns nur zwei Personen verlassen haben, alle anderen entschieden
sich, mit uns weiter zu gehen. Es fällt uns immer wieder
sehr schwer, Menschen ziehen zu lassen, in die wir so viel
Zeit, Kraft, Liebe und auch Geld investiert haben. Dagegen
freut es uns, wenn wir Frucht in den Menschen sehen.
Da ist Ira, sie ist schon vier Jahre bei uns und übernimmt
Verantwortung im Stall, lernt Frauen an und schreibt die
Dokumentation für Kühe und Schweine. Der Tierarzt lobt sie
und ihre Stallführung und er kommt mit seinen Studenten
zu Lehrstunden zu uns. Ira ist jetzt eine Säule für uns
und unsere Firma.
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Aber wie steinig war der Anfang! Sie kam
aus einer baufälligen Kate, die Eltern hatten ihr und ihrem
Mann nur Schulden hinterlassen und sie wollte deshalb etwas
arbeiten. Viel Geduld, liebe und ernste Worte und immer
ein klares Geländer haben Ira einen Riesenschritt weitergebracht.
Jetzt begreift sie schon das Prinzip von Saat und Ernte.
Nur was gesät ist, können wir ernten. Mittlerweile sehen
wir Segen in ihrem Leben, in ihrer Ehe und Familie.
| Neue Methoden
werden angenommen |
In den Winterwochen renovierten wir Gäste-
und Mitarbeiterhaus, denn beide Häuser hatten es sehr nötig.
Diese Arbeiten haben wir gleich mit einer Schulung für unsere
Leute verbunden. Schnell und begeistert wurde der Umgang
mit Gipskarton und Raufasertapete, Farbroller und Tapeziertisch
aufgenommen. Im wöchentlichen Deutschunterricht konnten
dann die neu erworbenen Vokabeln gefestigt werden. Für uns
ist es sehr wichtig, die einheimische Sprache immer besser
kennen zu lernen, und auf der anderen Seite auch unsere
Muttersprache weiter zu geben.
Im Kindergarten in Protopopowka arbeiten wir an der Fertigstellung
der Wasser-Leitungen. Die WC- und Waschräume werden bald
fertig gestellt sein. Das wird nicht nur für die Kinder
ein neuer Abschnitt, auch für das Personal wird vieles leichter
werden. Dank einer privaten Initiative aus Deutschland konnten
auch die passenden Kinder-WC- Brillen organisiert werden.
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Wir danken herzlich für alle Unterstützung
bei diesem Projekt.
Die Schule im Dorf freut sich schon auf den nächsten Schulanfang.
Unsere Helena ist bereits dort angemeldet und wird ab ersten
September ein Schulkind sein. Die Direktorin hat schon durchblicken
lassen, dass auch in der Schule einiges gerichtet werden
müsste...
Die Bäckerei arbeitet zuverlässig und wir sind froh, dass
wir trotz der staatlichen Preisbindungen diese 9 Arbeitsplätze
halten können. Finanziell halten wir uns hauptsächlich durch
die Landwirtschaft im positiven Bereich. Wir sind da sehr
auf dieses Jahr gespannt. Auf Grund der guten Nachfrage
und der wirtschaftlichen Situation wollen wir noch etwas
mehr Kartoffeln anbauen. Für das Ausbringen und die Ernte
sind die Belastbarkeit für Mensch und Pferd bei 2 Hektar
jedoch die Grenze des Möglichen.
| Die Situation
bei unseren Freunden |
Im Rehabilitationszentrum "Arche" sind
im Moment viele Personen. Das sind die so genannten Winterrehabilitanden
- eben Menschen, die in den kalten Wochen ein Zentrum suchen,
um nicht irgendwo erfrieren zu müssen. Auch diese Leute
haben eine Gelegenheit verdient, einen neuen Anfang zu machen
und so mancher schafft es auch.
Dem Kinderheim "Neues Leben" in Alexandria geht es nicht
so gut. Auf der einen Seite bleibt mehr und mehr die Unterstützung
aus Amerika weg. Zum anderen liegt dem ukrainischen Staat
viel daran, Kinder privat unterzubringen und kann sich so
mit Förderung und Unterstützung zurückhalten. Umso wichtiger
sind für die Leiterin Marina und ihre Mitarbeiter das tägliche
Brot und die Milchprodukte, die sie von uns erhalten.
| Neues jüdisches
Zentrum Alexandria |
Am 30.Dezember letzten Jahres erlebten
wir einen besonderen Tag. Sascha, der Leiter der jüdischen
Gemeinde in Alexandria lud uns zur Einweihung des neuen
jüdischen Gemeindezentrums ein. Wir waren sehr überrascht!
Im Zentrum der Stadt neben dem jüdischen Denkmal für die
Opfer des Hitlerregimes bekamen sie ein großes Haus gesponsert.
Die obere Etage wurde schon renoviert, wo wir uns in einem
hellen geräumigen Saal zur Einweihung trafen.
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Die Atmosphäre, das Leuchten ihrer Augen,
die Dankbarkeit und die Hoffnung für sich ließen uns diesen
Tag unvergesslich werden. Nicht nur im Äußeren war ein großer
Schritt getan, auch in den Herzen der Menschen war viel
geschehen. Wir haben großen Respekt für Sascha und alle
anderen Mitglieder, die solch einen Weg gingen, und sind
dankbar, dass wir uns Freunde nennen dürfen. Übrigens wird
dort auch die hebräische Sprache gelehrt um die Thora zu
lesen.
An eine einheimische christliche Gemeinde haben wir zurzeit
keinen verbindlichen Anschluss. Wir beten, arbeiten und
leben hier mit unseren Leuten - das ist unsere kleine Gemeinde
und zugleich auch das erste Missionsfeld. Wenn es die Übertragungsqualität
zulässt, nehmen wir Sonntags über das Internet an einem
Gottesdienst teil. Ab und an müssen wir wegen vollkommen
überlasteten Leitungen auf Predigtkassetten ausweichen.
Für alle unsere Freunde, die sich für dieses
Jahr einen Ukrainebesuch vorgenommen haben und noch keinen
Termin ausgemacht haben, wird es langsam Zeit.
Die Monate Mai, Juni und September sind bereits belegt.
Wir sind gerne bereit noch Gäste hier aufzunehmen, bitten
aber unbedingt um konkrete Absprache mit uns.
Telefon: 0038 05235 71669
oder per
E-Mail: mission02@vrata.net
Wir danken allen ganz herzlich für jegliche Unterstützung,
Gebete, Gaben oder andere Zeichen Eurer Anteilnahme. Es
tut uns immer wieder gut zu spüren, dass Freunde mit uns
diesen Weg gehen. Herzliche Grüße aus der Ukraine
Achim, Gabi und Helena
Wenn Sie uns finanziell unterstützen
möchten:
Nehemia Freundeskreis e.V.
Bayrische Hypo-Vereinsbank AG
Zwickau
Konto 3990 120 500
BLZ 870 200 88
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