Mehltheuer, den 26.07.2007
Liebe Vereinsfreunde!
Viele von Euch werden schon im Urlaub
sein! Vielleicht erreicht Euch unser Brief mit den neuesten
Entwicklungen noch vor der Abreise und ihr habt ein wenig
Zeit, an unserem Leben und Dienen teilzuhaben.
Wie im letzten Brief bereits angekündigt, wurde im Frühjahr
wieder einmal ein Hilfsgütertransport durchgeführt. Wichtige
landwirtschaftliche Geräte sowie Textilien und Schuhe wurden
durch einen ukrainischen LKW transportiert.
Bei der Entzollung gab es keine Probleme. In wenigen Stunden
war das Fahrzeug abgeladen und konnte weiterfahren. Wir bedanken
uns hier noch einmal ganz herzlich bei der Familie, welche
den Transport ermöglicht hat und uns durch ihre großzügigen
Spenden tatkräftig unterstützt.
Die Situation in der Ukraine hat sich zugespitzt. Lange Trockenheit
und Unwetter im Juni brachten enorme Ernteausfälle. In unserer
Region liegen die Verluste bei der Ernte um die 80 Prozent.
Dies führt zu einer Teuerung bei den Lebensmitteln, vor allem
Mehl, Zucker, Öl, aber auch Mohn, Hefe und viele andere Zutaten
für die Bäckerei sind um 100 bis 300 Prozent teurer geworden.
Nachdem im Herbst letzten Jahres schon Gas und Strom eine
100%-ige Preiserhöhung hatten, trifft dies nun die Menschen
besonders hart. Da hat der Staat eine einfache Lösung! - Staatliche
Preiskontrolle - !!
Dieses Komitee schreibt die möglichen Preise für Grundnahrungsmittel
fest. Das Volk soll so beruhigt werden. Folglich backen die
meisten Bäckereien ein qualitativ schlechtes Brot.
"Iß es gleich, oder wirf es weg, die Säue fressen es nicht"
- ist zu einem geflügelten Wort geworden! Diese Situation
betrifft uns nun auch, wir wollen aber weder an der Qualität
sparen noch die Bäckerei schließen und so zehn Leute um ihren
Arbeitsplatz bringen.
Mit den Hilfen aus Deutschland können wir im Moment noch diese
Arbeit weiter tragen. Es wäre daher sehr gut, wenn die Unterstützung
von Euch weiter geht und auf viele Schultern verteilt wird.
Es ist Euch allen herzlich anbefohlen!
Im Mai hatten wir schon bei den Schweinen mit Notschlachtungen
begonnen, weil einfach kein Futter mehr da war.
Politisch stehen wir nach wie vor am selben Platz. Dafür erleben
wir immer wieder mit den Menschen neue Situationen und wir
sind gespannt, was geschieht. Oft erfahren wir Gottes Handeln
an den Menschen in einer Weise, die wir nicht erwartet hätten.
Es ist gut zu sehen, dass Gott mit jedem zurecht kommt und
für jeden einzelnen einen speziellen Plan hat.
Neben unseren 20 Mitarbeitern haben wir Anfragen aus dem Kinderheim,
um Kindern, die das 18. Lebensjahr vollenden, Familie, Wohnung
und Arbeit zu geben. Wir starten dann eine zweiwöchige Testphase
mit ihnen. Nach dieser Zeit können die Kinder und auch wir
entscheiden, ob wir gemeinsam einen Weg gehen wollen. Dabei
beobachteten wir, dass vor allem die Jungs sich sehr schwer
tun, wenn der Alltag beginnt. Die Kinder werden in den Heimen
nicht gut auf ein selbständiges und eigenverantwortliches
Leben vorbereitet. Wir wollen deshalb auch mit den verschiedenen
Heimleitern in Kontakt bleiben, um diesen Mangel abzustellen.
Zurzeit haben wir ein junges Mädchen bei uns, für die wir
nun Familie sind und die hier in jedem Arbeitsbereich ihre
Erfahrungen macht. Ein Junge, der zur gleichen Zeit die Testphase
mitgemacht hat, möchte lieber Profifußballer werden und sucht
nach einem entsprechenden Verein.
Durch Spenden aus Deutschland konnten wir in der vergangenen
Zeit auch wieder verschiedene medizinische Behandlungen finanzieren
bzw. teilfinanzieren. Da stehen neben dringenden Operationen
auch immer wieder Zahnsanierungen an erster Stelle.
Eine junge Frau kam zu uns und bat um Geld. Auf die Frage
wofür, erklärte sie uns, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch
machen wolle. Die privaten Gründe waren einleuchtend und doch
für uns nicht akzeptabel. Wir haben ihr Arbeit gegeben und
die Zusage, ihr weiter zu helfen, wenn sie das Kind auf die
Welt bringt. Nun ist sie schon einige Monate bei uns und ihr
Leben beginnt sich zu verändern. Sie freut sich auf ihr Baby,
von dem der Vater aber nichts wissen will. Ihr Gehalt deponiert
sie gerne bei uns, denn zu Hause sind so viele, dass oft ihr
Geld einfach weg ist. An manchem Abend sitzt sie in unserer
Küche, weil sie nicht nach Hause möchte. Wir sind gefordert,
auf die einzelnen Menschen speziell einzugehen und mit ihnen
die Probleme des Lebens zu bewältigen. Da wird es nicht langweilig
bei uns! Wenn ein wenig Zeit ist, arbeiten wir auch an unseren
Gebäuden weiter, da gibt es noch viel zu tun. Schritt um Schritt kommen wir
vorwärts.
Zum Schluss wünschen wir Euch noch allen einen schönen und
erholsamen Urlaub, sofern er nicht schon vorbei ist, und ihr
schon wieder in der Arbeit steht.
Vergesst uns in der Ukraine nicht! Die Gewissheit, viele Freunde
und Beter in der Heimat zu wissen, gibt uns immer wieder Mut
und Freude, vorwärts zugehen!
Mit lieben Grüßen,
Achim, Gabi und Helena
Wenn Sie uns finanziell unterstützen
möchten:
Nehemia Freundeskreis e.V.
Bayrische Hypo-Vereinsbank AG
Zwickau
Konto 3990 120 500
BLZ 870 200 88