Ellefeld, den 02.12.2005
Liebe Vereinsfreunde!
Es ist schon einige Monate her, dass
Ihr unseren letzten Brief erhalten habt. Nun ist es wieder
an der Zeit, all das auf das Papier zu bringen, was in den
letzten Wochen so bei uns geschah. Etliche unserer Freunde
haben erfolglos versucht, uns hier in der Ukraine zu erreichen
und vielen bin ich eine Antwort schuldig geblieben. Da war
am Anfang der Absturz unseres Computers, wodurch u.a. auch
alle Adressen unserer Vereinsfreunde verloren gegangen sind.
Bald darauf folgte eine seltsame Ruhe, das Telefon war tot.
Nach etwa zwei Wochen erfolgloser Versuche eine Reparatur
in die Wege zu leiten, entschloss ich mich direkt beim Postdirektor
vorzusprechen. Dort erhielt ich dann die Auskunft, dass
alles in Ordnung sei, nur die Wahlverfahren sind umgestellt
worden - und wirklich, nach dem Umstellen des Wahlverfahrens
konnten wir wieder telefonieren. Dennoch hielt die Ruhe
an, keine Anrufe es war seltsam. Bei einem Anruf in Deutschland
stellte unsere Tochter fest, dass wir eine neue Nummer hatten.
Bei einer Nachfrage bei der Post mussten wir schwere Überzeugungsarbeit
leisten, bis die Post uns endlich eingestand: Ja Sie haben
eine neue Telefonnummer! 0038 für
die Ukraine, 05235 für Alexandria
und 71669 ist unsere neue Telefonnummer.
Auch die Internetadresse hat sich geändert: mission02@vrata.net
ist die neue E-Mailadresse. Da mir die meisten
E-Mailadressen verlorengegangen sind, bitte ich alle, mit
denen der Kontakt abgebrochen ist, mir einen kurzen Gruß
auf die neue Adresse zu schicken.
Aber auch ohne diese Überraschungen
war es in Protopopowka nicht langweilig. Vom Frühjahr
bis in den späten Herbst arbeiteten wir an dem neuen
Stall. Anfang November konnten endlich die Tiere einziehen.
Es gibt da noch viel zu tun, aber für den Winter ist
die Unterbringung der Tiere gesichert.
Mit dem Projekt der Schulküche
beschäftigten wir uns weiter. Seit dem 1.September
erfolgt die Schulspeisung der Klassen 1 bis 4 auf Kosten
des Staates. Leider warten wir im Moment immer noch auf
die Bezahlung der von uns vorgestreckten Gelder. Dieses
neue Gesetz macht uns viel Kummer. Es ist zwar gut gemeint,
wenn aber kein Geld zur Verfügung steht, ist das alles
nichts wert. Selbstverständlich sind auch sofort Normen
für das Essen erstellt worden, auf denen auch dann
weiter bestanden wird, wenn das Geld von den Behörden
ausbleibt. Wir versuchen das Beste für die Kinder daraus
zu machen. Nebenbei geht die Instandsetzung der Schulküche
weiter. Wir haben eine große Dunstabzugshaube montiert,
den Speisesaal renoviert und auch ein Kühlschrank konnte
angeschafft werden. Die elektrischen Anlagen werden von
einer ukrainischen Firma neu verlegt. Das hat den Vorteil,
dass damit alle einheimischen Gesetze befolgt werden. Im
Moment wird die Heizung provisorisch instand gesetzt und
wir hoffen, dass nächste Woche die Schulküche
beheizbar ist. Nun bleibt für den Frühling Wasser
und Abwasser wie auch der Trockenbau und die Neugestaltung
des Küchenbereiches.
Im Dorfkindergarten konnten wir die
gespendete Wasserpumpe in den Brunnen einbauen. Aus 28 Meter
Tiefe fließt das Wasser direkt in den Kindergarten.
Pünktlich zum 1. September wurde alles fertig gestellt.
Bei all diesen Arbeiten erhielten wir Unterstützung
von unseren Freunden aus dem Rehabilitationszentrum in Aleksandria.
Wiederum konnten wir auch im Reha-Zentrum
beim Umbau des Speiseraumes helfen. Der Verein konnte eine
Gastherme und auch einen Durchlauferhitzer für die
kleine Außenstelle des Zentrums am Stadtrand bereitstellen.
Aus unserer eignen Ernte und Produktion erhielt das Zentrum
Kartoffeln, Butter, Milch und Quark. Wir sind sehr dankbar,
dass wir schon in der Lage sind, hier kräftig zu helfen.
Gerade im Rehazentrum und in dem Kinderheim ist diese Hilfe
sehr willkommen.
Auch das Krankenhaus erfreut sich
weiter der täglichen, kostenlosen Brotlieferung. Bei
unseren Besuchen in den verschiedenen Einrichtungen erkennen
wir vor allem im Rehazentrum und im Kinderheim eine kontinuierliche
Verbesserung der Lebensumstände für die Bewohner
und auch für das Personal. Gegensätzlich dazu
ist die Situation im Krankenhaus, wo nur von der Reserve
gelebt wird. Da gilt noch: wer arm ist, muss eher sterben!
Sicher ist es für Euch alle
auch sehr interessant, was sich politisch so in der Ukraine
tut. Wir warten und beten noch immer für den politischen
und den wirtschaftlichen Durchbruch. Es gibt so ziemlich
alles zu kaufen. Was nicht vorrätig ist, kann bestellt
werden und kommt in 3 bis 4 Wochen. Aber viele Menschen
müssen mit ihrem Geld sehr rechnen. Der Staat hat alle
Löhne und Renten erhöht, doch die wenigsten Betriebe
können diese Löhne auch auszahlen. In den letzten
Wochen hat auch die Korruption bei der Polizei wieder zugenommen.
Ende August waren das erste Mal zwei
Familien bei uns zum Urlaub, eine Sache, die wir auch im
nächsten Jahr wieder anbieten.
Seit dem Herbst haben wir zwei Männer
nach Ablauf ihrer Rehabilitation aufgenommen. Beide wohnen
mit im Haus, einer arbeitet in der Bäckerei und der
andere im Stall, beim Bau und bei allem was noch so anfällt.
Wir haben auf dem Herzen, den Menschen so einen guten Einstieg
in das Leben zu ermöglichen, dabei sind wir ihnen Eltern
und Heimat. Wir sind derzeit mit der Leitung vom Reha-Zentrum
im Gespräch, noch weitere Personen aufzunehmen. Ebenfalls
denken wir darüber nach, Jugendliche, die aus dem Kinderheim
entlassen werden, bei uns mit aufzunehmen, um so zu verhindern,
dass sie erst zu Suchtkranken werden. Platz ist noch im
Haus, doch alle wollen auch Arbeit haben, müssen angeleitet
und geschult werden. Im Moment sind wir hier an unsere Grenzen
gestoßen. Wir fragen Gott nach dem richtigen Weg und
seinen Plan für dieses Objekt hier.
Ende September waren unsere Pastoren
von der Stiftung bei uns zu Gast. Anfang Oktober waren wir
in Deutschland zur Hochzeit unserer großen Tochter.
In dieser Zeit übernahm Christian Wittig mit seiner
Frau hier die Verantwortung. In diesen Tagen kam auch noch
einmal ein Hilfsgütertransport aus Deutschland. Die
Ladung war viele Wochen unter Zollverschluss und konnte
erst letzte Woche abgeholt werden. Neben Textilien und Verbandstoffen
waren auch wieder landwirtschaftliche Geräte und Maschinen
dabei.
Ende Oktober kam die letzte planmäßige
Gruppe zu uns, zwei Wochen später noch einmal eine
kleine Nachzüglergruppe, die beim Ausbau des neuen
Verkaufstandes in der Stadt tätig war. Unser Landwirt
Christian Matthes aus Deutschland hat lange ausgehalten,
Mitte November ist er dann aber doch nach Hause gefahren.
Wir sind ihm und seiner Familie besonders dankbar für
allen Einsatz und für alle Unterstützung.
Wir planen Reisen in die Ukraine
vom 07.04.06 bis 17.04.06 und 29.09.06
bis 07.10.06.
Weitere Termine können auch
noch kurzfristig festgelegt werden. Die Anmeldungen für
die Gruppenreisen bitte direkt an uns, am besten über
E-Mail.
Außerdem laden wir herzlich
zur Vereinshauptversammlung ein. Wir treffen uns am 12.03.06
um 15.00 Uhr in Elsterberg im
Gemeindesaal der Ev. Luth. Kirche,
Markt 19!
Wir wünschen allen eine gesegnete
Advents und Weihnachtszeit und bedanken uns gleichzeitig
für die tatkräftige Mithilfe vor Ort, sowie für
allen Einsatz in Deutschland! Danke für jedes Gebet
und auch für jeden gespendeten Euro, wodurch die Arbeit
in der Ukraine erst möglich ist! Danke für jedes
werbende Wort bei Freunden und Bekannten! Danke an alle,
die auch in diesem Jahr wieder mit dem Herzen dabei waren!
Mit lieben Grüßen aus
der Ukraine
Achim und Gabriele Döbrich