Protopopowka, den 08.12.2007
Liebe Vereinsfreunde!
Das Jahr geht zu Ende und das ist
immer ein Anlass, Bilanz zu ziehen.
Wir haben viel Grund zur Dankbarkeit! Wir danken Gott unserem
Vater für alle Hilfe und Segen, aber auch Euch in der Heimat
für alle Unterstützung.
Am Ende dieses Jahres können wir nur staunen, was Gott hier
getan hat, welche Wunder wir erlebt haben und wie wir immer
wieder Seine Versorgung erleben. Nach Missernte, Trockenheit
und Teuerung durften wir erfahren, dass Gott zu Seinem Wort
und zu uns steht. Sicher nicht immer so, wie wir uns das
dachten, aber in großer Treue und Barmherzigkeit.
Wir erleben, dass unsere Hausgemeinde wächst, dass Aufrichtigkeit,
Treue und auch Fleiß tiefer in den Menschen wurzelt und
Früchte bringt, aber auch wie Sucht gebrochen wird und Freiheit
wächst. Wir freuen uns über jedes neue Leben bei den geistlich
neugeborenen Erwachsenen, aber auch über die neugeborenen
Babys! Die Frau, von der wir im letzten Brief berichteten,
hat nun ihr Kind bekommen und ist glücklich. Wir unterstützen
sie in allen Bereichen. So war es für sie ein Wunder, in
einer richtigen Geburtsklinik ihr Kind zur Welt zu bringen.
Es fängt vieles neu an. Selbst bei den ganz schwierigen
Themen, wie gesunde Ernährung und gesunde Lebensführung,
bekommen wir offene Ohren und Herzen entgegengebracht. Gott
geht mit uns, oft geht er auch schon mal voraus, und wir
müssen einfach folgen. Da kommen wir schnell an einen Ort,
wo wir eigentlich nicht hin wollten. So manche alte Kate
oder Hütte liegt da auf dem Weg: Viele Menschen, die wir
uns nicht freiwillig auswählen würden.
Auch in der praktischen Arbeit ging es wieder gut voran.
Wir erlebten - trotz der Trockenheit - doch noch eine gute
Kartoffelernte und konnten so auch wieder zwei Kinderheime
und das Rehazentrum in Alexandria mit Kartoffeln beliefern.
Auch alle unsere Mitarbeiter konnten sich Kartoffeln einkellern.
Das ist für die Menschen eine große Hilfe, Kartoffeln sind
hier das Hauptnahrungsmittel. Alle Felder sind mit der Wintersaat
bestellt bzw. für die Frühjahrsaussaat vorbereitet. Die
Bäckerei arbeitet zuverlässig. Bald werden es 50.000 Brote
sein, die wir hier im Verlauf der letzten Jahre an verschiedene
Einrichtungen spenden konnten.
Allen Spendern vielen Dank!
Oft gehen unsere Gedanken zurück in die Zeit des Aufbaus
hier in Protopopowka. Wir denken an die vielen Fragen und
Probleme, die es in der ganzen Zeit gab, an die Ungewissheit,
ob sich denn alles lohnen würde?! Es hat sich gelohnt! Es
geht langsam, aber stetig voran.
Es ist für uns ein großer Erfolg, dass wir jetzt von hier
auch einmal zusammen wegfahren können. Zweimal war
es uns in diesem Jahr möglich, als Familie nach Deutschland
zu fahren. In dieser Zeit haben hier unsere Ukrainer die
Verantwortung übernommen, und es hat gut funktioniert. Es
gab keine größeren Probleme, weder bei der Technik noch
zwischenmenschlich! Auch die Tatsache, dass in der Zeit
unserer Abwesenheit nichts gestohlen wurde, macht uns sehr
froh. Wir sehen auch in diesen ganz einfachen und praktischen
Dingen, dass es vorwärts geht und eine gute Entwicklung
zu verzeichnen ist.
Wir danken Christian Matthes und seiner Familie nochmals
für ihren hingebungsvollen Dienst beim Aufbau der Landwirtschaft.
Seit den Sommermonaten mussten wir ja ohne ihn auskommen.
Das war vor allem für mich eine große Herausforderung. Viele
Stunden auf dem Traktor kamen auf mich zu. Die Arbeit mit
den Pferden war ebenfalls Neuland. Wenn wir nicht weiter
wussten, stand ich mit dem Telefon auf dem Hof und wir konnten
die wichtigsten Dinge abklären. Dennoch verbleibt bei der
Arbeit mit den Bullen und Pferden - trotz beginnender Routine
- immer noch etwas Adrenalin im Blut und ich denke, das
ist auch gut so.
Unsere Baupläne sind leider dieses Jahr vernachlässigt worden.
Weder die Stallküche, noch die großen Garagen sind entstanden.
Auch das Dach auf dem Stall ist noch provisorisch. Es hat
einfach die Kraft, die Zeit und auch das nötige Geld gefehlt,
hier weiter zu gehen. Es wird aber ein neuer Frühling kommen,
und wir werden sehen, was sich alles bewerkstelligen lässt.
Gebäude sind ja nur der Rahmen, wichtig ist uns das Leben
darin, und zu gegebener Zeit wird Gott uns auch ermöglichen,
diesen Rahmen Stück um Stück weiter auszubauen.
Im Sommer waren auch wieder verschiedene Gäste aus Deutschland
bei uns zu Besuch. Mit einer kleinen Gruppe konnten wir
hier unsere Silberhochzeit feiern. Sicher ganz anders als
in Deutschland üblich, aber es waren sehr schöne Tage der
Gemeinschaft - bei Temperaturen bis zu 40 Grad. Unsere Helena
besucht im Ort den Kindergarten und spricht inzwischen fließend
ukrainisch. Wir sind froh, dass wir sie hier bei uns haben.
Wir stehen mitten in der Adventszeit. Advent, wie wir es
von zu Hause kennen, gibt es hier nicht. So haben wir viel
Freude daran, die Verkaufstellen, unser Haus und die Bäume
auf dem Grundstück weihnachtlich zu schmücken.
Wir schauen voraus auf das neue Jahr. Was wird es wohl bringen?
Wir beten für politische und wirtschaftliche Stabilität.
Es hat sich nach den Wahlen im September nichts Wesentliches
getan. Der Machtkampf innerhalb der Regierung hält weiter
an, und dringend nötige Reformen werden blockiert, aber
das kennen wir ja auch aus Deutschland.
Wir laden alle unsere Freunde und Vereinsmitglieder zu unserer
Jahreshauptversammlung nach Elsterberg ein. Wir treffen
uns dort am 30.03.2008 bereits um 14.00 Uhr im
Gemeindehaus der Ev. Lutherischen Kirche in Elsterberg,
Markt 19.
Nun danken wir allen, die - in welcher Weise auch immer
- treu zu diesem Dienst standen. Wir wünschen Euch von Herzen
eine gesegnete Adventzeit, fröhliche Weihnachten und ein
gutes neues Jahr 2008. Möge es ein Jahr werden, wo
wir noch mehr die Wunder und Führung Gottes sehen!
Mit lieben Grüßen aus der Ukraine!
Achim, Gabriele und Helena Döbrich