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Rundbrief - Juli 2005
Ellefeld,
den 08.07.05
Liebe
Vereinsfreunde
Wahrscheinlich sind die meisten von Euch in der Urlaubsvorbereitung,
oder gar schon wieder aus dem Urlaub zurück. Sicher findet
Ihr etwas Zeit, unseren neuen Brief zu lesen. Es hat sich
einiges verändert, gerade im politischem Bereich ist es in
der Ukraine sehr viel offener und auch lockerer geworden.
Auf den ganz großen Durchbruch und auf tiefgreifende Veränderungen
warten wir aber noch alle. Das Parlament tut sich schwer,
neue Dinge auf den Weg zu bringen, oder bei Abstimmungen die
erforderliche Mehrheit zu bekommen. Wir genießen die deutlich
zurückgegangenen Kontrollen auf der Straße und merken, dass
an so manchen Strecken die Schilder der Geschwindigkeitsbegrenzung
demontiert wurden, vor allem da, wo sie nur aufgestellt waren,
um gut abkassieren zu können.
Die Vereinsarbeit hat dies alles aber nicht wesentlich verändert.
Wir werden zur Zeit immer stärker um Hilfe aus unserem Dorf
angefragt, da der Braunkohlenschacht geschlossen hat und damit
ein wichtiger Steuerzahler für die Dorfkasse fehlt. Wir helfen
hier nach wie vor in der Schulküche, dem Kindergarten und
bei Notfällen. Der Verein sponsert 50 % der Kosten für die
Schulküche. Die Rekonstruktion der Küche gestaltet sich weit
aus schwieriger als gedacht. Das Hauptproblem bildet der Brunnen,
nach zwei Bohrungen haben wir nun etwas Wasser gefunden, aus
etwa 20 Meter Tiefe kommen in der Stunde etwa 50 l Wasser
zusammen. Das ist natürlich nicht ausreichend und ohne Wasserversorgung
ist die ganze Rekonstruktion ohne Sinn. Wir haben eine Firma
beauftragt, hier eine gute Lösung zu finden. Aber gute Lösungen
brauchen in der Ukraine fast immer viel Zeit.
Pastor Sascha aus der christlichen Gemeinde im Zentrum der
Stadt Alexandria brauchte für seine Arbeit in der Gemeinde
einen Bus. Er fand die "Reste" eines Busses, die dazu gehörenden
Fahrzeugpapiere waren vorhanden. Wir haben die Hälfte der
Anschaffungskosten getragen und mit Freunden aus dem Rehabilitationszentrum
und der Gemeinde wurde geschweißt, geschraubt, gepolstert
und geputzt. Die letzte Gruppe aus Deutschland, die bei uns
war, spendete noch eine neue Autobatterie. Jetzt wird der
Bus im Gemeindedienst und zu Gottesdiensten in den Dörfern
eingesetzt. Pastor Sascha steht mit seinem Evangelisationsteam
nun nicht mehr als Anhalter auf der Straße. Für ihn und die
Menschen ein Wunder, für uns ein Wunder, dass der Bus wieder
fährt!
Anfang Juni kam eine deutsche Gruppe, die eigentlich mit dem
Schulküchenumbau beginnen sollte. Wegen der oben beschriebenen
Probleme konnten aber die Arbeiten nicht beginnen. Es wurden
deshalb viele kleine Reparaturen hier im Objekt erledigt.
Neben unserer Straße auf einer inoffiziellen Fußballwiese
haben wir mit Erlaubnis des Dorfrates 2 Fußballtore aufgestellt.
Zur Einweihung wurde noch ein richtiger Lederball gesponsert.
Seit dem ist der Platz ein regelmäßiger Treffpunkt für die
Dorfjugend geworden. Wie viel Freude und Spaß doch 6 Eisenrohre
machen können!
Ebenfalls hat diese Gruppe Kinderheim, Kindergarten, Krankenhaus
und das Rehazentrum besucht. In das Kinderheim und in das
Rehazentrum wurden wieder Lebensmittel gebracht, die wir vorher
im Großhandel einkaufen konnten. Das Krankenhaus hat für weitere
drei Monate die kostenlose Versorgung mit Brot bekommen.
Schon bald darauf kamen die nächsten Gäste. Eine Gruppe von
"Kirche Unterwegs" Jocketa hatte sich in die Ukraine aufgemacht.
Auch hier konnte vielen Menschen geholfen werden.
Für das Krankenhaus wurden chirurgische Instrumente gekauft
und für den Dorfkindergarten eine Wassertauchpumpe finanziert.
Es fanden Treffen mit vielen alten Freunden und Bekannten
statt. Zusammen mit den Freunden des "Vereins Wiedergeburt"
feierten wir einen Gottesdienst. Wir besuchten gemeinsam die
ukrainisch - lutherische Gemeinde in Alexandria. Natürlich
statteten wir auch wieder dem Kinderheim in Alexandria einen
Besuch ab. Dort, wie auch im Rehabilitationszentrum, konnten
wir die positive Entwicklung und die Früchte der langjährigen
Unterstützung durch den Verein sehen. Viele Dinge haben sich
in den letzten Jahren gewandelt, dazu gehören nicht nur die
sanitären Einrichtungen, sondern gehört auch die ganze Atmosphäre,
unter denen die Kinder aufwachsen. Mit viel Hingabe schilderte
die Leiterin ihren täglichen Kampf um das Überleben des Kinderheimes.
Wir danken allen, die immer wieder mithelfen, dass dieser
Dienst getan werden kann. So ist es interessant, dass der
Verein durch die Bäckerei seit den letzten beiden Jahren über
10.000 Brote an verschiedene Einrichtungen spenden konnte
und weitere etwa 15000 Brote zum Herstellungspreis weiter
gegeben hat. Seit einer Woche haben wir begonnen auch Milch,
Quark und Butter an diese Einrichtungen zu liefern. Wir sind
sehr dankbar, dass uns Gott immer wieder die Kraft gibt, diese
Arbeit zu tun. Wir wissen, ohne Eure Gebete und Gaben wäre
der Dienst nicht möglich.
Wir in Protopopowka haben durch die lange Trockenzeit so manches
Stück Erde zwei oder drei Mal bestellt. In den nächsten Tagen
wird die Ernte beginnen, und wir sind dankbar für alle Früchte,
die hier gewachsen sind - auf den Feldern und bei den Menschen.
Für uns als Familie ist es besonders schön, seit drei Jahren
wieder einen eigenen Wohnraum zu haben. Wir sind vor etwa
3 Wochen in das neue Haus eingezogen, längst ist nicht alles
fertig, aber wir genießen es besonders. Ich dachte schon,
ich kann ohne die Geräusche aus der Backstube nicht mehr einschlafen.
Es ist wunderbar mal wieder so ruhig schlafen zu können. Für
die Gästeräume wird noch etwas Zeit gebraucht, aber auch da
geht es Schritt für Schritt voran.
Ich wünsche allen, die nun bald in den Urlaub aufbrechen,
eine gesegnete und behütete Zeit, damit Ihr wirkliche Erholung
erfahrt, und allen, die schon wieder zu Hause sind, viel Kraft
in der auch für Deutschland sehr interessanten und wichtigen
Zeit. Lasst uns alle wachsam sein und für unsere Länder vor
Gott in Fürbitte eintreten!
Mit lieben Grüßen aus der Ukraine!
Achim Döbrich mit Familie und Mitarbeiter
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