Ellefeld,
den 10.03.07
Liebe Vereinsfreunde,
Allen treuen Helfern und Spendern ein ganz herzliches Dankeschön.
Wir haben Grund zum Danken und freuen uns über die
Entwicklung der Arbeit hier in der Ukraine. Ausführlicher
werden wir am 15.04.07 zu unserer Jahreshauptversammlung,
15.00 Uhr in Elsterberg im Gemeindesaal der Ev. Luth. Kirche,
Markt 19 berichten. Alle Interessenten sind herzlich
eingeladen.
An diesem Tag wird auch wieder die Vorstandswahl stattfinden.
Wir freuen uns auf dieses Treffen mit Euch.
Mit diesem Rundbrief möchten wir vorab ein paar Informationen
über den Alltag hier in der Ukraine geben.
Die politische Situation ist schwierig. Alle Hoffnungen
der "Orangenen Revolution" sind verflogen, alte Missstände
wieder eingekehrt und die so wichtigen Reformen werden blockiert.
Die beiden starken Männer - Präsident Juschtschenko
und Ministerpräsident Janukowitsch - neutralisieren
sich gegenseitig. Da gibt es viel Platz für neue Intrigen,
immer neue Gesetze und Anweisungen, die es sehr schwer machen,
der ganzen Sache zu folgen. Dazu kommen die Preisexplosionen
bei Gas (300 %) und Strom (100%), sowie eine allgemeine
Teuerung. Viele Waren haben sich dem Trend angeschlossen.
Durch die Bemühungen sich der EU zu öffnen, sind
viele Firmen und Handelsketten in der Ukraine vertreten.
Nestle, Buderus, Henkel, Metro und McDonalds sind keine
Seltenheit mehr. Die Wirtschaft nimmt so langsam Fahrt auf,
auch wenn es den Eindruck macht, der Staat tut alles Mögliche,
um einen Aufschwung zu verhindern. Er begegnet den Nöten
der Menschen mit Erhöhung der Mindestlöhne und
Renten, doch diese werden nur von den wenigsten Firmen ausgezahlt.
Eine besondere Geschichte ist folgender Sachverhalt: Da
ist ein Freund von A. Janukowitsch. Er beschließt
ab Februar 2007 Chef aller Schulküchen im Land zu sein.
Jeder, der Schulküchen betreibt, muss erst einmal knapp
1000 Euro an den neuen Chef bezahlen. In Alexandria alleine
gibt es über 20 Schulküchen! Wir haben uns als
Betreiber und Sponsor der Schulküche in Protopopowka
geweigert, diese Zahlung zu leisten und sind somit vorläufig
aus dem Schulprogramm ausgeschieden. Ein neuer Betreiber
ist noch nicht gefunden worden und wir haben gehört,
dass manche Schulküche in der Region geschlossen hat.
Uns schmerzt es natürlich sehr, dass gerade auf Kosten
der Kinder jemand viel Geld kassieren will, ohne selbst
zu arbeiten.
So freuen wir uns gemeinsam mit jenen, denen wir in der
vergangenen Zeit helfen konnten.
Neben den 24.000 Broten, die in den letzten Jahren
unentgeltlich an verschiedene Einrichtungen abgegeben werden
konnten, wurden im letzten Jahr
8 Tonnen Kartoffeln, 500 kg Möhren, 900
Liter Milch, 120 kg Quark und
12 kg Butter aus eigener Produktion verschenkt.
Allen, die mit ihren Spenden dies ermöglicht haben,
ein ganz herzliches Dankeschön.
Auf eine Bitte des Chefarztes hin beliefern wir ab diesen
Monat noch eine weitere Station im Krankenhaus Alexandria
kostenlos mit Brot. Auf dieser Station werden vor allem
Krebspatienten behandelt.
Die Bäckerei hat alle Hände voll zu tun und an
manchem Morgen weiß unser Iwan nicht, wie er alles
Brot in den Transporter stapeln soll. Wir freuen uns über
eine stabile Bäckermannschaft, die mit Freude motiviert
an die Arbeit geht.
Auch hier auf dem Hof hat sich die Lage stabilisiert. In
Küche und Stall hat sich ein gutes Team gebildet. Für
uns ist immer wichtig, dass die Menschen für Neuerungen
offen und bereit sind, einen persönlichen Einsatz zu
leisten. Das freut uns auch immer wieder bei unseren gottesdienstlichen
Versammlungen.
Wir sehen, wie Menschen sich öffnen und mehr und mehr
bereit werden, ihr Leben zu verändern. Das geht oftmals
noch sehr zögerlich.
Uns ist es wichtig, dass alle Lebensentscheidungen aus freien
Stücken getroffen werden. Denn nur so kommen die Menschen
wirklich voran und lernen Christsein im Alltag zu leben,
und aus diesen Erfahrungen heraus neue Kraft und neuen Mut
zu schöpfen. Natürlich sehen wir auch, wie es
allen Mitarbeitern Schritt für Schritt wirtschaftlich
besser geht. Dazu bieten wir ihnen verschiedene Seminare
an.
In den nächsten Wochen werden wir über Finanzen
und Haushaltsplanung sprechen. Gerade in dieser Zeit ist
dies ein wichtiges Thema, da überall mit Krediten geworben
wird, und für unerfahrene Personen die Gefahr der schnellen
Verschuldung sehr groß ist.
In der vergangenen Woche hatten wir Gelegenheit, eine DVD
von einer Hochzeit in Amerika anzuschauen. Das Brautpaar
stammt aus Alexandria und ist in den letzten Jahren ausgewandert.
Zu unserer Überraschung sahen wir in der amerikanischen
Gemeinde viele ehemalige Pastoren sitzen, die wir von der
Hilfsgüterverteilung der vergangenen Jahre in Alexandria
und Umgebung kennen. Das hat uns schon sehr überrascht!
Zu dieser Gruppe wird nun auch bald Viktor Iwanowitsch aus
Swedlowodsk gehören. Er hat die Ausreise beantragt
und wartet nur noch auf die letzten Dokumente. Als Verfolgter
bekommt er in Amerika eine zweijährige Rentenzahlung.
Für uns ist dies immer wieder schwer zu verstehen,
denn vor zwei Jahren stand er noch auf der Wahlliste für
den Landtag in Kirowograd und nun ist er auf dem Sprung
in die USA!
In unserem Dorf haben wir weiterhin engen Kontakt mit dem
Bürgermeisteramt.
Die Zusammenarbeit ist jetzt noch leichter, seitdem Iwan
Abgeordneter im
Dorfrat ist.
Wir haben in den letzten Wochen ganz speziell 2 Menschen
helfen können.
Eine Person wurde als Fußgänger von einem Auto
erfasst und ein junges Mädchen erkrankte an einer schweren
Gehirnhautentzündung.
Die Behandlung wurde nach knapp zwei Wochen eingestellt,
da die Eltern kein Geld mehr hatten.
Da sind offene Krankenhausrechnungen und oft sind Medikamente
nötig, wo den Leuten das Geld fehlt. Neben aller materiellen
Unterstützung in solchen Fällen versuchen wir
persönliche Beziehungen aufzubauen, und ihre Nöte
im Gebet vor Gott zu bringen. Auch bei Zahnsanierungen unterstützen
wir immer wieder gerne, wenn auch hier die Einsicht in die
Notwendigkeit der Zahnpflege noch wachsen muss.
Für dieses Jahr planen wir wieder einmal einen Hilfsgütertransport
mit speziellen Hilfsgütern, die hier dringend benötigt
werden.
Wir erwarten auch gerne wieder Reisegruppen, wer Interesse
hat, melde sich bitte bei Stefan Renger oder Dieter
Werner. Mit den Reisezeiten sind wir auf die Ferienzeit
in Sachsen festgelegt, da wir immer einen Bus anmieten müssen.
Wir freuen uns über Gäste und Freunde.
Ziel der Reisen soll sein, die Arbeit hier in der Ukraine
besser kennen zulernen und zu verstehen und zu sehen, was
hier Not tut. Denn wir sind hier immer wieder auf Eure Hilfe
und Euer Gebet angewiesen.
Vielen Dank für Eure Treue und Liebe!
Mit ganz lieben Grüßen aus der Ukraine!
Achim und Gabriele Döbrich