Ellefeld,
den 14.11.06
Liebe Vereinsfreunde,
Man kann es nicht ignorieren, das Jahr geht schon wieder
seinem Ende entgegen und für uns ist es kaum zu fassen,
schon das vierte Jahr hier zu sein. Das Erntedankfest liegt
hinter uns und wir sind sehr dankbar für alle Ernte
die eingebracht werden konnte. Das betrifft die Felder wie
den Stall, aber auch die Menschen, mit denen wir hier arbeiten.
Je tiefer ich in das Verständnis der Landwirtschaft
eindringe, umso besser verstehe ich die biblischen Gleichnisse
und Gesetzmäßigkeiten der Bibel.
Bevor die Advents- und Weihnachtszeit beginnt, wollen wir
uns noch einmal mit den neusten Informationen aus der Ukraine
melden. Wir haben in den letzten Wochen viele wundersame
Dinge erlebt. Anfang Oktober erhielt unsere Arbeit eine
staatlich Auszeichnung durch den Landespräsidenten
des Oblastes (Regierungsbezirkes) Kirowograd. Zuvor hatten
wir eine sehr gründliche Kontrolle: Steueramt, Arbeitsamt,
Rentenstelle, Hygiene usw.. Maßstäbe für
die Auszeichnung waren neben korrekter Buchhaltung, Eigeninitiative,
humanitäre Arbeit, Hilfe zur Selbsthilfe und die Motivierung
der eigenen Bevölkerung. Es war das erste Mal, dass
eine ausländische Person oder ein Verein diese Auszeichnung
erhalten hat. Wir sind Gott dankbar, dass auch von staatlicher
Seite einmal die Arbeit hier honoriert wird, auch wenn kein
materieller Vorteil an der Auszeichnung hängt. Das
Ganze hatte uns sehr unvorbereitet getroffen, es war wirklich
eine überraschung!
Ebenso wundert uns, wie die Menschen hier immer wieder leben
und auch versuchen, ihren doch recht unterschiedlichen Lebensstandart
zu halten, was bei der derzeitigen Teuerung im Land doch
sehr schwer ist. So sind Kraftstoffe, Gas, und Strom um
etwa 100 % gestiegen. Auf der anderen Seite sehen wir Menschen
in ärmlichen Häusern leben, zum Teil ohne Fensterscheiben,
aber ein Handy ist vorhanden. Da wird eben die Reihenfolge
der wichtig anzuschaffenden Dinge etwas anders bewertet
als wir es uns so vorstellen.
Wir hatten im September 4 Kündigungen, von denen drei
Arbeiter schon wieder zurück sind. Auch das ist für
uns ein Stück Ernte. Sicher können wir nicht die
Gehälter zahlen, wie etliche Betriebe in der Stadt,
aber alle sind angemeldet und bekommen jeden Monat ihren
Lohn. Der derzeitige Anteil an schwarz angestellten Personen
in der Ukraine liegt bei 80%!!! Das ist eine Aussage unserer
Rentenstelle in Alexandria. Wer versteht da, dass die Miliz
lieber Erntefahrzeuge kontrolliert und Autofahrer abkassiert?
Politisch hat sich keine Veränderung eingestellt. Nach
einer monatelangen Regierungsbildung wurde der ehemalige
Präsidentschaftskandidat Janukowitsch, der als sehr
Russlandfreundlich gilt, zum Ministerpräsidenten gewählt.
Er und der ehemalige Führer der "Orangenen Revolution",
der jetzige Präsident Jutschenko, behindern sich gegenseitig,
und die dringenden Reformen werden blockiert.
Wir erleben immer wieder den Segen Gottes. So war die Ernte
auf dem Feld nach ukrainischen Verhältnissen gut, wenn
auch noch weit weg von dem, was eigentlich geerntet werden
könnte. Auch hier sehen wir den Raubbau über viele
Jahre hinweg, der zu verdorrten und verwahrlosten Böden
geführt hat und der erst Schritt für Schritt wieder
aufgebaut werden muss. Welch eine Parallele zu den Menschen!
Der Stall füllt sich immer weiter, aber noch lange
reicht die Milch nicht um alles abzudecken, obwohl wir auch
hier einen großen Schritt weiter gekommen sind. Kinderheim,
Schule, Krankenhaus und Rehazentrum freuen sich über
Butter, Milch, Quark, Kartoffeln, Möhren und natürlich
über Brot. Eine große Hilfe! 100kg Kartoffeln
kosten z.Z. 40 Euro! Wie schnell sind die gegessen - wenn
so viele kleine Münder am Tisch sitzen und Hunger haben.
Wir hatten dieses Jahr 0,75 Hektar Kartoffeln angebaut und
werden nächstes Jahr gut 3 ha brauchen!
Nach der Schulküchenrenovierung ging auch dort am 01.09.
der Küchenbetrieb wieder los. Wir haben personell umgestellt
und so eine erhebliche Verbesserung der Essensqualität
und der Ordnung erreicht. Auch in der Bäckerei hat
sich ein gutes Team formiert, es ist schon erstaunlich in
welch engem Zusammenhang Arbeitsklima und Produktqualität
stehen. Den erreichten Standart halten und auch immer wieder
neue Produkte einzuführen ist hier der Schwerpunkt.
In den letzten Wochen hatten wir Probleme mit unserer Nudelmaschine
und so haben wir erfahren wie oft nach diesen Produkten
gefragt wird.
Anfang November ist Christian Matthes wieder nach Hause
gefahren. Er war seit dem Frühling bei uns und hat
die landwirtschaftliche Arbeit geleitet. Wir danken ihm
und seiner ganzen Familie, die dies ja alles erst ermöglicht
hat, für alle Hilfe und Unterstützung. Wir glauben,
dass Gott seinem Wort entsprechend die Familie Matthes und
ihren landwirtschaftlichen Betrieb besonders segnet.
Seit einiger Zeit bieten wir einmal im Monat ein gemeinsames
Firmenfrühstück an. Die Gottesdienste variieren
wir zeitlich, um allen einmal die Möglichkeit zu geben,
zur Versammlung zu kommen. Ende Oktober kam nach langer
Pause Viktor Iwanowitsch aus Svedlovodsk nach Protopopowka.
Er bat um Kartoffeln und Möhren für sein Kinderheim,
die wir ihm gerne zur Verfügung stellten. All diese
Hilfe, wohin sie auch geht, darf nicht unterschätzt
werden. Oft kommt die Hilfe in der größten Not,
oder entlastet das zur Verfügung stehende Budget erheblich.
Darüber hinaus sind zur Zeit über 20 Arbeitsplätze
geschaffen worden. Was ein sicherer Arbeitsplatz bedeutet,
wissen wir ja in Deutschland selbst recht gut.
Im nächsten Jahr werden wir unsere Türen öffnen
für Menschen die hier lernen wollen. Wir werden Haushaltkurse,
landwirtschaftliche Kurse, natürlich auch Bäckerlehrgänge
usw. anbieten. Wir wollen damit das ganze Vervielfachen
und die Menschen so motivieren voran zu gehen. Wir sind
alle gespannt wie sich das entwickelt und wie dieser neue
Weg angenommen wird.
Unsere nächste Hauptversammlung mit der anstehenden
Vorstandswahl, wird dieses Mal im April 2007 stattfinden.
Den genauen Termin werden wir im ersten Rundbrief 2007 mitteilen.
Anmeldungen und Nachfragen für Gruppenfahrten sind
immer möglich, zeitlich nutzen wir aus organisatorischen
Gründen die jeweiligen Schulferien in Sachsen. Auch
private Reisen in die Ukraine sind möglich, bitte mit
Achim und Gabi Döbrich in Protopopowka Telefon:
0038 05235 71669 oder E-Mail: mission02@vrata.net
absprechen.
Wir danken unseren Freunden und Betern für alle Unterstützung
und Hilfe.
Gott segne Euch!
Wir wünschen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit
sowie ein gesundes Neues Jahr!
Mit lieben Grüßen aus der Ukraine,
Achim mit Gabi und das ganze Team
Für den NFK e.V. Achim Döbrich