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Rundbrief - September 2004






Ellefeld, den 01.09.04

Liebe E-mail Freunde!

Gestern Nachmittag hat es gewittert, es ist in sehr kurzer Zeit ein ausgiebiger Regen auf das Land gefallen. Dabei hat es auf etwa 15 Grad abgekühlt und für die Landwirtschaft und alle anderen gibt es eine Pause. Gerade heute am 24. August, dem Unabhängigkeitstag der Ukraine ist der Himmel grau und immer wieder fällt Regen. Für mich ist dies endlich einmal die richtige Zeit, den schon längst überfälligen Rundbrief zu schreiben.
Seit dem zeitigen Frühjahr war ein Ehepaar aus Deutschland bei uns, um uns bei der Arbeit hier vor Ort zu unterstützen. Zu tun gab es reichlich für uns. Neben den immerwährenden Aufgaben um die Bäckerei, die Felder und Geschäfte, hatten wir viele Freunde und Helfer zu Gast in Protopopowka. Die Junigruppe aus Deutschland hatte sich zum Ziel gesetzt, die Heizung im neuen Mitarbeiterhaus fertig zu stellen und mit Wasser - Abwasserverlegung zu beginnen. Schon bald konnte das erste Mal der Ofen angefeuert werden.

Im Kindergarten von Protopopowka gehen die Ausbau- und Renovierungsmaßnahmen weiter. Der Verein stellt die Heizkörper für die neuen Räume, hilft mit Farbe und natürlich mit Brot und Brötchen. Gerade in den ersten Monaten des Jahres war die Haushaltssituation im Dorf sehr kritisch, und der Dorfsowjet konnte einige Monate keine Rechnungen bezahlen. Um so mehr waren Erzieher und Eltern für die Hilfe dankbar. Oft müssen die Kinder Toilettenpapier, Glühlampen, Salz oder Zucker mitbringen, um so den Betrieb dort aufrecht zu erhalten. In der Schule ist das nicht anders, ständig sind die Eltern gefordert, Klassenzimmer zu renovieren, Kosten für Strom mit zu tragen und so gibt es hier, wenn auch nicht offiziell, eine Art "Schulgeld". Deshalb war es für uns wichtig, alle sozialen Einrichtungen im Ort mit zu unterstützen und somit unserem Dorf direkt zu helfen.
Wir haben auch wieder das Blumenfest des Kindergartens mit organisiert und finanziert.

In der Zwischenzeit ist unsere Station hier auch zum Anlaufpunkt für medizinische Behandlungen geworden. Außerordentlich viele Verbandswechsel bei Verbrennungen, Durchblutungsstörungen und anderen Krankheiten sind durchzuführen. Hier erleben wir immer wieder wie schlimm es ist, wenn Armut und mangelnde Hygiene sich verbinden und Menschen bedrücken. Oft fehlt es auch an ganz einfachen Dingen:
die nötige Aufklärung, fliesendes Wasser, eine saubere Binde oder Seife.
Die im Frühjahr begonnene Hilfsaktion "Brot für das Krankenhaus Alexandria" konnten wir durch eine spezielle Spende noch einmal um ein halbes Jahr verlängern. Dankbare Patienten treffen wir bei unseren Besuchen im Krankenhaus. Das tägliche Brot für einen Patienten - das sind alles Dinge, die nicht selbstverständlich sind.

Das Rehabilitationszentrum und das Kinderheim in Alexandria erhielten ein weiteres Mal eine große Lieferung von Lebensmitteln. Dabei freut uns besonders, dass im Kinderheim eine neue Leiterin ihren Dienst aufgenommen hat. Mit ihr kam neuer Schwung, neue Ordnung und ein höheres Niveau in das Haus. Endlich wurde neu renoviert, alle Zimmer und vor allem die schon längst fällige Küche. Hier half der Verein mit Fliesen und finanzieller Unterstützung. Es ist jetzt doch sehr einfach geworden. Wir treffen uns im Baugeschäft, suchen Fliesen aus, handeln mit dem Preis und zwei, drei Tage später werden die Fliesen geliefert.
Zu dem christlichen Reha-Zentrum für Drogen- und Alkoholabhängige in Alexandria besteht eine sehr gute Verbindung. In den letzten Wochen haben uns die Männer aus dem Zentrum viel geholfen.

Jetzt gerade wieder haben wir eine Auflage bekommen, die 630 m freiliegende Gasleitung an der Straße zu streichen.
Wenn wir der Aufforderung nicht nachkommen, bekommen wir am 1.9. das Gas abgedreht.
Wir haben im Reha-Zentrum eine kleine Miniausbildung mit den Männern gemacht.
Vor allem für Fliesenlegen, Trockenbau usw.. Es ist erstaunlich, wie viel Freude und Geschick die Rehabilitanden zu Werke gehen. Wichtig ist eben nur zu vermitteln, welche Arbeiten wie und mit welchem Werkzeug gemacht werden können, und wie Werkzeuge behandelt und gepflegt werden müssen. Wir haben eine ganz Reihe an Werkzeugen bereitgestellt. Die erste Stunde verbrachten wir mit Inspektion und Reinigung der noch vorhandenen Instrumente. Wir haben sehr viel Freude daran zu sehen, wie schnell die Männer dort selbstständig arbeiten und wie geschickt sie neue Verfahren aufnehmen, wie viel Freude es ihnen selbst macht zu arbeiten und etwas Neues zu schaffen, oder Altes zu renovieren.
Gern treffen wir uns dort mit unseren Gästen und Freunden zu einer gemeinsamen Andacht und anschließendem Essen.

Die Ernte ist eingebracht und die Felder werden bereits neu bearbeitet, wir haben Gott sei Dank gut geerntet, dabei wieder viel gelernt und reichlich Erfahrung gesammelt. Beim Weizenfeld wurde viel Geduld von uns gefordert. Lange mussten wir auf einen Mähdrescher warten. Als er endlich kam begann es zu regnen und wir mussten wieder warten. Die Analysen des Weizens sind sehr gut, leider treibt er schon wieder etwas aus und wir können ihn daher nicht lagern. Wir sind dankbar für alles, was uns Gott hat ernten lassen! Weizen, Roggen und Erbsen, Kartoffeln und Rüben werden wir in den nächsten Tagen noch einbringen.
Beim Kartoffellegen im Frühjahr hat uns unser Nachbar geholfen. Mit Pferd und Vielfachgerät ging es gut voran. Vor zwei Monaten wurde das Pferd von der Weide gestohlen und wahrscheinlich gleich zu Wurst verarbeitet. Wir waren gemeinsam bei der Polizei, die aber auch nicht viel helfen konnte oder wollte. Durch Zielgerichtete Spenden wollten wir ein neues Pferd erwerben und so dem Mann seine Existenzgrundlage zurück geben. Nach einigen Anläufen konnten wir heute endlich ein Pferd für den Mann kaufen. Auf unserem Nebengrundstück ist der Stall bald fertig und alle unsere Tiere können umziehen. Jeden Donnerstag treffen wir uns hier zu einem Hauskreis, mit Freunden, Nachbarn und Angestellten. Uns ist es wichtig den Menschen auch die Möglichkeit zu geben, hier eine geistliche Heimat zu finden. Viele kommen nur um zu arbeiten, das ist auch ok. Wir beten für sie, dass sie mehr finden als nur Arbeit und Gehalt. So sehen wir mit Freude den Weg von unseren Nachbarn Wallja und Sergej. Sie setzten ganz kleine Schritte, aber ganz solide. So klein sind die Schritte gar nicht, wenn wir bedenken, dass Sergej schon 9 Monate ohne Alkohol lebt!
Auch unser neuer Traktorist - Viktor - ist vom Alkohol los gekommen und ein prima Kerl. Natascha hat einen großen Schritt gewagt. Wir hatten ihr schon im April angeboten, unseren kleinen Laden hier am Haus privat zu übernehmen. Seit dem 1.6. ist sie privater Kleinunternehmer und wir helfen so gut wir können, in dem wir sie immer wieder unterweisen und korrigieren. Sie ist sehr ehrgeizig und möchte alles schön haben und machen wie in Deutschland. Im September wollen wir Resümee ziehen, und Natascha wird sich entscheiden, ob sie es weiter macht, oder den Laden wieder zurück gibt. Wir sind sehr gespannt!

In den ersten Augusttagen ist Kristin wieder nach Hause gefahren, sie war 10 Monate bei uns und wir hatten eine gute gemeinsame Zeit. Von Anfang Juli bis Mitte August war auch ein junger Bauer bei uns, der uns etwas in Tierhaltung unterwiesen hat. Wir danken allen, die uns unterstützen, die uns immer wieder im Gebet tragen und auch mit Wort und Tat zur Seite stehen. Ohne Hilfe und Unterstützung aus der Heimat, wäre hier jeder Tag doppelt so schwer.


Mit vielen Grüßen aus der Ukraine!

Für den NFK e.V. Achim Döbrich