Nehemia-Freundeskreis e.V. Rundbrief Juni 2018

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Rundbrief Nehemia Freundeskreis

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Protopopowka, Ukraine - 12. Dezember 2018

Liebe Grüße aus der Ukraine in die Heimat, zu allen Freunden und Helfern!

Wie im letzten Rundbrief angekündigt, erhaltet ihr heute unseren Bericht über die Reise in das Kriegs - und Krisengebiet im Osten der Ukraine vom 17. bis 20.05.2018.

Eine neue Reise ins Kriegsgebiet der Ukraine

Nachdem wir unsere Fahrt etwas verschieben mussten, sind wir dann am 17. Mai endlich in Richtung „Ostfront“ aufgebrochen. Das Kriegsgebiet liegt etwa 450 km von uns entfernt. Wir erreichten das Organisationszentrum der „Kirche des Guten Weges“ gegen Abend. Unser Bus war mit verschiedenen Hilfsgütern beladen, natürlich hatten wir auch von unseren selbst hergestellten Produkten reichlich eingeladen, neben Brot und Nudeln auch Butter und Käse. Dazu bauten wir uns eine spezielle Kiste um, so dass wir bedenkenlos 120kg Butter tiefgefroren transportieren konnten.
50 Kilometer vor der Kirche in Slawjansk brach die Feder an der hinteren Achse. Langsam und mit viel Gebet ging es dann weiter bis zur Kirchenbasis. Dort erwartete uns schon Pastor Peter Dutnik. Wir hatten ihn benachrichtigt und Hilfe für unseren Bus war schon organisiert. Peter tröstete uns schnell mit den Worten, das so etwas hier alltäglich ist.
 
Schnell wurde der Bus aus- und umgeladen, denn bis zum Frontgebiet waren es noch einmal 90 Kilometer. Da unser Bus jetzt aber ausfiel, wurde schnell um geplant und wir fuhren mit den Missionaren der „Roten Linie“ weiter bis direkt an die Frontlinie (als „Rote Linie“ wird dort die Grenze bezeichnet, die man als Privatperson nach einigen Kontrollen erreichen kann. Östlich dieser Line sind Minenfelder ausgelegt und ein Betreten dieses Gebietes ist lebensgefährlich).
Als wir schon spät abends in Solotoe (eine Stadt mit etwa 8000 Einwohnern) ankamen, hatten wir bereits einige Hilfsgüter verteilt und in kleinen anderen Stützpunkten abgegeben. Wir öffneten die Bustür und standen vor einem typischen ukrainischen Altneubau – unserem Schlafquartier.
Im gleichen Augenblick erzitterte die Luft und dann auch wir! Es setzte Artilleriebeschuss ein. Iwan – einer der Frontmissionare – sagte gleich, dass es unsere Begrüßung sei. In einer noch nicht ganz fertig renovierten Wohnung waren drei Feldbetten für uns aufgestellt. Noch lange hörten wir die Geschosse über uns hinwegpfeifen. Am Anfang zählten wir immer noch die Sekunden vom Abschuss bis zum Einschlag, später schlugen wir nur noch nach den Mücken, die uns nicht schlafen ließen.
Am Morgen kamen alle zur Ruhe, die Geschütze schwiegen und die Mücken kamen zur Ruhe – nur für uns war es Zeit, um wieder aufzustehen. Noch immer war kein Strom da, das bedeutete für uns kein warmes Wasser und leere Telefonakkus.
Nach einer kurzer Gebetszeit und Frühstück ging es dann gleich los. Wir passierten einige Kontrollpunkte. Pastor Jura, welcher uns an der Front entlangführte, ist auch ein offizieller Feldgeistlicher. So hatten wir keine Probleme. Mit ihm konnten wir die Kontrollpunkte schnell durchqueren. Nach nur 5 km Fahrt von unserem Nachtquartier aus, waren wir schon am Minengürtel der Front angelangt und erreichten eine kleine Vorstadt von Solotoe. Wir sahen viele zerschossene Häuser. Allerdings werden auch viele Gebäude schon wieder repariert und in einer eigenartigen Weise vermischen sich die zerstörten und die reparierten Häuser im Stadtbild.
Hier warteten schon einige Menschen auf uns. Nach einer kurzen Straßenandacht verteilten wir einen Teil der mitgebrachten Hilfsgüter und es  gab viele persönliche Gespräche mit den Einwohnern.

So erfuhren wir von der Direktorin der Schule, dass schon wieder 540 Kinder in der Stadt leben und einige der geflohenen Familien zurückgekommen sind. Trotzdem stehen noch viele Gebäude leer und warten auf ihre alten Besitzer. Die Menschen erzählten uns, wie sie mit dem häufigen Beschuss, dem andauernden Mangel und der Trennung von der Heimat zurechtkommen. In den letzten Monaten normalisierte sich aber auch schon wieder einiges. Zum Beispiel gibt es wieder funktionierende Tankstellen und auch die Versorgungslage ist besser geworden.
Wir fuhren weiter in ein kleines Dorf. 50 Meter neben der „Roten Linie“ befindet sich die ansässige Dorfschule. Die Lehrer waren gerade  alle da und wir kamen genau richtig.
Sie hatten sich selbst einen kleinen Bautrupp organisiert, um das zerschossene Dach  wieder in Stand zu setzen. Lange konnten die Kinder während des Unterrichts in den Himmel schauen und bei Regenwetter gab es schulfrei. Die Fenster Richtung Osten haben bis in Kopfhöhe Splitterschutz vorgebaut bekommen.
Im Lehrerzimmer hörten wir schnell von der gegenwärtigen Problematik. Nach all den schulischen Problemen kamen wir auch schnell zum persönlichen Leid und der Notlage, in der die Lehrer dort leben und arbeiten (müssen). Wir haben auch dort versprochen ihre Anliegen weiter zu geben und sie im Gebet mit zu tragen.
Die Direktorin der Schule bittet uns um Spenden für ein Kopiergerät, um das nötige Schulmaterial für alle Klassen immer wieder bereit zu stellen. Wer sich da gerne mit einbringen möchte, vermerke bitte „Kopierer Schule“ im Verwendungszweck.
 
Um 16.00 Uhr fand ein Hauskreis statt und eine kleine Mannschaft wartete auf uns. Sie alle waren gespannt, was wir aus Deutschland zu berichten hatten. Wir brachten Trost und Hilfe und hörten wieder viele Geschichten von Leid und Jammer. Wir teilten Freude und Leid und packten danach gemeinsam alle anfallende Arbeit an. Das ist unser Prinzip: Gemeinsam die Arbeit anzugehen!
 
Danach schauten wir uns ein kleines Haus an. Es wurde erst kürzlich erworben und soll ein weiterer Stützpunkt in der Kette der Frontlinie werden. Im Moment gibt es der „Roten Linie“ entlang 28 feste Stützpunkte, die ständig mit Missionaren und Helfern besetzt sind.
Hierbei ist neu, dass aktuell versucht wird, die vorhandenen Ressourcen im Krisengebiet zu nutzen. Es ist für alle Stützpunkte angedacht, dass die Missionare mehr an praktische Arbeit herangeführt werden. Sie sollen mit gutem Beispiel vorangehen und der Bevölkerung neuen Mut und Initiative geben, aktiv zu werden. Es soll dabei aber auch erreicht werden, dass die Stützpunkte sich (wenigstens zum Teil) selber tragen oder versorgen können.
Da liegt natürlich die Nutzung der Hausgärten sehr nahe. Es sollen aber auch kleine Handwerke entstehen. In den ersten Schritten wird neben Gartenbau und Gewächshäusern eine Wasseraufbereitung für Trinkwasser und auch eine Schusterwerkstatt entstehen.
Das neu erworbene Haus muss nun an die öffentliche Wasserleitung angeschlossen werden. Die Hauptleitung verläuft etwa 30 Meter vom Haus entfernt. Auch dies ist ein Projekt, welches Sponsoren sucht.
 
Am Ende der Reise stand ein Treffen mit dem leitenden Pastor Peter Dutnik an. Dort erfuhren wir noch von den vielen neuen Plänen. Wir bekamen aber auch die Einladung, die wir gerne an Euch weitergeben: Nächstenliebe braucht keine Sprache – sie ist immer gleich – und wer für die Menschen und für sich selber etwas tun will, ist herzlich eingeladen, nach Slawjansk zu kommen und dort einmal eine Zeit mit zu dienen. Peter bietet Kurzeinsätze an, sie sollten aber nicht kürzer als eine Woche sein. Er verspricht, dass es nur wenig Theorie gibt und es schnell zum praktischen Einsatz an der Front kommt.
Er verspricht weiter, dass jede Person bereichert und mit einer neuen Sichtweise für sein Leben und seine Umwelt zurückkehren wird.
Erst am zweiten Tag erfuhren wir von der Tragödie der ersten Nacht. In der Zeit, wo wir doch relativ sorglos den Geschützen lauschten, starben nicht weit von uns zehn Menschen durch den Beschuss Es war der Längste seit Wochen. Es wurden über fünfzig Salven gezählt. Wir waren besonders dankbar für alle Bewahrung und das wir wieder ein Lichtblick im Krisengebiet sein konnten. Mit dankbarem Herzen kehrten wir in unsere Wahlheimat nach Protopopowka zurück.
 
Bei den Ukrainern und ihren Einstellungen hat sich vieles geändert. Wir wurden öfters gefragt, warum wir dorthin fahren und ob wir nicht genug eigene Probleme hätten. Noch vor zwei Jahren wurden von der ukrainischen Bevölkerung selbst Hilfstransporte organisiert.
 

Neuigkeiten aus Alexandria!

Sascha und Lena bedanken sich ganz sehr bei allen Helfern und Spendern! Sie haben ein festes Finanzierungskonzept für ihren Minibus. Die Kinder sind auch alle glücklich und genießen den kleinen Luxus. Für uns ist es auch eine große Freude zu sehen, dass solche konkreten Bitten immer wieder gut aufgenommen werden. Danke Euch Allen!

Unser Brotauto!


Nach sechzehn langen Jahren treuen Brottransportes ist es nun doch in einem Zustand, wo die Wirtschaftlichkeit der Reparaturen nicht mehr gegeben ist. Wir bewegen das schon länger, doch es gab keine echte Alternative. Die Nachfolgemodelle haben sich im Anschaffungspreis verfünffacht! Also keine echte Variante für eine kleine Bäckerei!
Auch am Traktor war ein Teil kaputt, was nicht bestellt werden kann. So kam es, dass ich mit unserem Iwan in der Stadt einige Firmen besuchte, um uns das Teil nachbauen zu lassen. Als wir bei einem Dreher warten mussten, kam mir so die Idee, einmal zu einem Händler in der Nähe zu fahren. Wir schilderten dort unsere Situation und fragten, ob er uns ein Auto anbieten könnte. Nach kurzem Überlegen sagte er uns, dass er im Moment kein Angebot hat, aber dass gerade ein Mercedes Sprinter aufgebaut wird, der für unsere Zwecke optimal ist. Wir betrachten den „Rohbau“ und sind einverstanden, auch der Preis ist ausgehandelt. So bekommen wir für 15.000 Euro in etwa 2 Monaten ein Ersatzauto. Da liegen wir immerhin im Preis bei 50 Prozent gegenüber einer Neuanschaffung eines russischen Kleintransporters aus den Wolgawerken. Auch hier sind wir für jede Hilfe und Unterstützung offen und dankbar!
 

Unsere Basis!


Auf den Feldern sieht es gut aus. Die neue Technik macht sich da sehr positiv bemerkbar und natürlich auch der Regen zur rechten Zeit hat vieles dazu beigetragen. Ende des Monats wird es wohl dann schon mit der Ernte losgehen.
Dank der Unterstützung der Männer vom Nehemiahaus im Dorf, haben wir auch vieles richten und schlichten können und es sieht doch recht ordentlich bei uns aus. Das ist auch wichtig, da gerade jetzt wieder viele Schulklassen zur Exkursion kommen und wir immer wieder erzählen, warum wir hier sind und was wir hier tun.
Die Saison der Sommerbesucher hat begonnen. Wir freuen uns über alle Gäste und besonders, wenn auch mal einer von den „Alten Hilfsgüteraktivisten“ dabei ist.

Wer es noch nicht getan hat!


Wer es noch nicht getan hat - bitte vergesst nicht eure Zustimmung laut neuer DSGVO-Verordnung zum Email-Versand an kontakt@nehemia-freundeskreis.org zu schicken (es reicht eine Rückantwort im Emailbetreff mit: Zustimmung Name, Vorname!).


Vielen Dank für alles Mittragen und Beten!
Es grüßen euch ganz herzlich aus der Ukraine!
Achim, Gabriele und Johanna Döbrich
 
www.nehemia-freundeskreis.org | Kontakt
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