Nehemia-Freundeskreis e.V. Rundbrief September 2019

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Rundbrief Nehemia-Freundeskreis

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Protopopowka, Ukraine - 21. November 2019

Rundbrief September 2019


Liebe Freunde in nah und fern,

in den letzten Wochen hat sich in der Ukraine viel getan und dennoch wurde wenig bewegt. Seit der Präsidentenwahl im Frühsommer kam es zu einem politischen Stillstand. Unser neuer Präsident hat seit den Parlamentswahlen im Frühsommer auch im Parlament die absolute Mehrheit und das Volk ist gespannt, auf das, was jetzt kommt. Es werden schnelle Ergebnisse erwartet, wie auch immer das geschehen soll, ist aber unklar. Woher will der neue Präsident die vielen neuen und glaubwürdigen Personen hernehmen, mit denen jetzt all die Ämter neu besetzt werden müssen?
Da geht es ihm genau wie uns, auch wir suchen hier händeringend nach Mitarbeitern. Wir brauchen Menschen, die willig sind, unter einheimischen Bedingungen zu arbeiten. Die offenen Grenzen saugen regelrecht die Menschen aus dem Land. Sie arbeiten jetzt in Spanien, Polen, Ungarn, im Baltikum oder anderswo.
In der Ukraine selber stehen viele Fabriken still, es werden Verkäufer gesucht, Fahrer, Köche usw.

 

Wir suchen Bäcker!!!


Zum 1. Mai hat diesen Sog auch unseren Hauptbäcker erfasst. Zwei Bäckern aus dem Nehemiahaus, die nach Beendigung ihrer Rehabilitation bei uns gelernt hatten, führten die Arbeit weiter. Als die Hauptverantwortliche Natascha dann weg ging, war der Druck natürlich sehr groß. Schon nach kurzer Zeit traten erste Probleme auf, bis einer der beiden einen Rückfall erlitt, in sein altes Leben zurückkehrte und fast den letzten Bäcker noch mit sich gerissen hätte. Nur durch viele Gebete, alle Anstrengung und drastische Maßnahmen konnte Schlimmeres verhindert werden. In der Folgezeit spielte sich dann in der Bäckerei ein Personalkarussell ab, das sich eher nach Zirkus anfühlte. Über Wochen haben wir mit einem instabilen Bäcker und immer wieder neu wechselnden Mitarbeitern gearbeitet. Diese Situation war für uns eine große Herausforderung, für Anton (den letztlich verbliebenen Bäcker) eine große Belastung und für unsere Kunden mitunter eine Zumutung. In uns wuchs dadurch die Bereitschaft, die Bäckerei zu schließen.
Doch ein Wunder ist geschehen und die Lage hat sich stabilisiert! In letzter Not erinnerten wir uns an Sergej, der ebenfalls nach seiner Rehabilitation bei uns in der Bäckerei gelernt hat. Vor etwa 18 Monaten ist er zu seiner Familie zurück und hat mit ihnen ein neues Leben begonnen. Wir hörten von ihm, dass dieser neue Lebensabschnitt nicht funktionierte und er irgendwo in der Stadt als Obdachloser herum strich. So gingen wir auf die Suche nach ihm. Wir fanden ihn total abgemagert, dreckig und verlumpt, aber ohne Alkohol und frei von Drogen. Nach unserer Einladung sagte er nur: „Das ist meine Rettung. Ich wollte schon lange zu Euch zurück, habe mich aber so geschämt und mich einfach nicht getraut!“ Seit einer Woche arbeitet er nun wieder bei uns und wird auch vorerst bei uns wohnen. Die dritte Person in der Bäckerei heißt Valentina und wohnt ganz in der Nähe. Als Fünfzigjährige ist sie engagiert, das Bäckerhandwerk zu lernen. So langsam zieht endlich wieder Ruhe und Ordnung ein, die Qualität ist besser geworden und wir freuen uns, wenn im September unser „Bäcker – Christian“ aus Deutschland zu uns kommt und eine Woche Schulung mit den Dreien macht.


 

Wir suchen Melker!



Im Stall haben wir eine ähnliche Situation: Keiner will die Arbeit machen. Gerade das Melken muss auch gelernt sein. Wir haben sehr schmerzhaft erfahren, wie schnell sich Fehler beim Melken auf Milch und Kühe auswirken. Hier hatte Ina – sie trägt gerade für den Stall die Verantwortung – eine Idee: Sie wusste von einer jungen Frau Namens Tanja, die jahrelang alkoholabhängig war und gerade trocken ist. Schon saßen wir bei der Frau zu Hause. Wir kannten Tanja eigentlich nur halb oder ganz betrunken. Sie wollte sich nicht recht trauen, das erste Mal im Leben eine offizielle Arbeit zu übernehmen. Nur durch viele gute Worte und das Drängen von Ina stieg in ihr die Bereitschaft, es wenigstens zu versuchen.
Ina hat sie dann angelernt und immer wieder begleitet und kontrolliert. Jetzt arbeitet Tanja vollkommen selbstständig und hat sehr guten Erfolg beim Melken. Beim Abschluss des Arbeitsvertrages kam heraus, dass Tanja keinerlei Dokumente hat. Bei einem Brand vor einigen Jahren ist alles in Flammen aufgegangen. Ihre Vorgeschichte ist bei den Behörden natürlich auch bekannt. Nur durch unsere Hilfe ist es dann gelungen, alle erforderlichen Dokumente zusammen zu tragen und ein zu reichen. Seit etwa drei Wochen hat sie nun wieder einen Personalausweis und bekommt somit eine offizielle Anstellung.


 

Wir suchen Arbeiter in der Küche!



Unsere Küche ist der Dreh- und Angelpunkt der Nehemia-Basis. Hier werden die Zuarbeiten für die Bäckerei erledigt, Butter geschlagen, Käse gekocht, Konserviert und auch noch für das leibliche Wohl der Mitarbeiter gesorgt. Hierher kommen die Menschen, die Hilfe suchen, oder Unterstützung brauchen. Seit Lena uns- sie ging mit ihrem Mann nach Polen -  verlassen hat, fehlt dort die verantwortliche Hand. Wir müssen sehr wachsam sein, dass nicht ukrainische Verhältnisse in die Küche einziehen und weiterhin alles richtig läuft. Wenn in der Küche nicht gut gearbeitet wird, dann fehlen in der Bäckerei nachts die Zutaten oder die Verkaufsstellen in der Stadt bekommen falsche Sachen geliefert usw.
Aber auch hier fanden wir Ersatz: Oxana ist eine Frau Ende der Vierziger. Sie ist sehr willig und beflissen, leider hört sie etwas schwer und sieht auch schlecht. So sind wir auf allen Gebieten gerade voll gefordert.
 
 

Babys kommen!



In unserem Dorf werden zwei junge Mädchen bald
ihre Kinder zur Welt bringen. Wir sind sehr froh,
dass sich beide für das Leben entschieden haben! Die Hauptlast liegt aber schon jetzt
auf den zukünftigen Großeltern. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken,
die Babyerstausstattung gespendet haben.
Beide jungen Mamas wurden mit Kinderwagen, Babywanne, Babykleidung etc. versorgt.
Das stellt für beide Mädchen eine riesige Hilfe dar und ist sehr motivierend.
Gerne begleiten wir die jungen Familien weiter,
da wir wissen, wie wichtig es ist,
z.B. einen Schulabschluss und eine
Berufsausbildung nachzuholen.




 

Auf dem Hof!




Neben allen Personalfragen waren ja auch noch die Felder zu bearbeiten. Dank sei Gott, der uns dieses Jahr regelmäßig mit durchdringendem Landregen  gesegnet hat! Wir konnten in diesem Jahr eine sehr gute Ernte einbringen!
Die Erntetechnik hat auch gut funktioniert und so freuen wir uns über den eingebrachten Segen! Mittlerweile sind einige Felder wieder neu bestellt. Es muss nur noch Sonnenblumen und Soja geerntet werden.
Zur stabilen Futterversorgung unserer Kühe, haben wir uns dieses Jahr an die Anlage eines Maissilos getraut. Wir sind sehr auf den Moment gespannt, wenn wir das erste Mal die Türen öffnen und den Tieren das neue Futter anbieten. Auch in diesem Bereich leben wir in einer beständigen Erweiterung. Wir sind besonders dankbar, wenn uns ab und zu ein paar fleißige Helfer aus der Heimat unterstützen. So konnten wir auch eine lang überfällige Reparatur am Backofen ausführen. An dieser Stelle gehört ein ganz herzliches Dankeschön an alle Unterstützer, Beter, Berater und Lehrer!

 

Achim und Gabriele




Es gibt Zeiten, da schauen wir uns an und fragen uns, warum wir uns das alles antun… Diese Frage stellen wir uns nicht nur in chaotischen Zeiten, auch wenn wir wieder viele Stunden an der Grenze stehen und sehnlich darauf warten, dass die polnische Zollabfertigung zügiger arbeitet. Oft stehen nur sechs oder sieben Autos vor uns und doch dauert es Stunden! Wir stellen uns auch die Frage, wenn wir realisieren, wie undankbar die Menschen sein können! Natürlich treffen wir auch dankbare Herzen, vor Freude strahlende Kinder und Menschen, denen wir echt helfen konnten. Da wird die materielle Hilfe meist zur Nebensache! Oft ist Rat und Tat viel wichtiger. Da sitzen wir mit Menschen zusammen und planen ihr Haushaltsgeld, um nicht immer wieder in die Schulden zu fallen, beraten Familien bei der Wahl der Schulausbildung für die Kinder.
In allen Herausforderungen wissen wir, dass dieser Platz im Moment unser Platz ist, den wir ausfüllen sollen. Diese Gewissheit tragen wir in uns. Wir erleben immer wieder Gottes Führung und Bewahrung. Wir sind dankbar für meine Anstellung bei der Kontaktmission e.V., für unsere offizielle Entsendung in die Ukraine. Wir sind stolz auf unsere Helena, dass sie sich so gut in das deutsche Leben eingefunden hat und auch mit viel Fleiß und Mühe den Anschluss am Gymnasium geschafft hat. Auch haben wir in den letzten Monaten erleben dürfen, wie wir persönlich durchgetragen werden und für mein Gehalt gesorgt ist! Wir gehen hier weiter mit Freude an die Arbeit, sind sehr dankbar für unsere Gesundheit und Schaffenskraft, so fühlen wir uns noch lange nicht wie fast sechzig! Danke an jede Person, Familie und Firma, die uns mit trägt und unterstützt!

 

Hochzeit!



Jedes Jahr findet unser Dorffest statt. Es werden einheimische Spezialitäten, Getränke und Tanz angeboten. Für die Kleinen wurden eine Hüpfburg und ein Trampolin aufgestellt. Pastor Sascha uns seine Frau Lena richteten am Nachmittag einen Kindergottesdienst aus, zu dem alle Kinder eingeladen waren.
Höhepunkt aber war eine stattfindende Hochzeit:
Dima aus unserem Nehemiahaus hat seine Sveta geheiratet! Nach seiner Rehabilitation betrieb er eine kleine Schneiderwerkstatt im Nehemiahaus. Jetzt wohnen die beiden ein paar Häuser weiter Richtung Dorfzentrum.
Auch die christliche Gemeinde vom Nebendorf bereitete für die Dorfkinder eine Festwoche. Neben vielen Spielen und Erholung gab es auch immer wieder Gottes Wort für die Kinder.


Wir unterstützten die Kinderfreizeit mit Köstlichkeiten aus der Bäckerei und frischer Milch!
 
Wir freuen uns auf die nächsten Wochen und auf alle Gäste, die noch dieses Jahr zu uns kommen wollen. Wir haben immer noch freie Plätze, jeder ist hiermit herzlich eingeladen!

Mit lieben Grüßen aus Protopopovka!
 
Achim und Gabriele
 
www.nehemia-freundeskreis.org | Kontakt
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