Liebe Freunde!

Einige Wochen sind wieder vergangen. Auch wenn wir immer noch keine Telefonverbindung haben - es müssten nun bald schon 8 Wochen werden - erreichen uns immer wieder etliche Anfragen aus Deutschland, wie es denn so bei uns steht und geht. Das freut uns natürlich sehr und Dank dem Internet ist ja auch vieles möglich geworden.

Uns geht es gut und wir haben bewegende Tage hinter uns. Mit sechs Wochen Besuch am Stück, waren wir gut herausgefordert. Doch konnten wir mit allen Gästen die Zeit genießen, diese Arbeit vorstellen und einander dienen. Einige kamen um zu helfen, auch das war sehr gut und notwendig. Ich habe mich ja in viele Dinge eingearbeitet, aber ab und zu ist schon mal so ein richtiger Spezialist gefragt. Und da waren die richtigen Männer vor Ort, für die Heizung, die Bäckerei und auch für den Bau, dank Euch und euren Frauen, welche Euch ziehen lassen haben.

Wirtschaftlich hat sich die Lage stabilisiert und auf einem recht dürftigen Niveau eingependelt. Der Euro steht zum Griwna jetzt etwa 1 zu 23! Die Preise haben sich angepasst, nur die Gehälter hinken weit hinterher. Das gilt natürlich für den Westen der Ukraine und auch für uns hier bis nahe an die Kampfgebiete heran.

Der kritischste Platz ist im Moment das Gebiet um Mariopol herum. Dort ist auch eine Brigade aus unserem Kreis stationiert. Regelmäßig fahren kleine Transporte in diese Gebiete, um den Menschen dort Hilfe zu bringen. Es fehlt einfach an den nötigsten Dingen und die Menschen sind zum großen Teil auch fix und fertig. Vor allem die Älteren sehen keinen Sinn in der Flucht und wollen oder können auch nicht noch einmal alles verlassen. Um aus dem Separatistengebiet ausreisen zu können, werden viele Dokumente gefordert. Die müssen gekauft werden. Somit kann sich der Bürger dort für etwa 10.000,00 Griwna selber frei kaufen, muss aber alles Hab und Gut zurücklassen.

Durch ein älteres Ehepaar im Gebiet um Donezk haben wir immer wieder Informationen aus erster Hand. Ab und an geht auch dort das Mobilfunknetz und dann bekommen wir die neusten Nachrichten.

Der Verein unterstützt im Moment die Hilfsaktionen im Gebiet um Debazowo ( Evangelische Kirche Slavansk ) und die regionalen Hilfstransporte in das Gebiet um Mariopol. Gerne möchte ich auch mal nach Mariopol, um dort mit eigenen Augen mir ein Bild von der Lage zu machen. Die Eltern und Geschwister vom Pastor Sascha wohnen dort, so kommen auch von da immer die neuesten Nachrichten. Sascha ist der Pastor, der das Rehabilitationszentrum betreut.

Gute Nachrichten kommen von den Feldern. Da es im Frühjahr ab und an geregnet hat, ist eine ordentliche Ernte zu erwarten. Auch wenn es im Moment sehr trocken und heiß hier ist, glauben wir, dass uns der Herr nicht mit dem wichtigen Nass vergisst.

Der Schulverkauf von Backwaren in der 20.Schule hat begonnen und die Bäckerei vor eine neue Herausforderung gestellt. Unser Bäcker Felix wollte uns eigentlich verlassen und sein Glück in Polen suchen. Jetzt hat er es sich noch einmal überlegt und bleibt vorerst bei uns, das gibt uns auch wieder ein Stück Sicherheit in der Planung.

Da sind wir sehr froh über eine neue Bäckerin, die mit viel Freude und Fleiß an die Arbeit geht. Auch für die Landwirtschaft konnten wir einen neuen Mann einstellen, der bis jetzt mit mehr Sinn und Verstand an die Aufgaben geht, als wir es bisher gewöhnt waren und kannten.

So kommen wir nun auch personell auf eine höhere Stufe. Das gibt vor allem mir die Möglichkeit und den Freiraum, sich auch wieder mehr um andere Dinge zu kümmern.

Das Kinderheim in Alexandria ist im Moment die einzige Einrichtung, welche von uns direkt unterstützt wird, da hier zweckgebundene Spenden vorhanden sind. Alle freien Gelder fließen im Moment in den Osten, wo die Not viel größer ist. Wir haben dabei festgestellt, dass ein Aussetzen der ständigen Hilfslieferungen die Dankbarkeit für bereits erhaltene Hilfeleistungen erhöht.

Natürlich gibt es auch immer wieder Probleme, die hausgemachten und die anderen. So hatte gerade Gabriele vor kurzem große Probleme mit der Verkehrspolizei, die gerade nicht genau von der aktuellen Gesetzeslage für Autos mit ausländischer Nummer Kenntnis hatten. Nur ein Anruf beim 1. Stellvertreter des Ministerpräsidenten in Kirowograd konnte die Beschlagnahmung des Autos verhindern. Jetzt haben wir uns von unserem Juristen das entsprechende Gesetz ausdrucken lassen, so dass wir beim nächsten Mal der Miliz helfen können. Auch bei der Rückfrage im Hauptzollamt, wurde durch den Abteilungsleiter uns nur mitgeteilt, dass er wisse, dass die Miliz das Gesetz nicht so wissen will.

Das sind aber nur Kleinigkeiten am Rande unseres Lebens hier, mit denen wir leben. Gestern haben wir auch die Nachricht bekommen, das wir in etwa zwei Wochen mit einem funktionierenden Telefon rechnen können. Bleibt uns die Vorfreude auf den Tag, wo es dann wieder funktionieren wird und natürlich die Hoffnung, dass es keine zwei ukrainischen Wochen werden und dabei die Kartoffelernte vorüber geht.

So grüßen wir Euch für heute ganz herzlich!
Achim, Gabriele und Helena

 

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